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Stürze, Tränen, Zukunftssorgen: Ski-Freestyler auch im Cross ohne Medaille

Stürze, Tränen, Zukunftssorgen : Ski-Freestyler auch im Cross ohne Medaille

Heidi Zacher stand weinend im Zielraum, Anna Wörner musste nach einem schweren Sturz verletzt von der Strecke getregen werden: Der letzte Auftritt der deutschen Ski-Freestyler bei den Olympischen Spiele in Sotschi endete nicht nur wie die neun anderen Wettbewerbe zuvor medaillenlos, sondern zudem mit einem Schock.

Skicrosserin Wörner (Partenkirchen) stürzte im Viertelfinale auf Platz drei liegend nach einem weiten Sprung schwer und überschlug sich mehrmals. Die 24-Jährige musste minutenlang auf der Piste behandelt werden, ihr rechtes Bein wurde geschient. Die erste Diagnose lautete: Knieverletzung. Zacher (Lenggries) war bereits im Achtelfinale gescheitert.

DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier kritisierte im Anschluss an Wörners Sturz die Piste im Rosa Chutor Extreme Park. "Auf die Karte zu setzen, mit extremen Stürzen oder Überlastungen der Sportler viele Zuschauer zu bekommen, ist für uns die verkehrte Richtung." Er halte die "Verluste, die dieser Parcour gefordert hat, für sehr bedenklich". Skicross-Bundestrainer Alexander Böhme sah das etwas anders. "Die Piste hat genau den Anspruch, den wir brauchen. Und es ist auch eine sichere Strecke."

Tatsache ist allerdings, dass es bereits zuvor bei den Ski-Freestyle- und Snowboard-Wettbewerben mehrere schwere Stürzeim Etreme Park von Rosa Chutor gegeben hatte. Unter anderem erlitt die Russin Maria Komissarowa einen Bruch des zwölften Brustwirbels. Sie wurde vor Ort in einer Klinik in Krasnaja Poljana notoperiert und anschließend zur weiteren Behandlung nach München ausgeflogen.

Der Sturz Wörners beendete auch die letzte deutsche Chance auf eine Ski-Freestyle-Medaille, in den neueren Sportarten fuhren die DSV-Starter in Sotschi nur hinterher. Nun droht auch der Wegfall von Fördergeldern des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Bundesinnenministeriums - und damit das Aus. Maier kündigte bereits an, Sportarten wie Skicross oder Buckelpiste in Zukunft nicht mehr zu unterstützen, sollte die finanzielle Unterstützung wegfallen.

"Wenn der DOSB es weiter möchte, dann soll er es fördern. Wenn er es nicht fördern möchte, stellen wir es ein", sagte Maier. Es mache aus seiner Sicht aber keinen Sinn, nach teilweise nur zwei Jahren die Unterstützung einzustellen: "Keiner schafft es, in zwei Jahren zur Weltspitze zu kommen." Da sei es nicht richtig, mit Medaillenerwartungen "das Messer auf die Brust zu setzen". Zudem seien die Förderbeträge im Vergleich zu anderen Nationen "lächerlich".

Maier meint damit Nationen wie Kanada oder die USA, die zusammen sieben Goldmedaillen in den Freestyle-Wettbewerben gewannen. Im Skicross siegte die Kanadierin Marielle Thompson vor ihrer Teamkameradin Kelsey Serwa und der Schwedin Anna Holmlund.

So fiel auch das Fazit von Skicross-Trainer Böhme durchwachsen aus: "Ich habe mir mehr erhofft von den Spielen, bei den Mädels wäre viel dringewesen." Für die Freestyler sieht er aber nicht schwarz: "Wenn das mit Weitblick begutachtet wird, haben die Sportarten Potenzial."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Skicrosserin Wörner schwer gestürzt

(sid)