Olympia 2018: Lindsey Vonn verabschiedet sich von der großen Bühne

Einzigartige Karriere: Lindsey Vonn sagt "Goodbye" zu Olympia

Die schillerndste Frau des Wintersports verabschiedet sich von Olympia. Nur das Finale ist Lindsey Vonn missglückt. Dennoch blickt sie auf eine bemerkenswerte Karriere zurück.

Wenn Lindsey Caroline Vonn die Startlinie betritt, dann fängt das Publikum an zu jubilieren. So ist es auch in Südkorea, am Fuße des Abfahrtshügels von Jeongseon. Die Zuschauer - zumindest die meisten - wollen Vonn im Zielbereich mit einem Fahnenmeer begrüßen. Doch Vonn lässt sie länger warten als gedacht.

Die Skirennfahrerin startet als Führende, fädelt aber ein und scheidet aus. Ausgerechnet ihr letztes Abfahrtsrennen bei Olympischen Winterspielen verpatzt die 33-Jährige. Erst weinen die Fans mit der gefallenen Heldin mit. Dann ist das enttäuschende Resultat schnell vergessen. Wohl genau so schnell, wie der Name der Abfahrt-Olympiasiegerin - sie heißt Michelle Gisin (Schweiz). Doch ihr Name, Lindsey Vonn, er wird im Gedächtnis bleiben, auch wenn sie "Bye, bye Olympia" sagt.

Die Skirennläuferin aus dem US-Bundesstaat Minnesota machte als 15-Jährige zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Sie wurde Zweite in der US-Abfahrtsmeisterschaft. Es sollte der Startschuss für eine Karriere sein, in der sie bislang bemerkenswerte 81 Weltcupsiege feiern konnte. Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombination - das sind die großen Fünf im alpinen Skisport. Vonn zählt zu dem erlesenen Kreis derer, die in allen fünf siegreich waren. Die US-Amerikanerin hat es geschafft, zum größten weiblichen Superstar aufzusteigen, den der Wintersport je hervorgebracht hat.

Vonn hat sich immer gerne ausprobiert, ist körperlich zuweilen über Grenzen hinausgegangen. Ein gebrochenes Sprunggelenk, ein Schienbeinkopfbruch, diverse Fingerbrüche. Gehirnerschütterungen, zwei Kreuzbandrisse und ein gebrochener Oberarm. Trotz allem kämpfte sie sich immer wieder zurück. Vonn nutzte die freie Zeit aber anders, als man es von Wintersportlern gewöhnt ist.

Zuletzt tauchte sie eher in Boulevardblättern auf als in Abfahrt-Siegerlisten. Sie nutzte die Bekanntheit, die sie auf ihren Skibrettern erlangen konnte, um sich daraus eine viel größere Bühne zu bauen.

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2011 war Vonn mehrere Monate mit Profigolfer Tiger Woods liiert. Sie posierte bereits im Bikini auf Titelseiten von Hochglanzmagazinen. Sie spielte in einer US-Serie mit und suchte im sozialen Netzwerk "Twitter" nach einer neuen Liebe. Zuletzt setzte die Blondine ihr strahlend weißes Lächeln ein, um für Küchenpapier zu werben. Vonn war sich nie und für nichts zu schade. Das Resultat, das sie als Lohn begreifen dürfte: mehr als eine Million Fans auf "Twitter", knapp 1,4 Millionen Facebook-"Likes". Zum Vergleich: Vonns ewige deutsche Konkurrentin, Ex-Abfahrerin Maria Höfl-Riesch, hat rund 220.000 "Likes".

Vonn musste dafür immer auch viel Kritik einstecken. Sie gilt als Drama-Queen, immer dann, wenn es zu viel wird, wenn sie mit Hund Lucy posiert oder öffentlichkeitswirksam um ihren verstorbenen Opa weint. Vonn scheint in diesen Momenten zu vergessen, wo der Abfahrthügel endet und die Showbühne beginnt. "Overacting" nennen das die Amerikaner. "Ich weine nicht oder bin traurig, denn ich habe heute mein Herz auf dem Berg gelassen", schrieb sie nach ihrem sechsten Rang beim Super-G auf Facebook, "das ist alles, was ich geben konnte." Geweint hat sie in Pyeongchang dann gestern nach ihrem Ausscheiden in der Abfahrt. Zumindest eine Bronzemedaille - und damit das dritte Olympia-Edelmetall ihrer Karriere - nimmt sie mit. Und wer hätte das schon gedacht?

Lindsey Vonn wuchs in einem Vorort von Minneapolis auf, musste sich unter vier Geschwistern behaupten. Zwar bedankt sich Vonn nach Erfolgen stets artig bei ihren Eltern, doch deren Scheidung zu verkraften bezeichnete sie einst als "seelischen Kraftakt". Der Leistungsdruck des Vaters legte das Verhältnis viele Jahre auf Eis. Vonn suchte die Flucht nach vorne.

Nun ist die 33-Jährige eine Olympia-Legende. "Es war eine großartige Reise", sagte Vonn in Pyeongchang. Ihr Weg ist aber nicht zu Ende. Sie wird ihn im Weltcup und abseits der Piste fortführen - bis keiner mehr klatscht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vonn wird nach Bronze emotional

(ball)