Olympia 2018: Was von den Winterspielen übrig bleibt

Deutschland mit Gold-Rekord: Was von den Winterspielen bleibt

Für die Deutschen sind es sehr erfolgreiche Winterspiele. Noch nie gewann ein Team bei Olympia so viele Goldmedaillen. Doch was bleibt noch hängen von 17 Tagen Pyeongchang?

Die Olympischen Spiele von Südkorea haben mit einer politischen Geste begonnen. Zusammen gingen Nord- und Südkoreaner zur Eröffnung ins Stadion, und das geteilte Land schickte ein gemeinsames Frauen-Eishockeyteam in den Wettbewerb. Ein Zeichen nur, aber ein gutes Zeichen in einer Zeit, in der sich die Präsidenten Kim Jong-Un und Donald Trump öffentlich mit Drohungen eindecken und darüber streiten, wer über die größten Atomsprengköpfe verfügt. Die Geste der Sportler wird gerade deshalb in Erinnerung bleiben. Dass manche dem Internationalen Olympischen Komitee den Friedensnobelpreis umhängen wollen, wäre trotzdem ein bisschen viel Symbolpolitik. Was bleibt noch von den ersten Winterspielen in Korea?

Ganz sicher das Flutlicht-Biathlon. So mancher Fernsehzuschauer hat sich an die Luftbilder einer gleißend hell erleuchteten Strecke so gewöhnt, dass er sich Tagesveranstaltungen bei Sonne und in einer Winterlandschaft vermutlich kaum noch vorstellen kann. Aber die nächsten Weltcups kommen bestimmt. Und wenn sie in Europa ausgetragen werden, muss die Uhr auch nicht künstlich auf die Bedürfnisse der Mitteleuropäer umgestellt werden. Das europäische TV-Publikum erlebte die Wettkämpfe in Südkorea um die Mittagszeit. Es musste sich nicht wesentlich umstellen. Korea ist unserer Zeit acht Stunden voraus. Das erklärt den manchmal schwachen Besuch an Biathlonstrecken und an den Skischanzen, wo die Wettbewerbe wegen der TV-Übertragungen bis tief in die südkoreanische Nacht ausgetragen wurden. Olympia war daher oft sehr dunkel.

Die Scheinwerfer holten große sportliche Leistungen ins Licht. Aljona Savchenko und Bruno Massot zauberten eine Paarlauf-Kür aufs Eis, die auch Laien erwärmte. Die Frau, die in der Ukraine geboren wurde, und der Mann, der in Frankreich aufwuchs, holten für Deutschland mit einem Lauf nahe an der Perfektion das erste Paarlauf-Gold seit 66 Jahren. Sie waren nicht die einzigen, die Freudentränen vergossen. Der große Kerl und die kleine Frau weinten auf dem Eis, sie weinten, als das Ergebnis feststand sie weinten auch noch bei den Interviews.

Für Freudentränen war Ester Ledecka aus Tschechien viel zu verdutzt. Die Snowboard-Spezialistin raste auf zwei Brettern im Super-G der Welt davon. Sie holte Gold, und sie überraschte sich damit selbst. Zu den ersten Interviews behielt sie die Skibrille auf. Sie begründete das so: "Ich bin die einzige, die sich nicht geschminkt hat." Die ungeschminkte Wahrheit: Ihr Sieg war eine Sensation. Diesmal stimmt das vielzitierte Wort.

Die deutschen Bobfahrerinnen Mariama Jamanka und Lisa-Marie Buckwitz haben für eine große Überraschung gesorgt. Sie bildeten eigentlich das B-Team ihres Verbands, aber sie fuhren zur Goldmedaille. Auch sie vergossen Tränen im Zielraum.

Doch genug geweint. Die Bilanz der Deutschen war auf keinen Fall zum Heulen. Noch nie seit der Wiedervereinigung hat ein deutsches Team so viele Goldmedaillen gewonnen. 14 waren es am Ende. Genauso viele wie Norwegen, dass insgesamt acht Medaillen mehr holte und deshalb im Medaillenspielgel noch vor dem deutschen Team lag.

Biathletin Laura Dahlmeier brachte die ganze Mannschaft mit ihrer Goldmedaille im Sprint am ersten Wochenende in Schwung. Und sie war nicht die einzige, die in verlässlicher Olympia-Form antrat. Überragend war die Bilanz der Nordischen Kombinierer, die alle Goldmedaillen in ihren drei Wettbewerben gewannen, auf der großen Schanze holten sie den kompletten Medaillensatz. Eines der Gesichter der Spiele ist damit Eric Frenzel, der Fahnenträger.

Sein Pendant bei der Schlussfeier: Christian Ehrhoff. Der Eishockey-Nationalspieler zog mit seinem Team sensationell ins Finale ein, stand kurz vor dem Sieg. Am Ende stand Deutschland nach einem hochdramatischen Finale mit einer Silbermedaille, die nun wirklich niemand eingeplant hatte.

Eine der Mitbewerberinnen um die Rolle der Fahnenträgerin wurde zu einer der großen Enttäuschungen. Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wollte nicht nur ihr Alter besiegen, sondern auch den internationalen Verband, der sie 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt hatte. Pechstein wehrte sich jahrelang gegen den Vorwurf des Dopings, sie legte ärztliche Bescheinigungen vor, die ihr eine angeborene Blutanomalie bestätigten. Sie klagte und stritt. Aber die Sperre blieb bestehen.

Mit einer Medaille über 5000 Meter wollte sie ein paar Tage vor dem 46. Geburtstag die Funktionäre so richtig beschämen. Das gelang nicht, sie wurde in ihrer Paradedisziplin nur Achte. Ein Bild dieser Spiele ist Pechstein, die ausgepumpt auf der Bande der Eishalle liegt. Sie wird unfreiwillig zum Symbol der erfolglosen Eisschnellläufer, die wie in Sotschi vor vier Jahren keine Medaille gewinnen konnten.

Die Zahl der überführten Doper ist an einer Hand abzuzählen. Das könnte als positive Erinnerung verbucht werden. Doch das muss nicht das letzte Wort sein. Nicht unwahrscheinlich, dass die Ermittler mit ihren Erkenntnissen und Methoden wieder mal hinter den Betrügern herhinken. Einstweilen waren es einigermaßen saubere Spiele. Noch.

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(pet)