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Paralympics 2022 in Peking - Nachrichten zu Medaillen & Co.: Deutschland Siebter im Medaillenspiegel

Peking 2022 : Paralympics enden - Deutschland Siebter im Medaillenspiegel

Nach Olympia sind nun auch die Paralympischen Winterspiele in Peking Geschichte. Am letzten Tag des Events für Sportler mit Behinderung gelang dem deutschen Team keine weitere Medaille. Alle Entwicklungen im Überblick.

Das deutsche Team hat bei den Winter-Paralympics in Peking Platz sieben im Medaillenspiegel erreicht. Mit vier Goldmedaillen, achtmal Silber und siebenmal Bronze konnte sich die Mannschaft, die sich im Umbruch befindet, durchaus überraschen. Mit insgesamt 19 Medaillen egalisierten die Athletinnen und Athleten aus Deutschland die Anzahl der Podestplätze von Pyeongchang vor vier Jahren.

Erfolgreichste deutsche Sportlerin war Anna-Lena Forster. Die Monoskifahrerin kam auf zwei Gold- und zwei Silbermedaillen. Die erst 15 Jahre alte Linn Kazmeier (Langlauf) und die drei Jahre ältere Leonie Walter (Biathlon) holten ebenfalls Gold.

Mit deutlichem Abstand gewann China (18/20/23) den Medaillenspiegel, gefolgt von der Ukraine (11/10/8) und Kanada (8/6/11).

Glötzner und Kress scheiden im Slalom aus

Skifahrer Christoph Glötzner hat zum Abschluss der Spiele von Peking ein unglückliches Paralympics-Debüt hingelegt. Nachdem der 18-Jährige den Riesenslalom am Donnerstag wegen eines Sturzes beim Einfahren verpasst hatte, wurde er nun im Slalom bereits im ersten Lauf disqualifiziert. Der mit einer Schienbeinprellung und einem Muskelbündelriss im Oberarm angetretene Glötzner fuhr nach bis dahin starker Leistung auf der falschen Seite am letzten Tor vorbei.

"Das ist mir im Leben noch nie passiert. Ich muss grad echt nur lachen, ausgerechnet bei den Paralympics passiert mir so ein dummer Fehler", sagte Glötzner. Er sei nach seinen Verletzungen "aber froh, dass ich starten konnte. Die Spiele sind auf jeden Fall unvergesslich." Ohne seinen Fauxpas wäre er auf Rang 18 in der Zwischenwertung, unter den Einbeinern wäre es Platz drei gewesen.

Sein Teamkollege Leander Kress schied im zweiten Lauf aus. Insgesamt gewann das deutsche Alpin-Team in Yanqing sechs Medaillen. Anna-Lena Forster holte sich in der sitzenden Klasse je zweimal Gold und Silber, dazu sicherten sich Andrea Rothfuss und Anna-Maria Rieder in der stehenden Klasse jeweils einmal Bronze.

Skilanglauf-Staffel verpasst Mixed-Medaille

Die deutsche Skilanglauf-Staffel hat zum Abschluss der Paralympischen Winterspiele in Peking im Mixed-Wettbewerb eine Medaille verpasst. Das Quartett Anja Wicker, Leonie Walter, Marco Maier und Nico Messinger landete über 10 km auf dem fünften Platz, der Rückstand auf den Bronzerang betrug knapp 50 Sekunden.

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"Die Medaille war klar das Ziel, deswegen haben wir so aufgestellt", sagte Anja Wicker, die im Biathlon die Bronzemedaille gewonnen hatte: "Am Ende waren die Anderen trotzdem besser. Wir haben alles versucht, deswegen können wir auch sehr zufrieden sein. Mehr war nicht drin." Den Sieg sicherte sich die USA vor China und Kanada.

+++ 12. März +++

Zweites Gold in Peking – Forster dominiert Slalom nach Belieben

Anna-Lena Forster hat eindrucksvoll die zweite Goldmedaille bei den Paralympics in Peking gewonnen. Die 26 Jahre alte Monoskifahrerin kam am Samstag im Slalom in der sitzenden Klasse vor Wenjing Zhang und Liu Sitong aus China ins Ziel und schrie danach ihre Freude deutlich hörbar heraus. „Ich bin einfach nur super happy“, sagte sie. Forster holte zuvor bei den Paralympics im Reich der Mitte Gold in der Super-Kombination und zweimal Silber in der Abfahrt und im Super-G. Im Riesenslalom wurde sie Vierte.

Bereits nach dem ersten Durchgang führte die Athletin aus Radolfzell souverän die Konkurrenz an. Auch im zweiten Lauf dominierte sie und jubelte bei einem Vorsprung von 2,32 Sekunden verdient über ihren insgesamt vierten Paralympicssieg. „Jetzt will ich erstmal runterkommen und entspannen“, erklärte Forster. In vier Jahren in Italien soll es weitere Medaillen geben. „Es gibt noch Steigerungsmöglichkeiten“, merkte sie an.

Parsons lobt "Widerstandsfähigkeit" des ukrainischen Teams

IPC-Präsident Andrew Parsons hat die Leistungen der ukrainischen Mannschaft bei den Paralympics in Peking angesichts des Krieges in der Heimat in den höchsten Tönen gelobt. „Dass sie hier auf so hohem Niveau antreten, obwohl ihre Familie und ihr Land angegriffen werden, ist einfach unglaublich", sagte der Chef des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) auf der Abschlusspressekonferenz: „Das ist eine der unglaublichsten Demonstrationen von Widerstandsfähigkeit, die ich je in meinem Leben gesehen habe, sei es im oder außerhalb des Sports."

Er könne für die 20 Athletinnen und Athleten nur seine „Bewunderung ausdrücken", führte er aus. Alle Leistungen dieser Mannschaft gingen „über das hinaus, was ich denken kann. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Gleiche tun könnte, was sie hier tun", so Parsons weiter: „Aber weil sie das Herz eines Sportlers haben, das Herz eines Paralympioniken, sind sie in der Lage, dies zu tun." Weitere Pläne mit dem Team für die Zeit nach den Spielen werde das IPC aus Sicherheitsgründen nicht offenlegen.

Er sehe es als „zwingend notwendig" an, die russische und belarussische Mannschaften doch noch von den Spielen ausgeschlossen zu haben. „Wir mögen es nicht, wenn sich Politik und Sport vermischen, aber wir haben unsere Grenzen. Wir mussten handeln und in gewisser Weise auf unsere Mitglieder hören und im besten Interesse des Fortbestands der Spiele Maßnahmen ergreifen", sagte der 45-Jährige. In einer Kriegssituation sei es „unmöglich, den Sport vom Rest der Welt zu trennen".

Para-Ikone Schönfelder trauert alleinigem Rekord nicht nach

Alpin-Ikone Gerd Schönfelder ist nicht mehr alleiniger Rekordhalter als Athlet mit den meisten Goldmedaillen bei Paralympischen Winterspielen - und das ist ihm eigentlich ganz recht. „So bleibe ich auch im Gespräch", sagte der 51-Jährige dem SID: „Sonst ist das eigentlich kein Thema." Am Samstag zog der kanadische Skilangläufer Brian McKeever mit seinem 16. Paralympics-Sieg mit Schönfelder gleich.

„Es ist ganz nett von ihm, dass er nun seine Karriere beendet und wir dann zu zweit sind", sagte Schönfelder. Vor dem Ende seiner aktiven Laufbahn hat McKeever am Sonntag noch eine Gelegenheit, um doch an Schönfelder vorbeizuziehen. Die Chancen auf Gold mit der Langlauf-Staffel sind allerdings äußerst gering.

„Ich bin in guter Gesellschaft, er ist ein Topathlet", sagte Schönfelder über den 42-Jährigen. Die Bestmarke hatte Schönfelder in Vancouver 2010 aufgestellt, ein Jahr später trat er zurück. Bis dahin war der Skifahrer aus Kulmain der Dominator der alpinen Szene. Neben den 16 Goldmedaillen bei Winter-Paralympics holte er 14 WM-Titel.

Abschluss-Tag: Deutschland mit zwei Langlauf-Staffeln am Start

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) wird am Abschlusstag der Paralympics in Peking mit zwei Langlauf-Staffeln an den Start gehen. Damit sind alle acht Athleten wenige Stunden vor der Schlussfeier noch einmal im Einsatz.

Fahnenträgerin Leonie Walter (St. Peter), Anja Wicker (Stuttgart), Marco Maier (Kirchzarten) und Nico Messinger (Freiburg) starten in der Mixed-Staffel. In der offenen Staffel gehen Martin Fleig (Freiburg), Alexander Ehler (Kirchzarten), Johanna Recktenwald (St. Wendel) und die erst 15 Jahre alte Linn Kazmaier (Römerstein) an den Start. Kazmaier hatte am Samstag Gold über die Langlauf-Mittelstrecke gewonnen.

In der Mixed-Staffel muss mindestens eine Frau dabei sein, zudem sind nach einem komplizierten Schlüssel Athleten mit tendenziell höherem Behinderungsgrad aktiv.

15-jährige Kazmaier: Hätte Verständnis für Hochsetzung des Alters

Die 15-jährige Linn Kazmaier hätte trotz ihres außerordentlichen Erfolgs bei den Winter-Paralympics Verständnis für ein bei Olympia diskutiertes Hochsetzen der Altersgrenze. „Es hat mich hier nicht überfordert“, sagte die zweitjüngste Athletin der gesamten Spiele, nachdem sie über die Langlauf-Mittelstrecke Gold und damit ihre fünfte Medaille in Peking gewonnen hat.

„Aber es war schon ziemlich verrückt, was alles auf mich zukam, gerade nach der ersten Medaille“, sagte sie: „Tage, an denen man eine Medaille gewinnt, sind schon stressig. Deswegen könnte ich schon verstehen, wenn das Alter hochgesetzt würde. Aber für mich wäre das natürlich doof gewesen.“

Körperlich hat sie ihre bisher fünf Starts gut verkraftet. „Irgendwie kann sich mein Körper gut erholen“, sagte sie am Samstag: „Aber nach heute würde ich kein Einzelrennen mehr schaffen.“ In der 4x2,5-km-Staffel am Sonntag will sie freilich nochmal starten.

Bei den Olympischen Spielen hatte es um die ebenfalls 15 Jahre alte Eiskunstläuferin Kamila Walijewa Diskussionen um den Umgang mit Minderjährigen und Forderungen nach einem Mindestalter von 18 Jahren im Hochleistungssport gegeben. Nach einem tagelangen Wirbel um eine positive Dopingprobe durfte die Russin starten, führte nach dem Kurzprogramm, hielt dann aber dem massiven öffentlichen Druck nicht stand und verpasste als Vierte eine Medaille.

18-jährige Walter und Guide Strecker tragen deutsche Fahne bei Feier

Die 18 Jahre alte Paralympicssiegerin Leonie Walter und ihr Guide Pirmin Strecker werden bei der Schlussfeier der Winter-Paralympics von Peking am Sonntag (20 Uhr Ortszeit/13 Uhr MEZ, ARD) die deutsche Fahne tragen. Das gab der Deutsche Behindertensportverband (DBS) am Samstag bekannt.

Die sehbehinderte Walter aus St. Peter im Hochschwarzwald hatte bei ihrem Paralympics-Debüt in Peking im Langlauf und Biathlon insgesamt vier Medaillen gewonnen: Dreimal Bronze und Gold über die Biathlon-Mittelstrecke. Immer mit Strecker an ihrer Seite. Deshalb entschied sich der DBS auch für diese ungewöhnliche Besetzung.

„Sie ist gerade mal 18 Jahre alt und glänzt hier mit solch herausragenden Leistungen“, sagte Deutschlands Chef de Mission Karl Quade: „Ihre Goldmedaille war das I-Tüpfelchen – und sie hat die Zukunft noch vor sich. Deswegen freue ich mich, dass Leonie am Sonntag unsere Fahne ins Stadion trägt.“ Walter selbst empfand die Ehre als „schön. Es haben hier schließlich auch andere tolle Leistungen gezeigt.“

Ihr auch erst ein Jahr älterer Guide Strecker wertete die Auswahl als „besondere Ehre“ und „unglaublichen Belohnung. Die Hauptaufgabe hat Leonie“, sagte er: „Ich muss sie nur führen. Das kriegen wir auch diesmal zusammen hin.“ Auch Walter ist sich sicher: „Es wird alles klappen.“

16 Goldmedaillen: Skilangläufer McKeever zieht mit Schönfelder gleich

Skilangläufer Brian McKeever hat Gerd Schönfelders Rekord für die meisten Goldmedaillen eines Athleten bei Paralympischen Winterspielen eingestellt. Der Kanadier holte sich am Samstag in der Sehbehindertenklasse über die Mitteldistanz von 12,5 km seinen 16. Sieg. Mit einem Erfolg mit der Staffel am Sonntag im letzten Rennen seiner Karriere kann der 42-Jährige zum alleinigen Rekordhalter aufsteigen.

„Um wirklich ehrlich zu sein: Der Rekord bedeutet mir überhaupt nichts", sagte McKeever, der seine dritte Goldmedaille in China gewann: „Es ging mir nie darum, sondern darum Spaß zu haben. Wir lieben unsere Abenteuer. Wir verirren uns gerne in den Bergen, um nach zehn Stunden völlig erschöpft nach Hause zu kommen."

McKeever hatte 2002 in Salt Lake City bei den Paralympics debütiert. Seitdem holte er im Skilanglauf immer mindestens zwei Goldmedaillen, seit den Heimspielen in Vancouver 2010 ist er dort sogar ungeschlagen. Im Biathlon und mit der kanadischen Langlauf-Staffel landete McKeever jedoch noch nie ganz vorne.

Die deutsche Alpin-Ikone Schönfelder hatte den alleinigen Rekord in Vancouver aufgestellt. Sein erster von 16 Paralympics-Siegen war dem heute 52-Jährigen 1992 in Albertville gelungen. Bis zu seinem Karriereende im Januar 2011 hatte Schönfelder, der in Abfahrt, Super-G, Slalom und Riesenslalom gestartet war, die alpine Szene dominiert.

Den Rekord für die meisten Goldmedaillen bei Winterspielen unter den Athletinnen und Athleten hält die Norwegerin Ragnhild Myklebst, die in den nordischen Disziplinen und im Eisschlitten-Rennen zwischen 1988 und 2002 insgesamt 22 Siege eingefahren hatte.

Rieder gewinnt Bronze

In der stehenden Klasse im Slalom holte Skifahrerin Anna-Maria Rieder mit Bronze ihre erste Paralympics-Medaille überhaupt. Für Rieder war es das erste Edelmetall bei den Winterspielen. Nach dem sie zuvor in Yanqing zweimal als Fünfte und einmal als Vierte schon knapp am Podest dran war, brachte sie in ihrer Spezialdisziplin zwei saubere Läufe durch und hatte letztlich einen Vorsprung von mehr als sechs Sekunden auf Rang vier. „Es fühlt sich ziemlich cool an, da musste im Ziel ein Freudenschrei raus", sagte die Bayerin: „Es ist einfach ziemlich, ziemlich geil."

Etwas überraschend könnte Christoph Glötzner am Sonntag im Slalom der Männer doch noch sein Paralympics-Debüt feiern. Bei einem Sturz beim Einfahren vor dem Riesenslalom hatte der 18-Jährige am Donnerstag eine Schienbeinprellung und einen Muskelbündelriss im Oberarm erlitten. Ein Belastungstest am Samstag fiel nun für ihn selbst "überraschend positiv" aus, sodass ein Start sehr wahrscheinlich ist.

Sieg auf der Mittelstrecke: Goldene Krönung für 15-Jährige Kazmaier

Goldene Krönung für Linn Kazmaier: Nach dreimal Silber und einmal Bronze hat die 15-Jährige bei den Paralympics in Peking den Sieg über die Mittelstrecke im Langlauf errungen. Am Samstag hatte der Teenager von der Skizunft Römerstein mit Guide Florian Baumann 39,5 Sekunden Vorsprung auf die Chinesin Yue Wang und hüpfte beim Zieleinlauf mit beiden Skiern in die Luft. Kazmaier ist die zweitjüngste Athletin der gesamten Spiele in Peking.

„Es fühlt sich total krass an. Und ziemlich unwirklich auch“, sagte Kazmaier. Dass die fünfte Medaille sogar die goldene war, sei „unglaublich. Das freut mich riesig. Aber ich bin so jung, ich habe noch so viel Zeit. Es wäre kein Beinbruch, wenn ich kein Gold geholt hätte.“ Zudem dachte die 15-Jährige an ihre Eltern, mit denen sie via ARD-Schalte schon kurz nach dem Sieg sprach: „Das wird eine ganz harte Nacht für sie. Sie mussten um vier Uhr aufstehen, um das Rennen zu sehen. Und nun wird sicher noch lange gefeiert.“

Ihre drei Jahre ältere Zimmergenossin Leonie Walter, die in China Gold über die Biathlon-Mittelstrecke und dreimal Bronze gewonnen hatte, war am Samstag nicht am Start. Die dritte Deutsche, Johanna Recktenwald aus St. Wendel, belegte Rang fünf.

Auch wenn die 20-Jährige im Gegensatz zu den beiden noch jüngeren Kolleginnen zweimal als Vierte und dreimal als Fünfte knapp Medaillen verpasste, war sie zufrieden. „Es war ein krasses Erlebnis, coole Spiele. Es waren die ersten, da kommen ja hoffentlich noch viele“, sagte die Saarländerin, die erst vor sechs Jahren erstmals auf Langlauf-Skiern stand. „Ich habe ab und zu schon gehofft, vielleicht geht da was“, sagte sie über ihre Medaillen-Hoffnungen: „Aber nach so kurzer Zeit, die ich den Sport mache, bin ich sehr zufrieden.“

Rothfuss kündigt Fortsetzung der Karriere an

Skifahrerin Andrea Rothfuss wird ihre erfolgreiche Karriere über die Paralympics von Peking hinaus fortsetzen. „Schluss ist damit sicher noch nicht", sagte die 32-Jährige dem SID nach dem Slalom in Yanqing: „Nächstes Jahr wartet die WM und die höre ich ganz laut rufen." Auch bei ihrer fünften Teilnahme an den Spielen konnte sie mit Bronze im Riesenslalom eine Medaille mitnehmen, insgesamt sammelte sie bereits 14-mal Edelmetall bei Paralympics.

Und womöglich könnten noch weitere dazu kommen, denn einen Start 2026 in Cortina schloss Rothfuss nicht aus. „Es klingt natürlich sehr, sehr verlockend, weil es ein traditioneller Wintersportort ist. Cortina ist für Alpin-Athleten ein kleines Mekka, wo man in seinem Leben einmal gefahren sein muss. Es klingt sehr, sehr süß und hat einen sehr, sehr großen Reiz", sagte die Paralympics-Siegerin von 2014.

Doch vier Jahre seien noch „so lang hin, das weiß ich noch nicht", führte sie aus: „Ich muss erstmal in mich gehen und drüber nachdenken. Ich schaue von Jahr zu Jahr, wie es mir geht, was der Körper zu mir spricht, wie viel Feuer noch in mir brennt."

+++ 11. März +++

Kazmaier holt nächste Biathlon-Medaille – Rothfuss feiert Bronze

Biathletin Linn Kazmaier ist bei den Paralympischen Spielen in Peking zu ihrer vierten Medaille gelaufen. Die erst 15-Jährige landete mit Guide Florian Baumann in der Sehbehinderten-Klasse ohne Schießfehler nach 12,5 km nur 3,6 Sekunden hinter der Ukrainerin Oxana Schischkowa auf dem zweiten Platz. Mitteldistanz-Siegerin Leonie Walter sicherte sich mit Guide Pirmin Strecker Bronze.

Kazmaier musste Schischkowa bereits zu Beginn des Rennens in Zhangjiakou ziehen lassen. Da auch ihre Kontrahentin am Schießstand keinen Fehler machte, blieb die Aufholjagd trotz einer beherzten Laufleistung und vor allem bärenstarken Schlussrunde aus. Zuvor war Kazmaier bereits im Sprint zur Silbermedaille gelaufen, im Skilanglauf hatte sie im Sprint und über die Langdistanz den zweiten und dritten Platz belegt.

Auch Walter blieb ohne Schießfehler. Der 18-Jährigen waren jedoch die turbulenten und anstrengenden letzten Tage deutlich anzumerken. Der Rückstand auf Schischkowa betrug 2:04,8 Minuten. Johanna Recktenwald lief mit Guide Valentin Haag mit vier Schießfehlern auf den undankbaren vierten Platz.

Anja Wicker verpasste in der sitzenden Klasse das Podium. Die 30 Jahre alte Stuttgarterin, die über die Mitteldistanz Bronze geholt hatte, wurde beim Sieg der US-Amerikanerin Oksana Masters trotz fehlerfreiem Schießen mit über zwei Minuten Rückstand auf den dritten Platz Vierte. "Es war ein gutes Rennen, ich bin sehr glücklich", sagte Wicker.

Rothfuss holt Bronze – Forster geht leer aus

Skirennfahrerin Andrea Rothfuss kehrt auch von ihren fünften Paralympics mit einer Medaille zurück. Die 32-Jährige holte am Freitag im Riesenslalom der stehenden Klasse etwas überraschend Bronze und weinte im Zieleinlauf vor Freude. „Chapeau! Die Vorzeichen standen nicht auf Medaille, aber sie ist über sich hinausgewachsen“, sagte die siebenmalige Paralympicssiegerin Anna Schaffelhuber als ARD-Expertin. Anna-Maria Rieder aus Murnau belegte einen beachtlichen fünften Rang.

Für Rothfuss war es ihre insgesamt 14. Paralympics-Medaille. Eine goldene, neun silberne und vier bronzene stehen nun in der Bilanz, bei jeden Spielen holte sie mindestens eine. „Diese Medaille ist die beste und schönste. Sie steht sogar über der goldenen von Sotschi“, sagte Rothfuss: „Ich habe davon geträumt, aber ich habe es nicht für möglich gehalten. Aber ich habe das Unmögliche möglich gemacht.“

Allerdings profitierte die für die SV Mitteltal-Obertal fahrende Rothfuss beim Sieg der Chinesin Mengqiu Zhang auch von einem Sturz der nach dem ersten Durchgang zweitplatzierten Ebba Aarsjoe. „Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich nach ihrem Sturz erst einmal gefreut habe“, sagte Rothfuss: „Das ist eigentlich nicht meine Art. Aber ich wusste, das ist die Medaille, und da ist einfach alles mit mir durchgegangen.“

Fahnenträgerin Anna-Lena Forster hat bei den Paralympics in Peking derweil ihre vierte Medaille im vierten Rennen verpasst. Die Monoskifahrerin kam im Riesenslalom nicht über Rang vier hinaus, nach Schwierigkeiten im ersten Lauf konnte sie anders als noch in der Super-Kombination keine große Aufholjagd starten.

Fleig beendet Karriere

Martin Fleig schluckte, hielt kurz inne und kämpfte mit den Tränen. Schon beim Abflug zu den Spielen nach Peking hatte der Paralympicssieger von Pyeongchang den Entschluss zum Karriere-Ende gefasst. Doch die öffentliche Verkündung fiel ihm sichtlich schwer.

„Ich habe mich entschieden, meine Karriere nach Peking zu beenden“, erklärte der 32-Jährige, nachdem er über die Biathlon-Langstecke nach acht Schießfehlern nur den 13. und vorletzten Platz belegte. Einmal Silber hatte er in der sitzenden Klasse auf der Mittelstrecke aber gewonnen. Zusammen mit der Ehre, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen zu dürfen, war es ein versöhnlicher Abschluss.

„Ich fühle mich sehr wohl damit. Es ist genau der richtige Zeitpunkt, einen Strich drunter zu setzen“, sagte der Freiburger: „Peking war nochmal ein wunderbares Erlebnis. Und ich bin unfassbar dankbar, dass es nochmal mit einer Medaille geklappt hat.“ Letztmals starten wird er am Sonntag in der Langlauf-Staffel. Und er spekuliert auf eine Medaille zum endgültigen Abschluss: „Da hauen wir nochmal jedes Körnchen raus. Vielleicht reicht es ja.“

+++ 10. März +++

Kress ein Opfer des Systems

Leander Kress stürzte sich auf seinem einen Bein waghalsig in den Frühjahrsschnee von Yanqing, legte den Ski nahezu perfekt in die tiefen Wannen - und doch fehlten Welten zu einer Medaille: Rang 22 mit über 14 Sekunden Rückstand stand nach dem Riesenslalom der stehenden Klasse auf der Anzeigetafel. Der 21-Jährige ist wie alle Einbeinigen derzeit ein Leidtragender des Systems im Ski alpin - auch deshalb blieb Team D Paralympics am Donnerstag erstmals ohne Edelmetall.

"Die Einbeiner sind mit Sicherheit benachteiligt", monierte der viermalige Paralympics-Sieger Alexander Spitz im SID-Gespräch: "In diesem Faktorsystem hat man mit einem Bein keine reelle Chance zu gewinnen. Man muss Zeiten fahren, die nicht mehr realistisch sind." Tatsächlich landete der beste Einbeiner im Duell mit den Zweibeinern lediglich auf Platz 21, gerade einmal knapp zwei Sekunden vor Kress. In gesonderter Wertung wäre der als Zweiter auf einem Medaillenrang.

Bis zu den Spielen 2002 in Salt Lake City fuhren die Einbeinigen in einer eigenen Klasse, sie galt als Königsdisziplin des Para-Wintersports - und Spitz war der große Dominator. Doch nun seien "einbeinige Skifahrer von der aktuellen Klassifizierung nicht unbedingt bevorteilt", drückte es Bundestrainer Justus Wolf auf SID-Anfrage eher diplomatisch aus. Spitz wird da schon deutlicher.

"Man sieht zwar fahrerisch bei allen Einbeinern noch ein bisschen Potenzial. Aber ich glaube nicht, dass das Potenzial so hoch ist, dass sie diese vielen, vielen Sekunden einfahren könnten, um ganz oben zu stehen", erklärt der Mentor von Kress: "Die sind meilenweit weg. Da scheint etwas nicht in Ordnung zu sein."

Vielen habe diese Chancenlosigkeit bereits "die Lust" geraubt, erklärte sich Spitz die nur wenigen einbeinigen Starter in Yanqing: "Viele sagen mittlerweile, ich brauche eh nicht antreten, weil ich keine Chance habe. Jeder Fahrer will ja ganz vorne dabei sein." Er wolle dabei helfen, Kress und den im Riesenslalom nach einem Sturz beim Einfahren verletzt fehlenden Christoph Glötzner "technisch voranzubringen".

Doch das allein werde keine Spitzenergebnisse bringen, führte Spitz aus. Vielmehr müsse in Sachen Klassifizierungssystem "perspektivisch dringend nachjustiert" werden. Kress blendet die Diskussionen um die Nachteile aus. "Das ist zweitrangig, weil ich noch an mir arbeiten kann", sagte der Friedberger dem SID. Er wolle sich für Cortina 2026 "einfach in eine gute Form bringen".

Und vielleicht ist ja dann mit ein paar Anpassungen des Klassifizierungssystems wirklich eine Medaille möglich. Er glaube jedenfalls, so Kress, dass er "das Zeug dazu" hätte.

Ukraine-Cheftrainer: Athleten können nicht mehr zurück

 Einige Starter der Ukraine werden nach den Paralympics in Peking nicht mehr in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren können. „Die Situation ist fürchterlich“, sagte Andrej Nesterenko, der Cheftrainer der ukrainischen Para-Auswahl in China: „Wir haben sieben Menschen aus Charkiw in unserem Team, und einige von ihnen werden nicht mehr die Möglichkeit haben, dorthin zurückzukehren. Weil ihre Wohnungen oder Privathäuser zerstört sind.“

Verbandspräsident Waleri Suschkewitsch berichtete in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ebenfalls von einem bewegenden Fall. „Eine unserer Athletinnen konnte nicht antreten, weil sie ein Video erhalten hatte, wie ihr Vater von tschetschenischen Soldaten verprügelt worden ist“, sagte Suschkewitsch. Um welche Athletin es sich handelt, sagte er nicht.

 +++++9. März 2022+++++

Dritte Medaille für Kazmaier – Maier gewinnt Silber im Langlauf-Sprint

Die 15 Jahre alte Linn Kazmaier hat bei den Paralympics in Peking ihre dritte Medaille gewonnen. Im Langlauf-Sprint der Sehbehinderten sicherte sich die jüngste deutsche Teilnehmerin mit Guide Florian Baumann in China am Mittwoch den dritten Platz. Kazmaier hatte zuvor im Biathlon und über 10 Kilometer im Langlauf jeweils die Silbermedaille geholt. Paralympicssiegerin wurde die Österreicherin Carina Edlinger vor Oksana Schischkowa aus der Ukraine. Leonie Walter kam einen Tag nach ihrem überraschenden Erfolg im Biathlon mit Guide Pirmin Strecker als Vierte ins Ziel.

„Manchmal fühlt es sich schon ein Stück weit surreal an“, sagte Kazmaier und ergänzte mit Blick auf die ausgeschlossenen Russinnen: „Man muss schon sehen, dass nicht alle unsere Konkurrenten dabei sind. Aber wir liefern schon echt gute Wettkämpfe.“ Ihrem Guide ein Geschenk zum 21. Geburtstag am Mittwoch zu machen, sei „schon ein Stück weit“ Motivation gewesen. „Das ist definitiv ein sehr besonderer Geburtstag“, sagte Baumann: „Allein schon hier feiern zu können, und dann noch so ein super Rennen, das ist einfach cool.“

Marco Maier holt Silber im Langlauf-Sprint

Marco Maier hat bei den Paralympics in Peking seine zweite Silbermedaille gewonnen. Im Langlauf-Sprint wurde der 22-Jährige am Mittwoch auf der Strecke von Zhangjiakou mit 1,3 Sekunden Rückstand auf den Paralympicssieger Benjamin Daviet aus Frankreich Zweiter. Maier holte bei seiner Paralympics-Premiere in China bereits Silber im Biathlon.

„Ich bin sehr zufrieden. Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte Maier nach seinem zweiten Coup. Im Rennen war für den Athleten aus Kirchzarten, dem an der linken Hand drei vordere Fingerglieder fehlen, alles möglich. Am Ende wurde es wieder Rang zwei. „Die Zielgerade hat kein Ende gefunden“, sagte Maier. „Am Ende war die Erleichterung riesig, als ich Ziellinie überqueren konnte. Dass es noch für Silber gereicht hat, umso schöner.“

+++ 8. März 2022 +++

18-jährige Leonie Walter holt zweites Gold für Deutschland

Nachwuchshoffnung Leonie Walter hat bei den Paralympics in Peking sensationell die zweite deutsche Goldmedaille gewonnen. Die 18-Jährige triumphierte auf der Mitteldistanz im Biathlon in der Klasse der Sehbehinderten in 41:21,0 Minuten, nach fehlerfreiem Schießen lag sie in einem Herzschlagfinale 3,7 Sekunden vor der Ukrainerin Oxana Schischkowa. Zuvor hatte die Athletin vom SC St. Peter bereits Bronze im Biathlon-Sprint und auf der ungeliebten klassischen Langdistanz im Skilanglauf gewonnen.

Walter startete verhalten ins Rennen, arbeitete sich mit ihrem makellosen Schießen aber immer weiter nach vorne. Auf der Schlussrunde machte die favorisierte Ukrainerin nach ihren zwei Strafrunden nochmal gewaltig Boden gut, doch die Deutsche rettete sich nach 10 Kilometern mit dünnem Polster ins Ziel. Ihre Teamkollegin Johanna Recktenwald landete mit einem Rückstand von 5:03,4 Minuten und drei Schießfehlern auf Rang vier, zu Bronze fehlten gut drei Minuten.

Nächste Medaillen für Deutschland – Silber und Bronze im Biathlon

Die Biathleten Martin Fleig und Anja Wicker haben bei den Paralympischen Spielen in Peking für einen deutschen Doppelschlag gesorgt. Erst gewann Sotschi-Siegerin Wicker in der sitzenden Klasse der Frauen über die Mitteldistanz von 10 km Bronze, ehe sich Fahnenträger Fleig in der gleichen Startklasse bei den Männern nur 25 Minuten später sogar Silber holte.

Fleig musste sich nach zwei Schießfehlern gleich im ersten Anschlag nur dem Chinesen Liu Mengtao geschlagen geben, letztlich fehlten 47,9 Sekunden zum Sieg. "Ich bin super happy. Die Medaille gehört zur Hälfte meiner Frau zu Hause. Sie unterstützt mich immer wahnsinnig", sagte der Freiburger: "Auf der letzten Runde ist mir die Puste ausgegangen und dann habe ich einfach an sie gedacht." Nach dem Triumph auf der Langdistanz 2018 in Pyeongchang war es seine zweite Medaille bei Paralympics.

Weltmeisterin Wicker komplettierte mit Bronze ihren Medaillensatz bei Winterspielen, schon 2014 in Sotschi hatte sie Gold und Silber gewonnen. "Es ist sehr erleichternd. Ich hatte mir im Vorfeld schon erhofft, dass es aufs Podest reicht - grad nach der guten WM", sagte Wicker: "Ich habe ab dem ersten Meter gemerkt, dass es ist, wie es sein soll. Dann macht es gleich mehr Spaß und dann war die Hoffnung sofort da."

Die 30-Jährige aus Stuttgart zeigte bei frühlingshaften Temperaturen in Zhangjiakou vor allem läuferisch eine starke Leistung und konnte so ihre fünf Strafrunden kompensieren. Auf die mit nur einem Fehler siegreiche US-Amerikanerin Kendall Gretsch fehlten 2:33,0 Minuten. Im ersten Biathlon-Wettbewerb von Peking hatten sowohl Fleig als auch Wicker mit fünften Plätzen noch jeweils knapp eine Medaille verpasst.

+++ 6. März +++

Toptalente Kazmaier und Walter holen Silber und Bronze

Linn Kazmaier hat bei den Paralympischen Winterspielen in Peking auch im Skilanglauf die Silbermedaille gewonnen. Nach dem zweiten Platz im Biathlon-Sprint musste sich die gerade einmal 15-Jährige mit Guide Florian Baumann über 15 km der Sehbehinderten mit 56,5 Sekunden Rückstand nur der Ukrainerin Oxana Schischkowa geschlagen geben. Die 18-jährige Leonie Walter (+2:40,6 Minuten) holte mit Guide Pirmin Strecker im gleichen Rennen Bronze.

Im National Biathlon Center von Zhangjiakou fuhr Schischkowa, die bereits im Biathlon-Sprint triumphiert hatte, direkt zu Beginn des Rennens einen Vorsprung von rund einer halben Minute heraus, den sie bis zum Schluss kontinuierlich ausbaute. Kazmaier wie auch Walter konnten nicht folgen. Kazmaier hatte am Samstag im Alter von 15 Jahren und exakt vier Monaten als jüngste Deutsche eine Medaille bei Winterspielen gewonnen.

In der stehenden Klasse der Männer über 20 km stieg Alexander Ehler schon nach der ersten der vier Runden mit Muskelbeschwerden aus.

+++ 6. März +++

Forster holt Silber im Super-G

Fahnenträgerin Anna-Lena Forster hat bei den Paralympischen Spielen in Peking zum zweiten Mal Silber geholt. Einen Tag nach ihrem zweiten Rang in der Abfahrt landete die Monoskifahrerin auch im Super-G hinter der Japanerin Momoka Muraoka, diesmal fehlte allerdings nur eine Winzigkeit von elf Hundertsteln zum Sieg. Für Forster ist es die siebte Medaille bei Winterspielen, erstmals landete sie bei den Paralympics im Super-G auf dem Podest.

"Ich ärgere mich ein bisschen, es war so knapp", sagte die 26-Jährige: "Ich hätte noch viel besser fahren können. Ich habe einiges liegen lassen, da ärgere ich mich über mich selber. Aber hey, es ist nochmal eine Medaille, das ist doch auch cool." Forster lag bis zur letzten Zwischenzeit leicht in Führung, doch im flacheren Schlussabschnitt zog die Japanerin noch vorbei.

Der Vierfach-Weltmeisterin bleiben nun noch drei weitere Chancen auf Edelmetall, in die wetterbedingt um einen Tag vorgezogene Super-Kombination geht sie am Montag als Topfavoritin. In dieser Disziplin triumphierte sie sowohl vor vier Jahren in Pyeongchang als auch im Januar bei der WM in Lillehammer. "Ich bin parat für die Super-Kombination", kündigte Forster schonmal an.

Andrea Rothfuss verpasste in der stehenden Klasse nach ihrem vierten Platz in der Abfahrt im Super-G das Podest als Neunte mit über acht Sekunden Rückstand klar. Besser machten es in der gleichen Startklasse Nachwuchshoffnung Anna-Maria Rieder und bei den Sehbehinderten Noemi Ristau mit Guide Paula Brenzel jeweils mit Rang fünf. Leander Kress fuhr nach seinem Sturz am Vortag auf Rang 27.

+++ 5. März +++

Silber und Bronze für Biathlon-Youngsters bei den Paralympics

Die erst 15 Jahre alte Linn Kazmaier und die drei Jahre ältere Leonie Walter haben im Biathlon bei den Paralympics für Silber und Bronze gesorgt. Die jüngste deutsche Teilnehmerin lief am Samstag (Ortszeit) im chinesischen Zhangjiakou bei den Sportlerinnen mit Sehbehinderung über sechs Kilometer mit einem Schießfehler in 20:14,6 Minuten auf Rang zwei. „Ich kann es noch gar nicht glauben“, schwärmte das Top-Talent aus Römerstein, Walter kam ebenfalls mit einem Fehlschuss in 20:51,5 Minuten auf Platz drei. „Ein wunderschönes Gefühl“, erklärte sie.

Paralympicssiegerin wurde am ersten Tag der Biathlon-Wettbewerbe die Ukrainerin Oksana Schischkowa in 20:09,0 Minuten. Zudem profitierten die Biathleten vom Ausschluss der Mannschaften aus Russland und Belarus, die zahlreiche Medaillenanwärter in ihren Reihen haben.

Paralympics-Silber: Marco Maier überrascht beim Biathlon-Auftakt

Biathlet Marco Maier hat überraschend die Silbermedaille am ersten Wettkampftag bei den Paralympics von Peking geholt. Der 22-Jährige aus Kirchzarten kam am Samstag (Ortszeit) über sechs Kilometer in einer Zeit von 17:03,4 Minuten im chinesischen Zhangjiakou hinter dem Ukrainer Grigori Wowschinski und vor dem Kanadier Mark Arendz ins Ziel. Maier, dem an der linken Hand drei vordere Fingerglieder fehlen, blieb bei seinem ersten paralympischen Rennen zweimal ohne Schießfehler und zeigte sich auch auf der Strecke in Top-Form. Für den Ukrainer Wowschinski war es die erste Goldmedaille für das vom Krieg geplagte Land.

Fleig verpasst Medaille im Biathlon-Sprint - Wicker Fünfte

Fahnenträger Martin Fleig hat zum Auftakt der Paralympischen Winterspiele in Peking eine Medaille verpasst. Der 32 Jahre alte Freiburger fuhr 14 Stunden nach der Eröffnungsfeier im Biathlon-Sprint der sitzenden Klasse über 6 km auf den fünften Platz. Der Sieg ging an den Chinesen Liu Zixu, der dem Gastgeber die erste Goldmedaille der Spiele bescherte.

Fleig bewertete sein Ergebnis als "positiv. Im Biathlon-Sprint bei einem Großereignis war ich selten besser." Auf das Podium fehlten ihm im windigen National Biathlon Center von Zhangjiakou nach einem Schießfehler 30 Sekunden. Hinter Zixu sicherte Taras Rad der vom Krieg gebeutelten Ukraine mit Silber das erste Edelmetall. In Pyeongchang hatte Fleig 2018 auf der Langdistanz Gold gewonnen.

In der sitzenden Klasse der Frauen belegte Weltmeisterin Anja Wicker den fünften Platz. Nach drei Schießfehlern lag die Stuttgarterin beim Sieg der US-Amerikanerin Oksana Masters 1:25 Minuten hinter dem Bronzerang. "Ich habe keinen Rhythmus gefunden, die Leichtigkeit hat komplett gefehlt", sagte die 30-Jährige.

Abfahrts-Silber: Forster holt erste deutsche Paralympics-Medaille

Monoskifahrerin Anna-Lena Forster hat die erste deutsche Medaille bei den Paralympics von Peking gewonnen. Die 26-Jährige wurde am Samstag in der Abfahrt Zweite und sicherte sich auf der Piste in Yanqing Silber. Die deutsche Fahnenträgerin der Eröffnungsfeier benötigte 0,82 Sekunden mehr als Momoka Muraoka aus Japan. Auf Rang drei kam die Chinesin Sitong Liu. Die weiteren vier Starterinnen kamen nicht ins Ziel. „Ich freue mich riesig“, sagte Forster. „Ich bin erleichtert.“

Für die Athletin aus Radolfzell, der das rechte Bein komplett fehlt, war es ein gelungener Auftakt. Ihre besten Disziplinen mit dem Slalom und der Kombination folgen in den kommenden Tagen. „Durch die Medaille habe ich Rückenwind“, erklärte die Deutsche.

+++ 4. März 20222 +++

Paralympics-Präsident Parsons in Chinas Staatsfernsehen zensiert

Bei seiner leidenschaftlichen „Friedensbotschaft“ zur Eröffnung der Winter-Paralympics in Peking ist der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Andrew Parsons, am Freitag vom chinesischen Staatsfernsehen teilweise zensiert worden. Seine Rede wurde nicht vollständig und vielmehr paraphrasierend übersetzt.

Es fehlten wichtige Sätze wie: „Ich bin entsetzt, was gerade jetzt in der Welt passiert“ und „Das 21. Jahrhundert ist eine Zeit für Dialog und Diplomatie, nicht Krieg und Hass“. Dabei hatte Parsons Russland und die Ukraine nicht namentlich genannt.

Möglicherweise damit die Diskrepanz dem englischkundigen Zuhörer nicht auffällt, wurde der Originalton plötzlich weggedreht. Wegen der Verkürzung trug der Übersetzer, der offensichtlich einen Redetext vor sich hatte, auch schon Teile vor, die Parsons noch nicht gesagt hatte. Um wieder synchron zu werden, machte der Übersetzer eine ungewöhnlich lange Pause, obwohl Parsons weiter redete.

Trotzdem erfuhren chinesische Zuschauer andere Kernaussagen seiner Rede wie etwa, dass sein Komitee nach einer besseren und inklusiveren Welt strebe - frei von Diskriminierung, Hass und Ignoranz. Auch wurde Parsons korrekt zitiert, dass paralympische Sportler wüssten, dass der Gegner kein Feind sei und Gemeinsamkeit weiter bringe.

Als „strategischer Partner“ Russlands steht China an der Seite von Präsident Wladimir Putin. Peking hat die Invasion nicht verurteilt und gibt Russland sogar Rückendeckung in dessen Rechtfertigung des Krieges, kritisiert die USA und die Osterweiterung der Nato.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte Putin auch als Ehrengast bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele am 4. Februar in Peking hofiert, während andere Länder wie die USA die Feier wegen ihrer Kritik an China politisch boykottiert hatten.

Paralympische Winterspiele in Peking offiziell eröffnet

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat die 13. Paralympischen Winterspiele von Peking eröffnet. Xi sprach um 21.02 Uhr Ortszeit die traditionelle Begrüßungsformel. An der Spitze der deutschen Mannschaft trugen Monoskifahrerin Anna-Lena Forster und Biathlon-Spezialist Martin Fleig die Fahne ins Nationalstadion. Deutschland marschierte vor den Augen von IPC-Chef Andrew Parsons als drittletztes Team ein.

In der chinesischen Hauptstadt stehen bis zum 13. März insgesamt 78 Entscheidungen in sechs Sportarten auf dem Programm. Insgesamt nehmen an den Spielen in Peking nach dem Ausschluss russischer und belarussischer Athleten 564 Sportler aus 46 Nationen teil, auch die Ukraine stellt ein 20-köpfiges Team. Für Deutschland gehen 17 Athletinnen und Athleten an den Start, dazu kommen fünf Guides.

Hier finden Sie Fotos der Eröffnungsfeier.

Sonne blendet sehbehinderte Athleten

Die ungewöhnlichen Lichtverhältnisse bei den Paralympics in Peking beschäftigen vor den am Samstag beginnenden Wettkämpfen vor allem die sehbehinderten Athleten. „Es ist sehr grell. Damit komme ich noch überhaupt nicht zurecht“, sagte Biathlet Nico Messinger, der zwei Prozent Sehkraft hat, nach dem Training: „Ich bin sowieso sehr stark lichtempfindlich, wenn die Sonne scheint und im Schnee reflektiert. Und ich habe das Gefühl, dass die Blendung hier noch mal stärker ist als an anderen Wettkampforten.“

Das könne daran liegen, „dass man hier im Stadion gar keine Bäume hat, die Licht filtern können“, sagte der 27 Jahre alte Freiburger: „Ich habe auch schon mit anderen, nicht sehbehinderten Athleten gesprochen, die auch sagen, dass es hier sehr grell ist.“

Ein Lob mit etwas Sarkasmus gab es derweil von Alpin-Bundestrainer Justus Wolf für die Bedingungen rund um die Rennstrecke. Die seien „wie erwartet“ super, sagte Wolf: „Wenn man keine Grenzen vom Naturschutz und Budget hat, dann geht sowas. Wenngleich man sich in puncto Nachhaltigkeit fragen muss: Braucht es das?“

Zwei deutsche Athleten wegen Impfstatus nicht bei Paralympics

Präsident Friedhelm Julius Beucher vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) hat bestätigt, dass zwei Sportler wegen ihres Impfstatus nicht bei den Paralympics in Peking dabei sind. „Ich respektiere, dass sich einer nicht impfen lassen will, aber dann kann er nicht für sein Individualverhalten die Gesellschaft in Sippenhaft nehmen“, sagte Beucher der „Paralympics Zeitung“ des „Tagesspiegel“: „Dann muss er auch mit den Konsequenzen leben. Da gab es bei uns keine Diskussion. Und auch keinen Aufschrei dieser Sportler.“

Neben dem Gesundheitsschutz für die anderen Athleten spielte auch die Logistik bei der Grundsatzentscheidung des DBS eine Rolle. Wer ohne vollständigen Impfschutz nach China einreist, müsste sich einer dreiwöchigen Zimmer-Quarantäne unterziehen. „Es würde also schlichtweg keinen Sinn machen, ohne vollständigen Impfstatus dort hinzufahren“, hatte Beucher schon im Vorfeld angekündigt.

Bei den Sommer-Paralympics vor rund einem halben Jahr hatte der DBS den vollständigen Impfnachweis nur von Betreuerinnen und Betreuern verlangt, diesmal von der gesamten Delegation.

DBS-Chef Beucher: Positive Putin-Posts von russischen Para-Athleten

Präsident Friedhelm Julius Beucher vom Deutschen Behindertensportverband sieht in dem Ausschluss von Russland und Belarus von den Paralympics in Peking vor allem ein Zeichen, hat aber auch das Verhalten einzelner Sportler kritisiert. „Natürlich werden da auch Sportlerinnen und Sportler dabei sein, die nichts für den Krieg können oder auch den Krieg ablehnen“, sagte Beucher im Interview des Bayerischen Rundfunks: „Aber leider haben wir auch sehr viele umgekehrte Beispiele, wo es Posts [...] gibt, auch aus dem Parasport, die glühend Putin gratuliert haben.“

Ganz allgemein gehe es aber „nicht um den Ausschluss, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass dieser schlimme Krieg beendet wird“, führte der frühere Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag weiter aus.

+++ 3. März 2022 +++

Forster und Fleig deutsche Fahnenträger in Peking

Die zweimalige Goldmedaillengewinnerin Anna-Lena Forster und Pyeongchang-Champion Martin Fleig tragen bei der Eröffnungsfeier der 13. Paralympischen Winterspiele in Peking die deutsche Fahne. Dies gab der Deutsche Behindertensportverband (DBS) am Donnerstag bekannt. Die Monoskifahrerin aus Radolfzell und der Biathlonspezialist aus Freiburg führen die 17 Athletinnen und Athleten sowie die fünf Guides bei der Zeremonie am Freitag (13.00 Uhr MESZ/ZDF) ins Nationalstadion.

Beide wollen daraus einen Extraschub für ihre ersten Wettkämpfe am Samstag ziehen. "Bei sowas sagt man nicht nein", sagte Forster dem SID: "Ich bin bislang bei allen Paralympics zur Eröffnungsfeier gefahren, egal, ob ich am nächsten Tag Wettkampf hatte. Das gehört für mich einfach dazu. Ich habe immer das Gefühl, dass ich da noch eine Motivation rausziehen kann, weil das Einlaufen ins Stadion einfach ein gigantisches Gefühl ist. Da checkt man: Jetzt geht es richtig los."

DBS-Präsident Beucher sprach von einer "richtigen" Wahl. "Sehr erfolgreich, goldbewährt und beide stehen 'mit beiden Beinen' im Leben", begründete Chef de Mission Karl Quade auf der Pressekonferenz die Entscheidung der Mannschaftsleitung: "Beide sind Führungskräfte in ihren Mannschaften, nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch wegen ihrer Persönlichkeit."

Erstmals wird damit ein Duo das Team D Paralympics bei Winterspielen ins Stadion führen. Für Forster sind es die dritten Paralympischen Spiele. Nach zwei Silber- und einer Bronzemedaille 2014 in Sotschi stand die 26-Jährige 2018 in Pyeongchang gleich zweimal auf dem obersten Treppchen. Nach ihren vier WM-Titeln im Januar gilt sie als heißeste deutsche Medaillenkandidatin in China.

Für Fleig sind es ebenfalls die dritten Spiele, 2018 gewann er in seiner Spezialdisziplin Biathlon Gold über 15 km. In Peking geht er auch im Langlauf an den Start. 2018 trug Skifahrerin Andrea Rothfuss die Fahne. "Wenn man die Namen durchgeht, sich in der Reihe zu positionieren, ist ein ganz krasses Gefühl. Wirklich überwältigend", sagte Fleig.

Alle Infos zu den Winter-Paralympics 2022 in Peking

Die 13. Paralympischen Winterspiele beginnen am 4. März 2022 in Peking. Genau wie die Olympischen Winterspiele stehen sie aufgrund der Austragung in China unter besonderer Beobachtung. Außerdem dürfen Russen und Belarussen teilnehmen. Hier gibt es alle Infos zu Sportarten, Spielplan und Sendeterminen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alle deutschen Medaillen-Gewinner

(Red/dpa/SID)