Olympia-Ticket gebucht: Rodler Bruno Banani will kein Werbegag sein

Olympia-Ticket gebucht: Rodler Bruno Banani will kein Werbegag sein

Bruno Banani ist nicht der schnellste Rodler, aber einer der interessantesten. Der Athlet vom Königreich Tonga hat sich für Olympia in Sotschi qualifiziert.

Es ist nicht seine Leistung, es ist noch nicht einmal seine exotische Herkunft. Der Grund, warum der einzige Rennrodler aus dem Inselparadies Tonga so viele Sportfans fasziniert, ist sein Name: Bruno Banani. Die Namensgleichheit mit einer Unterwäschefirma ist nicht zufällig, sie ist das Produkt eines grenzwertigen Marketings. Bei seinen ersten Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi will der "Rodel-König von Tonga" beweisen, dass er mehr ist als nur ein Werbegag.

Seine Olympia-Qualifikation hat Banani seit Dienstag mit dem offiziellen Einladungsschreiben des Weltverbandes FIL schwarz auf weiß. "Ich bin unglaublich glücklich", sagt Banani. Mit seiner deutschen Trainerin Isabel Barschinski, früher selbst aktive Rodlerin, stieß er mit einem Glas Sekt auf den Erfolg an, dann verabschiedete er sich in den Weihnachtsurlaub auf die Südseeinsel Tonga.

Bei seiner Familie wird er wieder Fuahea Semi genannt, so wie er vor 26 Jahren geboren wurde. Dass in seinem Reisepass und der Geburtsurkunde der Name "Bruno Banani" steht, hat sich eine kalifornische Marketingagentur ausgedacht, um den gleichnamigen Unterwäschehersteller aus Chemnitz als Sponsor zu gewinnen.

Die Firma war nach eigenen Angaben in den Plan nicht eingeweiht, sie hat das Engagement aber auch nicht beendet, als die Trickserei vor zwei Jahren bekannt wurde. Der heutige IOC-Präsident Thomas Bach hatte die Namensänderung zu Werbezwecken damals scharf kritisiert. "Ich halte das wirklich für eine perverse Marketingidee", hatte Bach gesagt und gleichzeitig erklärt, dass man Banani wohl nicht verbieten könne, auch bei Olympia unter seinem Werbenamen zu fahren.

Viel Wirbel, aber wozu? Ein Exot in der Eisrinne lässt sich gut vermarkten. Bei den Sportfans kommen sofort Erinnerungen an den Disney-Hit "Cool Runnings" auf, in dem sich ein zunächst verspottetes Bob-Team aus Jamaika seinen Traum von Olympia verwirklicht. Bananis Lebensgeschichte bietet aber noch viel mehr Stoff für Hollywood.

Seine Rodelkarriere hat er der Prinzessin des Königreiches Tonga zu verdanken. Salote Mafile'o Pilolevu Tuita weilte oft im Skiurlaub in St. Moritz und pflegte dort eine Bekanntschaft mit Fürst Albert II. von Monaco, der als Bobpilot selbst fünfmal bei Olympia startete. Da kam ihr die Idee, auf der Südseeinsel Tonga, wo an 350 Tagen im Jahr die Sonne scheint, einen Rodelverband zu gründen.

Zum Casting bei Hofe wurden 2008 die sportlichsten der rund 100.000 Insel-Bewohner eingeladen, darunter auch Banani. Der Sohn eines Kokosnuss-Farmers überzeugte auch Isabel Barschinski. Die Leipzigerin leitete das Casting und trainiert seitdem die Ein-Mann-Nationalmannschaft. "Er ist ein bisschen wie ein Kind für mich", sagt Barschinski.

Als Banani 2009 zum Training nach Deutschland kam, sah er das erste Mal in seinem Leben Schnee. Auf der anspruchsvollen Bahn in Altenberg stürzte sich der frühere Informatikstudent dann erstmals einen Eiskanal hinunter. Seitdem macht er beachtliche Fortschritte, im Dezember 2011 holte er bei den kontinentalen Meisterschaften für Amerika und den Pazifik-Raum mit Bronze die erste Rodel-Medaille für Tonga.

Inzwischen hat das deutsche Team eine Patenschaft für Banani abgeschlossen, er darf am Stützpunkt Oberwiesenthal trainieren und alle Lehrgänge der Nationalmannschaft mitmachen. Bundestrainer Norbert Loch schwärmt vom zurückhaltenden Banani: "Er ist ein ehrgeiziger Athlet und kein 'Eddie the Eagle' des Rodelns."

"Eddie the Eagle", also der Skispringer Michael Edwards, durfte bei den Winterspielen 1988 für Großbritannien teilnehmen. Dieser große Traum wird in zwei Monaten auch für Banani wahr. Auf der neuen Bahn in Sotschi will er mindestens 30. von insgesamt 40 Startern werden, mit dem Namen seines Sponsors auf dem Leibchen. "Er ist stolz auf seinen Namen und hat die Aktion nie bereut", sagt Barschinski: "Außerdem ist es der Mensch Bruno, der sich qualifiziert hat."

(sid)
Mehr von RP ONLINE