Olympische Spiele in Vancouver: So funktioniert Curling

Olympische Spiele in Vancouver: So funktioniert Curling

(RP). Pünktlich zu Olympia entdecken wieder Millionen Fernsehzuschauer die Nischensportart. Nur 800 Aktive gibt es in Deutschland. In Kanada wird das Spiel mit den Granitsteinen von über einer Million Menschen gespielt.

Düsseldorf Es ist eine Zahl, die man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss. 5.170.000. Dagegen steht eine andere Zahl. 800. So viele aktive Curling-Spieler gibt es nämlich in Deutschland, in ganzen 18 Vereinen. Eine Randsportart, nein, sogar ein absoluter Nischensport.

Bis Olympia jedenfalls. Denn alle vier Jahre tauchen die Curling-Fans plötzlich aus dem Nichts auf, bescheren ihrem Sport Traumquoten bei den Übertragungen im Fernsehen. Dann schauen sich nämlich bis zu ebendiese 5,17 Millionen wie vergangene Woche eine Wiederholung eines Spiels der deutschen Curling-Mannschaft an.

Nun müsste man in Kanada nicht viele Worte zu dem Spiel mit den exakt 19,958 Kilogramm schweren runden Granitsteinen verlieren. Dort nämlich ist Curling eine Breitensportart mit über einer Million Aktiven. Jeder Wettbewerb bei Olympia ist mit 5600 Zuschauern ausverkauft. Doch in Deutschland? Hier lockt die Sportart in normalen Zeiten niemanden hinter dem Ofen hervor.

Dabei ist Curling taktisch ganz schön anspruchsvoll. Die Steine müssen über eine sorgfältig präparierte 44-Meter-Eisbahn in das so genannte "Haus", eine Art Zielscheibe, gespielt werden. Der mittlere Ring dieses Hauses ist genau 15 Zentimeter groß. Weil die Steine unten konkav geformt sind, drehen sich diese auf der mit feinen Wassertröpfchen aufgerauten Eisfläche in eine bestimmte Richtung.

Durch das gerne einmal belächelte Wischen wird diese Drehbewegung ebenso wie das Abbremsen des Steins verringert. Acht Steine spielt jedes der aus vier Spielern bestehenden Teams. Ziel ist, möglichst viele der eigenen Steine näher an das Zentrum des Hauses zu spielen als der bestplatzierte gegnerische Stein — dafür gibt es nämlich jeweils einen Punkt. Aus diesem Grund ist das "Recht des letzten Steins", welches jeden Durchgang wechselt, auch so wichtig. Gewonnen hat, wer nach zehn Runden die meisten Punkte auf dem Konto hat.

Trotz der Traumquoten zu Olympia — am Curling scheiden sich die Geister. Selbst unter den Aktiven. So ärgert sich die deutsche Andrea Schöpp einerseits darüber, dass sie von anderen Sportlern im Olympischen Dorf gerne einmal belächelt wird. Andererseits gibt selbst ihr männliches Pendant, Andreas Kapp, zu, "dass es einfach lustig aussieht, wie da ältere Herren mit Brille, Bart und 90 Kilogramm über das Eis laufen und mit dem Besen wild herumschrubben".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Olympia 2010: Curling in Clownshosen