Goldener Mittwoch bei Paralympics: Deutsche Führung im ewigen Medaillenspiegel

Goldener Mittwoch bei Paralympics: Deutsche Führung im ewigen Medaillenspiegel

Whistler (RPO). Nach einem "goldenen Mittwoch" sind die deutschen Behindertensportler zu den fleißigsten Medaillensammlern in der Geschichte der paralympischen Winterspiele aufgestiegen. Drei Goldmedaillen, einmal Silber und zweimal Bronze lautete die überragende Ausbeute am Mittwoch. Dadurch übernahm der Deutsche Behindertensportverband (DBS) die Führung im ewigen Medaillenspiegel.

Nach den Goldrennen von Skifahrer Gerd Schönfelder (Kulmain) sowie den Biathleten Wilhelm Brem (Germaringen) und der bereits zum dritten Mal erfolgreichen Verena Bentele (München) sowie Silber für Skifahrerin Andrea Rothfuß (Mitteltal) und Bronze für die Biathleten Andrea Eskau (Magdeburg) und Josef Giesen (Herzlake) hat Deutschland nun 316 Medaillen auf dem Konto, die bisher führenden Norweger kommen auf 312. In Sachen Gold sind die Norweger für das deutsche Team in Kanada aber noch unerreichbar (134:115).

"Ich bin jetzt zum sechsten Mal dabei und habe bei jeden Spielen mindestens eine Goldmedaille gewonnen. Damit wird ein absoluter Traum war, ich hab das noch gar nicht so richtig registriert", sagte der "Stier von Kulmain" genannte Schönfelder.

Bentele gewann nach der 3-km-Verfolgung der Biathletinnen und dem 15-km-Freistil-Rennen der Langläufer auch den 12,5-km-Lauf der Biathleten. Für die 27-Jährige war es die insgesamt zehnte Goldmedaille bei paralympischen Winterspielen. "Ich habe schon direkt nach dem letzten Schießen angefangen zu weinen, weil mir klar war, dass das der Sieg war", sagte sie.

Der sehbehinderte Brem nutzte den kurzfristigen Ausfall von Brian McKeever optimal aus. Der kanadische Lokalmatador war auch für die Olympischen Spiele nominiert gewesen, durfte letztendlich aber nicht laufen. "Mit Gold habe ich nun wirklich nicht gerechnet", sagte der 33-Jährige: "Bisher hatte ich hier kein Glück, dafür war es heute auf meiner Seite."

"Ja, ja, ja, das ist ja toll", rief Schülerin Rothfuß, Deutschlands Behindertensportlerin des Jahres 2009, ins Mikrofon, als sie erfuhr, dass ihr Lauf die Führung im Medaillenspiegel beschert hatte. Mit ihrer Leistung war sie sehr zufrieden, bis auf einen Schönheits-Fehler: "Anscheinend bin ich im Moment die Silber-Andrea. Mit Gold will es noch nicht klappen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf."

Dafür erlebte Schönfelder, ohnehin schon erfolgreichster Alpin-Athlet der Paralympics-Geschichte, dies bei seinen "unwiderruflich letzten Spielen" schon zum 13. Mal.

Am Mittwoch raste schließlich Andrea Eskau nach nur wenigen Monaten Training fast schon sensationell zur Bronze-Medaille, nun will die 38-Jährige mit "Sommer-Winter-Gold" am Geburtstag ein kleines Stück deutsche Paralympics-Geschichte schreiben. Sie könnte die erste Athletin nach Reinhild Möller sein, die sowohl bei Sommer- wie auch bei Winter-Paralympics einen Wettbewerb gewinnt. "Im Sommer habe ich schon Gold", sagt die Handbikerin, die 2008 im Peking das Straßenrennen gewann: "Nun bin ich auch im Winter angefixt. Und ich weiß, meine Zeit wird kommen." Die größten Chancen auf einen Sieg rechnet sie sich im Langlauf-Sprint am Sonntag aus - ausgerechnet an ihrem 39. Geburtstag.

Schon bei der Flowers Ceremony nach dem 10-km-Lauf freute sich Eskau ausgelassen und wirkte wie die heimliche Siegerin. "Eine Medaille hier ist mehr, als ich mir erträumt habe. Aber das war einfach mein Tag", sagte sie. Im Vorfeld hatte sie eine Biathlon-Medaille noch als "vermessen" abgetan: "Ich habe im Juni erst meinen Schlitten bekommen, im November sogar erst mein Gewehr. Deshalb verliere ich beim Schießen noch zu viel Zeit."

Routinier Giesen gewann mit Bronze im 12,5-km-Lauf bereits seine insgesamt fünfte Medaille. Der Athlet, der keine Arme hat und beim Schießen mit dem Mund auslöst, hatte diesmal das Glück, das ihm bei Rang vier zum Auftakt in der Verfolgung gefehlt hatte. Dort hatte er Bronze um 0,7 Sekunden verpasst. "Ich wollte heute einfach nur eine Medaille. Die Farbe war mir egal", sagte er.

Der fünfmalige Paralympics-Sieger Thomas Oelsner (Hallenbeck) wurde am Mittwoch nach insgesamt fünf Schießfehlern Zehnter. Giesen dagegen lief unter 17 Athleten nur die 14.-beste Zeit, war mit nur einem Fehler aber so schusssicher wie kein anderer.

Der 48 Jahre alte Giesen wird als Paralympics-Sieger 2002 über 7,5 geführt. Diese Goldmedaille hatte er allerdings an den nach einer positiven Dopingprobe disqualifizierten Kollegen Oelsner abgegeben. "Thomas hat den Sieg verdient, ich habe Silber im Herzen", sagte er damals.

Für die deutschen Curler ist dagegen der Traum von einer Medaille nach dem 6:8 gegen Gastgeber Kanada und der vierten Niederlage im siebten Spiel nahezu ausgeträumt.

(SID/chk)
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