Olympia 2018: Patrick Reimer schießt DEB-Team ins Olympia-Halbfinale

Größter Erfolg seit 42 Jahren: Ehemaliger Düsseldorfer schießt DEB-Team ins Olympia-Halbfinale

Deutschland besiegt Schweden im olympischen Eishockey-Viertelfinale und feiert den größten Erfolg seit 42 Jahren. Das entscheidende Tor schoss ein ehemaliger Düsseldorfer. Für einen anderen Düsseldorfer ist dagegen ein Traum geplatzt.

Als Patrick Reimer nach 90 Sekunden in der Verlängerung den Puck über die Linie gestochert hatte, war er sicher: Er hatte gerade Eishockey-Geschichte geschrieben. Doch der Schiedsrichter stoppte den Jubel, der DEL-Rekordtorjäger und das Nationalteam mussten noch ein paar Sekunden bangen. "Ich wusste genau, dass er drin war", sagt der Nürnberger. Nach kurzem Videostudium sah es auch der Referee. Nach dem 4:3 (2:0, 0:0, 1:3, 1:0) in der Overtime gegen Weltmeister Schweden spielt Deutschland um die erste Olympia-Medaille seit Bronze 1976.

"Wir haben immer von diesem Traum gesprochen", sagt Reimer, der bei der Düsseldorfer EG einst seine Karriere begann, "wir haben es geschafft. Wir haben Großes erreicht, aber es ist noch viel mehr drin." In einem dramatischen Spiel, in dem die deutsche Mannschaft zunächst 2:0 und bis zur 50. Minute 3:1 geführt hatte, besiegte sie zum ersten Mal bei Olympia die übermächtigen Schweden. Im Halbfinale morgen (13.10 Uhr/MEZ) gegen Rekord-Olympiasieger Kanada greift das Team von Bundestrainer Marco Sturm nach dem ersten Edelmetall seit 42 Jahren.

"Das ist mehr als eine Sensation", meint DEB-Präsident Franz Reindl, der 1976 in Innsbruck selbst noch als Spieler auf dem Eis gestanden hatte. "Man muss sich erstmal fragen: Schläft man, träumt man, oder wo geht die Reise hin?" Ohne ihre NHL-Superstars sind auch die Kanadier, die sich 1:0 gegen Finnland durchsetzten, nicht unschlagbar. "Es kann uns nichts mehr schocken, wir sind bereit", sagt Sturm.

Der Moerser Christian Ehrhoff (14.) und der Tönisvorster Marcel Noebels (15.) hatten die DEB-Auswahl im ersten Drittel mit 2:0 in Führung gebracht. Nach dem Anschlusstreffer von Anton Lander (47.) schien der Münchner Dominik Kahun (49.) den Sieg bereits unter Dach und Fach gebracht zu haben. Doch Patrik Hersley (50.) und Mikael Wikstrand (52.) glichen für den zweimaligen Olympiasieger aus. In der Verlängerung schoss Reimer, der in den beiden Spielen zuvor verletzt gefehlt hatte, die deutsche Mannschaft zum ersten Sieg im 15. Olympia-Duell mit den Tre Kronor.

Während das alles geschieht, sitzt Tobias Abstreiter im Mannschaftsbus auf dem Weg ins niederländische Geleen. Der Trainer der Düsseldorfer EG bereitet sich mit seinem Team auf die entscheidende Phase in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vor. Nun also Geleen. Eine triste Eissporthalle irgendwo in der Provinz. Eigentlich sollte er als Co-Trainer von Sturm bei Olympia hinter der Bande stehen. "So ist das eben manchmal im Leben", sagt Abstreiter, 47. "Für mich persönlich ist ein großer Traum geplatzt, aber hey, über was reden wir das gerade? Das ist doch der Wahnsinn, was gerade in Pyeongchang passiert!" Abstreiter macht eine kurze Pause, um dann nach weiteren Formulierungen zu suchen, wie man die Leistung der deutschen Mannschaft im olympischen Turnier angemessen würdigen kann. "Irgendwann war eine große Eishockey-Nation fällig", sagt der Landshuter. "Ein total verdienter Erfolg. Wahnsinn ist das! Die Reise muss nicht zu Ende sein."

Düsseldorf macht sich als Tabellenelfter noch leise Hoffnungen auf das Erreichen der Play-offs - dazu müsste man noch einen Platz nach vorne rücken, der Rückstand ist mit etwas Glück einholbar. Der Traum von Olympia ist für ihn sehr kurzfristig geplatzt: Als Mike Pellegrims zwei Wochen vor Beginn der Spiele bei der DEG als Chefcoach entlassen wurde, stieg Abstreiter zum verantwortlichen Übungsleiter auf - sein Arbeitgeber verweigerte ihm daraufhin die Freigabe als Assistenztrainer von Sturm. "Alles jetzt total egal", sagt er. "Jetzt wird einfach nur gefeiert."

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(RP/sid)