Olympia 2018: Österreichs Skispringer rutschen tiefer in die Krise

Schlechtes Abschneiden bei Olympia: Österreichs Skispringer rutschen tiefer in die Krise

Österreichs Skispringer haben in Pyeongchang einen neuen Tiefpunkt erreicht. Trainer Heinz Kuttin zählt Topstar Gregor Schlierenzauer öffentlich an, doch auch sein eigener Rauswurf droht.

Immer wieder Austria: Die olympischen Skisprung-Wettbewerbe von Pyeongchang endeten im totalen Triumph für Österreicher. Gold für Alexander Stöckl, Silber für Werner Schuster, Bronze für Stefan Horngacher, die auch schon in den Einzel-Wettbewerben sämtliche Medaillen abgeräumt hatten. Der Haken aus Sicht der Alpenrepublik: Kein Edelmetall ging an Österreich selbst. Während ihre besten Trainer ausgerechnet die Erzrivalen Norwegen, Deutschland und Polen in den siebten Himmel führten, herrscht bei der einstigen Schanzen-Großmacht nach der größten Olympia-Pleite seit 30 Jahren dicke Luft.

"Beschämend. Ganz einfach", sagte ein restlos bedienter Cheftrainer Heinz Kuttin. Der seidene Faden, an dem sein Job ohnehin nur noch hängt, steht nach dem Absturz von Pyeongchang vor dem Riss. Platz vier im Teamspringen mit umgerechnet 52 Metern Rückstand zu Bronze, ein sechster Platz von Michael Hayböck als bestes Einzelergebnis. Einen Hauch schlechter waren die Austria-Adler zuletzt 1988 in Calgary - mit Kuttin als Skispringer.

Dem "netten Heinz", der seine flügellahmen Flieger selbst nach der gnadenlos in den Sand gesetzten Vierschanzentournee in Schutz genommen hatte, platzte in Südkorea der Kragen. Kuttin setzte dem mit Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer und Doppelweltmeister Stefan Kraft hochprominent besetzten Team öffentlich die Eselskappe auf.

Die bemühten, aber glücklosen Hayböck und Kraft "tun mir leid", sagte Kuttin, aber: "Manuel Fettner und Gregor Schlierenzauer, die springen im Training sehr gut, sind mit Platz sechs oder sieben nicht zufrieden, dann kommt der Wettkampf und dann hupfen sie, sorry, das ist nicht einmal Mittelmaß."

Kuttin droht Schlierenzauer und Fettner, immerhin Team-Weltmeister 2013, offen mit der Ausmusterung: "Was sie zeigen, das gefällt uns nicht. Irgendwann muss man dann auch einmal auf die Jugend schauen, das werden wir in Zukunft auch machen."

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Schlierenzauer, der erst 28 Jahre alt ist, dessen beste Zeiten aber lange zurückliegen, ist Sinnbild des Austria-Niedergangs. Nach schweren Verletzungen und psychischen Problemen erklärt der sechsfache Ex-Weltmeister und Bestverdiener der Skisprung-Historie regelmäßig, sich so gut wie nie zu fühlen und vor der Rückkehr zu alter Stärke zu stehen. Um dann wieder aufzutreten wie in Pyeongchang: 32. von der Normalschanze, für das zweite Einzelspringen war er nicht einmal nominiert.

Während Kuttin über ein mögliches Aus für Schlierenzauer redete, verkniff sich dieser eine klare Aussage über ein mögliches Aus des Trainers. "Das sind gefährliche Fragen, weil ich da sehr emotional bin, ich habe mir da schon einmal die Finger verbrannt", sagte er: "Da müssen wir uns alle bei der Nase nehmen."

In kaum einem Jahr beginnt die nordische Heim-WM in Seefeld, ein neues Desaster droht - Kuttins Tage scheinen gezählt. "Diese Dinge werden sicherlich überlegt, aber jetzt müssen wir einmal die Saison fertig machen", sagte Nordisch-Direktor Ernst Vettori zur Trainerfrage.

Das Kardinalproblem ist: Österreichs Toptrainer Stöckl (Norwegen), Schuster (Deutschland) und Horngacher (Polen) werden den Teufel tun und ihre Traumjobs gegen den Posten eines sportlichen Insolvenzverwalters in der Heimat tauschen.

(sid)