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Olympia 2022 Peking: Mixed-Wettbewerbe sind wichtig für mehr Chancengleichheit

Olympische Winterspiele : Mixed-Wettbewerbe sind wichtig für mehr Chancengleichheit

Immer noch gibt es bei Olympischen Spielen weniger Medaillen für Frauen als für Männer. Das IOC will dies nach und nach angleichen. Bei neuen Wettkämpfen liegt der Fokus auf Formaten, bei denen beide Geschlechter gemeinsam antreten. Warum das eine gute Plattform für die Athletinnen ist.

 Das Internationale Olympische Komitee (IOC) nimmt immer mal wieder neue Wettkämpfe in das Olympia-Programm auf. Teils, um das Angebot auszuweiten, teils um neueren Sportarten wie Snowboard oder Skateboard mehr Medaillenchancen zu geben und so attraktiver für die jüngeren Generationen zu sein, teils, um mehr Gleichheit bei den Medaillenchancen nach Geschlechtern zu gewährleisten.

Bei den Winterspielen in Peking gibt es sieben neue Entscheidungen, vier davon sind Mixed-Wettbewerbe. Eine Tendenz, die sich auch bei den Sommerspielen 2021 in Tokio erkennen ließ. Zwölf Mixed-Wettkämpfe gab es dort, neun davon waren neu im Programm. Gemessen an insgesamt 339 olympischen Wettbewerben im Sommer ist das natürlich nur ein Bruchteil.

Bei den Winterspielen sieht das etwas anders aus. Dort sind es elf Mixed-Entscheidungen – bei insgesamt 109 Wettkämpfen.

Das IOC greift gerne zu der Möglichkeit, Frauen und Männer gemeinsam antreten zu lassen, statt direkt einen neuen Einzelwettkampf einzuführen. Das wird oft kritisiert. Denn noch immer gibt es für Männer bei Olympia mehr Wettkämpfe als für Frauen. In Peking wird für die männlichen Athleten 52 Mal Gold, Silber und Bronze vergeben, für Frauen 46 Mal. Im Sommer 2021 wurden in Tokio in 165 Entscheidungen Medaillen an Männer vergeben, in 156 an Frauen.

Nur Stück für Stück gleicht das IOC diesen Unterschied aus. Vielen geht das nicht schnell genug. Dennoch sind die Mixed-Wettbewerbe ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Chancengleichheit.

Das IOC will mit den Olympischen Spielen Geld verdienen. Dafür braucht es attraktive Wettkämpfe, die viele Zuschauer vor die TV-Geräte, an die Strecken und in die Stadien ziehen. Die Spannung, Spektakel und besondere Geschichten versprechen. Gerade bei Disziplinen, die eine noch nicht so lange Historie haben, müssen die Zuschauer erst von der Attraktivität überzeugt und an den Sport herangeführt werden.

Mixed-Wettbewerbe sind da eine gute Werbeplattform. Weil die Zugpferde einer Sportart gemeinsam mit den noch weniger bekannten Kolleginnen oder Kollegen antreten, die sich so auf einer großen Bühne präsentieren können. Und sie ziehen ihren besonderen Charme aus den neu gemischten Chancen. Oft sind in einer Sportart die Favoritenrollen bei Männern und Frauen klar verteilt. Nicht immer aber sind es bei beiden Geschlechtern auch die gleichen Nationen. Im gemischten Team reicht es nicht, wenn man als Einzelstarter den Weltcup dominiert, man muss bei beiden Geschlechtern gut aufgestellt sein. Das gibt ganz neuen Ländern die Chance auf Medaillen und animiert die Topnationen dazu, beide Geschlechter zu fördern.

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So hat Polen zum Beispiel im Skispringen keine Chance auf den Mixed-Titel, weil man dort die Skispringerinnen bisher nahezu völlig ignoriert hat. Will man seine Ausbeute ausbauen, muss man in die Frauenausbildung investieren.

Im Freestyle-Ski und im Snowboard gibt es in Peking ebenfalls erstmals Mixed-Wettbewerbe. Hier geht es vor allem um einen zusätzlichen Wettkampf der vor allem für junge Zuschauer interessanten Sportarten. Aber auch hier wird der direkte Vergleich von Frauen und Männern spannend. Es ist wichtig, dass die Menschen sehen, dass beide diesen Sport auf hohem Niveau und mit ähnlichen Sprüngen und Leistungen betreiben können.

Noch wichtiger ist das zum Beispiel im Skispringen. Die Männer-Springen gehören zu den beliebtesten Events im Wintersport. Die Frauen sind erst seit 2014 bei Olympia vertreten. Sie kämpfen seit Jahren um mehr Schanzengleichheit – heißt, sie wollen mehr Wettkämpfe pro Saison und vor allem mehr auf den großen Schanzen.

Der neue Mixed-Wettbewerb bei diesen Spielen war ihre Chance, zu zeigen, dass sie genauso gutes und spektakuläres Skispringen zeigen können, wie die Männer. Damit wollten sie sich für einen Einzelwettbewerb auf der Großschanze ab den Spielen 2024 empfehlen. Dass der Kostenpflichtiger Inhalt Disqualifikations-Eklat bei den Winterspielen nun nicht gerade Werbung war, macht es für die Skispringerinnen daher umso schlimmer.

Denn nur durch die Wettbewerbe mit den Männern bekommen sie bisher die Chance, ihr Können auch einem großen Publikum zu zeigen. Das gilt auch für die Nordischen Kombiniererinnen, die in diesem Winter ihren ersten Mixed-Weltcup hatten und bei Olympia noch nicht starten dürfen.

So können sie Werbung für ihre Sportart machen und neue Fans gewinnen, die dann auch für Frauen-Weltcups an die Schanzen oder in die Stadien kommen. Das ist wichtig. Denn nur, wenn die Veranstalter und TV-Sender mehr Geld mit den Wettbewerben verdienen können, bekommen auch die Athletinnen höhere Preisgelder.

Deswegen sind die Mixed-Teams nicht nur ein Trostpflaster für die Athletinnen und Athleten und eine Marketing-Aktion für das IOC. Sie sind eine echte Chance auf mehr Wertschätzung und Professionalität für die Disziplinen.

Hier finden Sie den Medaillenspiegel der Winterspiele im Überblick.

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den Winterspielen.

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