Pyeongchang 2018: Nigeria stellt Afrikas erstes Bobteam

Von verrückter Idee zu Olympia: Nigeria schickt Afrikas erstes Bobteam ins Rennen

Das schneefreie Nigeria begeistert sich erstmals für die Winterspiele. Drei Frauen werden für das Land im Olympia-Bob antreten - es ist wie Cool Runnings auf afrikanisch.

Auf einem eiskalten Parkplatz in den Bergen von Pyeongchang kickt Nigerias Frauen-Bobteam kichernd einen Fußball für die Kamera-Teams. Die unbändige Freude über die Verwirklichung ihres olympischen Traums ist der Crew um Pilotin Seun Adigun in jedem Moment anzusehen.

Erstmals wird ein Bobteam aus Afrika bei Winterspielen starten - und die Frauen aus Nigeria wollen ihren großen Auftritt so richtig genießen. "Wir haben uns nicht von der Herausforderung entmutigen lassen. Das zeigt unsere Stärke als Nigerianerinnen", sagt die 31 Jahre alte Adigun.

Kein Schnee - und keine Bobbahn

Schnee gibt es in dem westafrikanischen Land nicht, erst recht keine Bobbahn. Noch vor einem Jahr schien die Olympia-Hoffnung der drei Athletinnen ein Scherz zu sein, der sich auf Crowdfunding, soziale Netzwerke und viel Hoffnung stützte. Doch inzwischen werden die Frauen als Nationalheldinnen gefeiert und von Sponsoren umworben.

"Wir nehmen teil, um den Menschen zu zeigen, was möglich ist", sagt Adigun. Die Idee, eine Bobmannschaft zu gründen, hatte die in den USA geborene und aufgewachsene frühere Leichtathletin Adigun. Sie trat unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 über 100 Meter Hürden an. Auf der Suche nach einem neuen Sport begann sie sich für das Bobfahren zu interessieren und schloss sich dem US-Team an. Doch 2016 kam ihr die Idee, mit anderen Leichtathletinnen ein nigerianisches Team zu gründen. "Ich hatte wieder Olympia-Fieber", sagt sie sich.

Die schier unglaubliche Geschichte - von einer Schnapsidee hin zum olympischen Wettkampf - ähnelt einem Disney-Märchen. Oder zumindest dem Film "Cool Runnings", der auf der Olympia-Beteiligung eines jamaikanischen Viererbobs 1988 in Calgary beruhte. Die im texanischen Houston lebende Adigun holte die früheren Leichtathletinnen Ngozi Onwumere (26 Jahre) und Akuoma Omeoga (25) ins Team, die ebenfalls nigerianische Wurzeln haben. Nach der Universität im US-Bundesstaat Minnesota habe sie einen neuen Sport anfangen wollen, erinnert sich Omeoga. "Ich dachte nie, dass es Bobfahren würde."

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Zunächst trainierte das Team mit einem von Adigun selbst zusammengezimmerten Bob aus Holz. Über eine Crowdfunding-Kampagne warben sie dann 75 000 US-Dollar ein, auch um einen nigerianischen Bobverband zu gründen - eine Voraussetzung für die Olympia-Teilnahme. Das Team schoss dann unter anderem auf den Bahnen in Whistler und in Lake Placid durch die Eisrinne. Im November qualifizierten sie sich über den Nordamerika-Cup, wo sie mit nur drei von insgesamt acht Rennen in die Wertung kamen, als erstes afrikanisches Bobteam der olympischen Geschichte für die Winterspiele.

Keine Weltcup-Teilnahme bislang

An einem Weltcup haben sie bislang aber nie teilgenommen. Beste Platzierung beim Nordamerika-Cup war zweimal Platz zwölf - bei jeweils 13 Schlitten im Ziel. Schnell wurden sie dennoch eine Mediensensation, das Interesse von Sponsoren war geweckt.

"Das Verrückte ist, dass die meisten Leute gar nicht verstehen, was Bobfahren ist, aber das ist ihnen egal", sagte Adigun jüngst in einer US-Talkshow. Afrikaner bei den Winterspielen sind immer noch Exoten. Doch die Nigerianerinnen sind nicht die einzigen Athleten, die teils in kälteren Gefilden aufgewachsen sind, aber für ihre afrikanische Heimat antreten. Für Ghana etwa ist in Pyeongchang der in den Niederlanden lebende Skeleton-Pilot Akwasi Frimpong (22) dabei. Für Kenia startet Skirennfahrerin Sabrina Simader (19), die hauptsächlich in Österreich aufgewachsen ist.

Neben den drei Bobsportlerinnen tritt für Nigeria auch noch die Skeleton-Fahrerin Simidele Adeagbo (36) an. Es gehe bei der Olympia-Teilnahme auch darum, der Welt "starke, intelligente, lebhafte, mutige, schöne und ehrgeizige afrikanische Frauen zu zeigen, die sich im Sport entschlossen durchsetzen", so Adeagbo. Das Team wolle erfolgreich sein, doch das sei natürlich nicht alles. "Was wir hier erleben, wird für immer Bestand haben. Das ist es, was wir von den Spielen mitnehmen werden - Medaille oder keine Medaille."

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(dpa)