Olympia 2018: Politik und Sport uneins über neue Olympia-Bewerbung

Erfolgreiche Spiele in Pyeongchang: Sport und Politik uneins über erneute Olympia-Bewerbung

Das überaus erfolgreiche Abschneiden der deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hat die Debatte um eine künftige Olympia-Bewerbung Deutschlands neu befeuert. DOSB und Politik sind sich uneins.

"Dieses Ergebnis trägt hoffentlich dazu bei, hierzulande eine noch positivere Einstellung zu einer Olympia-Bewerbung zu bewirken. Die erfreuliche Medaillenausbeute müsste außerdem den Bund zusätzlich beflügeln, bei der Leistungssportreform wie geplant zeitnah zu neuen Ufern aufzubrechen", sagte Walter Schneeloch, Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), unserer Redaktion. "Wir können aus deutscher Sicht in der Summe von einem insgesamt tollen Abschneiden und — trotz einiger sicherlich steigerungsfähiger Disziplinen — sehr erfolgreichen Olympischen Spielen sprechen."

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschuss im Deutschen Bundestag, ist da weniger euphorisch. "Perspektivisch sicherlich, aber eine solche Bewerbung erfordert Voraussetzungen. Das IOC muss erkennen, dass sein Gebaren in vielen Teilen der Welt auf deutliche Ablehnung trifft und hier verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen", sagte die SPD-Politikerin unserer Redaktion. "Außerdem muss das IOC Abstand nehmen vom bisherigen Gigantismus und mangelhafter Nachhaltigkeit, was viele der letzten Olympischen Spiele geprägt hat. Nur dann werden sportbegeisterte demokratische Staaten und deren Bevölkerung wieder bereit sein, als Ausrichter für Olympische Spiele anzutreten. Deutschland wäre in vielerlei Hinsicht ein geeigneter Gastgeber, aber wir müssten die breite Bevölkerung hinter einer solchen Bewerbung vereinen können. Vor dem Hintergrund des aktuellen Zustands des IOC sehe ich das aber zur Zeit jedenfalls als illusorisch an."

Den Spitzensportverbänden im DOSB geht es derweil weniger um Spiele im eigenen Land als um eine spürbare Erhöhung der staatlichen Sportförderung. "Nur weil Erfolg da ist, sind die Probleme ja nicht gelöst. Wir dürfen uns nicht blenden lassen und sagen: Es geht ja auch so. Nein, es geht um zu verbessernde Strukturen, um mehr Hauptamtliche an den Bundesstützpunkten, um eine bessere Bezahlung unserer Trainer. Und dafür braucht es definitiv mehr Geld", sagte Ruderpräsident Siegfried Kaidel in seiner Funktion als Sprecher der Spitzensportverbände unserer Redaktion. Genauso wenig hält der 66-Jährige davon, Wintersportarten wie Biathlon zu nehmen und ihr Erfolgsrezept als Blaupause zu verwenden. "Man kann aus dem Erfolg bei den Winterspielen keinen Generalplan ableiten, der sich auf alle anderen Sportarten übertragen ließe", sagte Kaidel.

(gic, klü)
Mehr von RP ONLINE