Olympia 2018: Kea Kühnel ist deutschlands Slopestyle-Hoffnung

Olympia-Debüt von Kea Kühnel: Ein Nordlicht als Slopestyle-Hoffnung

Ein Nordlicht ist am Freitag bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die deutsche Hoffnung im Slopestyle der Frauen.

Die höchste natürliche Erhebung in Bremerhaven misst gerade mal 11,4 Meter, und dennoch ist Kea Kühnel die deutsche Ski-Hoffnung im Slopestyle. Die 26-Jährige, in Bremerhaven zwischen Ebbe und Flut geboren, gibt bei den Winterspielen am Freitag (10.00 Uhr OZ/2.00 Uhr MEZ) ihr Olympia-Debüt.

"Ich bin die erste Teilnehmerin bei Winter-Olympia aus dem Bundesland Bremen. Darauf bin ich ein wenig stolz", sagt Kühnel. Den Konkurrentinnen aus dem Hochland, als Kleinkind oft schon den ganzen Tag auf Ski, tritt sie selbstbewusst gegenüber. "Ich bin als Kind mit meinen Eltern häufig in den Skiurlaub gefahren", sagt Kühnel, die außerdem über ein besonderes Bewegungstalent verfügt.

Ihr Olympia-Start stand lange auf der Kippe. Als Nummer 27 der Weltrangliste stand ihr zunächst kein Ticket für das 24er-Feld zu. Weil nicht alle Nationen ihre Quotenplätze nutzten, rückte Kühnel nach. "Ich konnte es zunächst gar nicht glauben", berichtet die 26-Jährige, "mein Handy stand nicht mehr still."

Am Freitag wird der Olympia-Traum Realität, und die Frau aus dem hohen Norden will angreifen. "Ich bin jetzt keine Medaillenkandidatin", sagte Kühnel, doch ein wenig aufs Finale der besten Zwölf schielt sie schon. "Nervös bin ich nicht, vielleicht etwas aufgeregt", beschreibt die Debütantin ihre Stimmung.

Ihr normales Programm hat sie gut drauf. Doch falls sie den Sprung ins Finale schafft, will sie noch etwas drauflegen. "Entweder würde ich eine Drehung mehr machen oder noch einen Rückwärtstrick einbauen", verrät Kühnel, die den Verlauf des Wettkampfs zunächst mal abwarten will.

Die ersten Olympia-Eindrücke in Pyeongchang waren durchweg positiv. Im deutschen Haus bekam sie die Dauerparty im D-Team hautnah mit. "Es war sehr cool. Wir wussten ja, dass noch ein paar Goldmedaillen reinkommen", sagt Kühnel, die bei den Spielen das Zusammensein mit den anderen Athleten genießt. "Es macht Spaß, da mal abzuhängen."

Kühnel ist eine Spätstarterin, sie stieg erst vor zwei Jahren in den Weltcup ein. "Am Anfang war ich ziemlich nervös. Man braucht etwas Zeit, um klarzukommen. Die Schanzen werden immer größer", berichtet die Ski-Artistin. In diesem Winter gelang der Durchbruch, mit Rang fünf in Font Romeu/Frankreich am 23. Dezember: "Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk."

Längst wohnt auch Kühnel in den Bergen, in Tirol, sie studiert in Innsbruck Sinologie. Die chinesische Sprache hat es ihr angetan. Zwei Jahre hat sie in China schon verbracht. "Ein interessantes Land, vielfältig, voll von Gegensätzen", schwärmt sie.

Auch in Sachen Ski tut sich im Reich der Mitte einiges. "Es gibt immer mehr Skigebiete", berichtet Kühnel. In vier Jahren trägt Peking die nächsten Olympischen Winterspiele aus. Das würde passen: die China-Expertin und Slopestylerin am Start. Doch Kühnel bleibt vorsichtig: "Warten wir mal ab."

(sid)