Biking Man: Mit dem Fahrrad 1.050 Kilometer am Stück durch die Wüste

Langstreckenrennen im Oman : In 52 Stunden durch die Wüste

Alexander Schmitz liebt die Extreme: Der Radsportler aus Erkelenz ist beim „Biking Man“ im Oman mitgefahren. Die Strecke absolvierte er in unglaublichen 52 Stunden und belegte am Ende als bester Deutscher den zwölften Platz.

Als um 6.30 Uhr die Sonne im Oman langsam aufgeht und die Gebirgshänge am Rande der Wüste in ein hellrotes Licht gehüllt werden, sitzt Alexander Schmitz schon wieder auf seinem Rennrad. Die wunderbare Aussicht kann er nur bedingt genießen. Seit über 24 Stunden fährt der Mann aus Erkelenz durch das Land auf der arabischen Halbinsel.

530 Kilometer hat Schmitz schon hinter sich gebracht, weitere 500 liegen noch auf seiner Route. Bislang hat der 55-Jährige nur 90 Minuten in einer Bushaltestelle geschlafen, die restliche Zeit hat er eifrig in die Pedale getreten, um möglichst schnell die Ziellinie in Omans Hauptstadt Maskat zu erreichen.

Foto: Privat

Das 1050 Kilometer lange Fahrradrennen durch den Oman ist Teil der Langstrecken-Serie „Biking Man“. Außer im arabischen Land finden die Rennen in diesem Jahr noch in Peru, Taiwan, Portugal, Laos und Korsika statt. Im vergangenen Jahr war Schmitz auf Korsika dabei, Ende Februar nahm er nun die Herausforderung im Wüstenstaat Oman an. 120 Stunden hatte jeder der 100 Teilnehmer Zeit, die Distanz von 1050 Kilometern mit insgesamt 7200 Höhenmetern zu bewältigen. Vergleichbar ist die Länge dieser Strecke mit einer Fahrt von Düsseldorf bis an die Cote D’Azur nach Frankreich.

„Mein Ziel war es, innerhalb von drei Tagen anzukommen“, sagt Schmitz. Der Startschuss zum Rennen fiel sonntagnachts um 3 Uhr Ortszeit und schickte die Teilnehmer auf eine lange Fahrt quer durch den Nord-Osten des Landes: das Hadschar-Gebirge mit dem Berg „Jabel Sham“, die „Shariqiyaj“-Region mit ihrer großen Wüste und die Küstenstrecke am Golf von Oman. Als Besonderheit bei den Wettbewerben dieser Rennserie gilt, dass die Fahrer „unsupported“ an den Start gehen. „Man bekommt vom Veranstalter einen GPS-Tracker ausgehändigt, für alles andere, wie die Verpflegung unterwegs oder die Reparatur des Rades, ist man als Teilnehmer selbst verantwortlich. Auch Hilfe von Einheimischen oder anderen Fahrern darf man nicht annehmen“, erklärt der Erkelenzer.

Lediglich zwei Checkpoints des Veranstalters durchfahren die Teilnehmer – nach 350 und 750 Kilometern. Dort bestünde für die Biker die Möglichkeit zu schlafen. „Jeder Fahrer hat da seine eigene Taktik. Ich wollte nicht am ersten Checkpoint bleiben, weil er oben im Gebirge bei einer Temperatur von zwölf Grad lag. Also bin ich bis Kilometer 520 weitergefahren.“

Als Schmitz dort ankommt, ist es 2 Uhr nachts. Er saß also bereits 23 Stunden auf dem Rad. „Die Müdigkeit kam durch, also habe ich meine Isomatte ausgepackt und 1,5 Stunden an einer Bushaltestelle geschlafen. Dann bin ich aber direkt weiter, weil die Bedingungen in der Nacht viel angenehmer sind als am Tag.“

Foto: Privat

Schmitz fährt den gesamten Montag durch die Wüste. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad. Am Abend erreicht er den zweiten Checkpoint an der Landesküste. Er entscheidet sich zum Weiterfahren, erneut um die kühleren Temperaturen und den Rückenwind in der Nacht zu nutzen.

„Als ich um 0 Uhr auf die Uhr guckte, war ich noch etwas mehr als 100 Kilometer von Maskat entfernt. Ich fühlte mich noch fit und fuhr bis ins Ziel durch.“ Das erreicht er am Dienstag um 7.15 Uhr, nach nur unglaublichen 52 Stunden und 13 Minuten. Damit ist er viel schneller als eigentlich erwartet und belegt als bester deutscher Fahrer den zwölften Rang.

Mit Stolz und unzähligen Eindrücken kehrte der 55-Jährige aus dem Oman nach Erkelenz zurück. „Ich nutze diese Abenteuer, um einmal pro Jahr aus der Monotonie des Alltags auszubrechen“, sagt Schmitz, der als Sachbearbeiter in Düsseldorf tätig ist.

Seinen Arbeitsweg von 55 Kilometer pro Strecke bewältigt der passionierte Sportler übrigens mit dem Rad. „Das mache ich so zwei bis dreimal die Woche, egal bei welchen Witterungsverhältnissen. Wenn ich Spätdienst habe, fahre ich von Erkelenz auch schon mal über Holland nach Düsseldorf.“ Im Jahr kommt Schmitz so auf mehr als 10.000 Kilometer mit dem Fahrrad.

Schmitz’ Planungen für das kommende Jahr stehen auch schon: Dann möchte er am Wettbewerb in Taiwan teilnehmen. Die dortige Strecke ist nochmal um 100 Kilometer länger als im Oman. Für den Erkelenzer geht es aber sowieso nicht primär um Platzierungen oder Zeiten: „Der Reiz besteht doch darin, andere Länder kennenzulernen, in die man sonst so nicht reisen würde. Auf dem Fahrrad hat man die Chance, das Land zu erkunden und in direkten Kontakt mit der Bevölkerung zu kommen.“

(seka)
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