Olympia 2018: Eurosport will raus aus der Nische

Olympia im TV: Eurosport will raus aus der Nische

Konkurrenz für ARD und ZDF: Der Sportsender Eurosport steigt mit großem Aufwand in die Live-Berichterstattung von Olympia ein - und bewegt sich weg vom klassischen Fernsehen.

Sie nennen sich ganz unbescheiden "Home of the Olympics", die Heimat der Olympischen Spiele. Und es ist ja auch nicht verkehrt, denn: Discovery, ein Medienunternehmen aus den USA, hat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für 1,3 Milliarden Euro die Europa-Rechte an den vier Spielen von 2018 bis 2024 abgekauft. Discovery ist auch die Muttergesellschaft von Eurosport - und dort wird ab 9. Februar so viel Winter-Olympia zu sehen sein wie nie. 900 Stunden live, auf allen Plattformen.

Ja, auch ARD und ZDF berichten. Nach langem Hin und Her haben die beiden öffentlich-rechtlichen Sender nach eigenen Angaben 90 Millionen Euro bezahlt, damit sie aus Pyeongchang berichten dürfen. Der Vertrag über die Sublizenz läuft ebenfalls acht Jahre, also einschließlich der Sommerspiele 2024 in Paris, die Summe, die Discovery/Eurosport dafür von ARD/ZDF erhält, ist also ein Vielfaches höher als 90 Millionen. Und die Produktionskosten sind da nicht eingerechnet.

Bei Eurosport sind sie ein wenig traurig gewesen, dass sie nun nicht, wie bis vergangenen August vorgesehen, exklusiv von Olympia berichten. "Ich persönlich finde es sehr schade", sagt Chefredakteur Gernot Bauer, den Ehrgeiz, Deutschland alleine mit einem olympischen Rundumsorglospaket zu versorgen, den hatte er ohnehin - einen Plan auch. Er gewinnt der Aufteilung allerdings auch die guten Seiten ab, nicht zuletzt gehts ja auch ums Geld. Rechte, siehe oben, wollen refinanziert werden.

Eurosport mit Abendshow

  • Olympisches Dorf in Pyeongchang eröffnet

Bei Eurosport haben sie sich vorgenommen: Wir schauen jetzt mal nicht auf die Quote. Aber: Es ist ihnen auch wichtig, dass sie durch die Olympischen Spiele mal aus der Nische rauskommen, dass sie zeigen, dass sie mehr sind als ein Spartensender. Dabei helfen soll die abendliche Sendung "zwanzig18", die entspanntes Sport-Entertainment im Stile einer Samstagabend-Show bieten will. Vorteil: Zur Sendezeit von 20.15 bis 22.15 Uhr dürfen ARD und ZDF keine Olympiabilder senden.

Der Zuschauer hat also die Wahl: 220 Stunden live im Fernsehen plus bis zu drei Livestreams bei ARD und ZDF - oder 550 Stunden plus alles per Livestream bei Eurosport, den Partnersendern TLC (frei) und Eurosport 2 (Bezahlsender) sowie im Eurosportplayer. Ja, Eurosport bietet insgesamt 900 Live-Stunden Olympia an, von der ersten bis zur letzten Sekunde ist alles und jeder zu sehen. Insgesamt produziert Eurosport sogar 4000 Stunden Olympia für seine linearen und digitalen Kanäle.

ARD und ZDF sehen Eurosport als Wettbewerber. "Der Zuschauer wird entscheiden", sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Bei Eurosport werden sie auch auf die Quote schauen, aber nicht nur auf jene, die beim Fernsehzuschauer ermittelt wird. Eurosport will Olympia vor allem auch digital umsetzen, hat deswegen ein eigenes Studio nur dafür in Pyeongchang, Olympia soll überall zu sehen sein, im Fernsehen, am PC auf dem Tablet, und vor allem auch: immer. Der Endverbraucher entscheidet.

"Unser Ziel war es, so vielen Leuten wie möglich Zugang zu Olympia zu verschaffen, das war ja auch der Wunsch des IOC", sagt Bauer. Einiges wird auch nur bei Eurosport zu sehen sein: Shorttrack, Snowboard, Eiskunstlauf und das Eishockey-Turnier etwa. Und nur, damit auch keine Missverständnisse aufkommen: Eurosport wird nicht wegschalten, wenn Doping zum Thema wird. Bauer verspricht: "Wir wollen und werden das Thema nicht unter den Teppich kehren."

Hier geht es zur Infostrecke: Olympia 2018 - wer zeigt was?

(sid)