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Olympia Peking 2022: Fall Kamila Walijewa bringt USADA-Chef Travis Tygart auf die Palme

USADA-Boss zum Fall Walijewa : "Katastrophales Versagen des Systems"

Der Doping-Fall von Kamila Walijewa bei den Olympischen Winterspielen in Peking sorgt weltweit für Aufregung. Der mächtige Dopingjäger Travis Tygart ist stinksauer.

Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA, sieht in der Affäre um die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa bei den Winterspielen in Peking ein Systemversagen im Kampf gegen Doping. "Das Versäumnis, einen im Dezember durchgeführten Test erst nach dem Teamwettbewerb zu melden, ist ein katastrophales Versagen des Systems zum Schutz der Öffentlichkeit, der Integrität der Spiele und der sauberen Athleten, die an dem Wettbewerb teilnehmen mussten", sagte Tygart der Nachrichtenagentur AFP.

"Das hätte nicht passieren dürfen", betonte Tygart und erklärte, dass die US-Behörden und andere Nationen bei Athleten vor Großevents Testauswertungen beschleunigten, um Situationen wie nun in Peking zu vermeiden. Walijewas Probe hätte laut Tygart relativ simpel und schnell analysiert werden können, da die in ihrem Körper gefundene Substanz - Trimetazidin - nicht natürlich im menschlichen Körper produziert wird.

Am Freitag hatte die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beauftragte Internationale Testagentur ITA mitgeteilt, dass die erst 15-jährige Walijewa vor den Spielen positiv auf Trimetazidin getestet worden ist. Die Probe wurde demnach am 25. Dezember in St. Petersburg genommen.

Das WADA-akkreditierte Labor in Stockholm teilte den positiven Befund aber erst am vergangenen Dienstag mit - einen Tag nach dem olympischen Teamwettbewerb, in dem die russische Mannschaft um Walijewa Gold gewann. Russlands Anti-Doping-Agentur RUSADA sprach eine vorläufige Sperre aus, hob diese nach einem Einspruch Walijewas aber gleich wieder auf.

Das IOC und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gingen dagegen in Berufung. Die Entscheidung über einen Start von Walijewa im Einzelwettbewerb liegt nun beim Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Tygart drückte sein Mitgefühl für die junge Athletin aus, die "vom System zermalmt wird". Die Entscheidung der RUSADA, die Suspendierung aufzuheben, sei nicht überraschend mit Blick auf die jüngere Vergangenheit.

"Das sollte für niemanden ein Schock sein. Die RUSADA war mittendrin, als es darum ging, Athleten dabei zu helfen, ihre Tests zu vertuschen und sich am Betrug des staatlich geförderten Dopingsystems zu beteiligen", sagte Tygart.

(dör/SID)