Riesen-Rückkehr der Schwedin: Pärson stürmt nach Horror-Sturz zu Bronze

Riesen-Rückkehr der Schwedin: Pärson stürmt nach Horror-Sturz zu Bronze

Whistler (RPO). Es waren Bilder, bei denen selbst Lindsey Vonn nicht mehr hinschauen konnte. Bei der ersten Olympia-Entscheidung der alpinen Ski-Damen stürzte Anja Pärson so schwer, dass die führende US-Amerikanerin ihren Blick von der Strecke wenden musste. Einen Tag später fuhr die Schwedin zu Bronze.

Sie tanzte regelrecht durch die Slalomstangen auf der Piste von Whistler. So locker, so leicht, so schnell — so wie man Anja Pärson kennt. Dabei mochte sich der ein oder andere Zuschauer verwundert die Augen gerieben haben. Die Anja Pärson, die am Tag zuvor so schwer gestürzt war? Ja, die Anja Pärson.

Rückblick: Keine 24 Stunden zuvor war es unter all den Stürzen bei der Abfahrt der Damen der schlimmste. Die Schwedin hob kurz vor dem Ziel ab und flog 60 Meter weit durch die Luft, landete auf den Skiern, knickte aber nach hinten um. Nicht wenige befürchteten zumindest einen Kreuzbandriss — wenn nicht sogar noch Heftigeres.

Lindsey Vonn, die als Führende der Abfahrt auf die restlichen Athletinnen wartete, konnte gar nicht mehr hinsehen. "Das war verdammt knapp. Sie hätte dabei leicht zu Tode kommen können", polterte Pärsons Vater Anders. Seine Tochter selbst sprach vom "schlimmsten Sturz meiner Karriere".

Doch Anja Pärson kam zurück. Und wie. Am nächsten Morgen startete sie in der Super Kombination. Erst in der Abfahrt, dann im Slalom. Als viertletzte Skirennläuferin startete sie in den zweiten und letzten Durchgang und ging — erwartungsgemäß — in Führung. Eine Medaille konnte es nur noch geben, wenn eine der Top-3-Platzierten patzen würde.

Und es patzte eine. Nicht Julia Mancuso, die Pärson von Platz eins verdrängte. Und auch nicht die spätere Olympiasiegerin Maria Riesch, die Mancuso auf Rang zwei und Pärson auf Rang drei verwies. Sondern Lindsey Vonn, die letzte Starterin, die es nicht schaffte, den Slalom bis zum Zielstrich durchzuziehen.

Somit blieb Pärson auf dem olympischen Treppchen — bereits zum sechsten Mal in ihrer Karriere. 2002 hatte die siebenmalige Weltmeisterin in Salt Lake City Silber und Bronze gewonnen, 2006 in Turin zweimal Bronze und einmal Gold. Doch diese Medaille unmittelbar nach dem Horror-Sturz dürfte ihr eine der liebsten sein. Nicht umsonst klopfte sie sich anschließend wild jubelnd auf die wuchtigen Oberschenkel — und verdrückte bei der Blumen-Zeremonie in Whistler Tränen der Freude.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Olympia 2010: Anja Pärson stürmt zu Bronze

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