Milliardenspiele in Pyeongchang 2018: Der olympische Gigantismus lebt

Der olympische Gigantismus lebt: Pyeongchangs Milliarden-Spiele

Auch Pyeongchang richtet Milliarden-Spiele aus. Für die Gastgeber der 23. Olympischen Winterspiele kamen die Sparvorschläge des IOC zu spät, es sollen aber bescheidenere Zeiten anbrechen.

Höher, schneller, teurer: Der olympische Gigantismus hat auch vor Pyeongchang nicht Halt gemacht. Wegen sündhaft teurer Bauprojekte haben sich die Gesamtkosten für die 23. Olympischen Winterspiele auf umgerechnet rund 8,3 Milliarden Euro addiert. Damit liegen die Südkoreaner zwar deutlich unter dem historischen Irrsinn-Etat von Sotschi 2014 mit 40,8 Milliarden Euro, doch ein warnendes Beispiel für die uferlose Kostendynamik der Olympischen Spiele ist Pyeongchang allemal.

Ursprünglich gelobte Pyeongchang - wie alle Olympia-Gastgeber - Sparsamkeit. Als die Südkoreaner im Juli 2011 in Durban/Südafrika im dritten Anlauf endlich den Zuschlag für die Winterspiele bekamen und dabei auch den deutschen Vertreter München ausstachen, wollte man vorbildlich wirtschaften. Rund fünf Milliarden Euro sollte der Gesamtetat betragen. Doch dank der üblichen Kostensteigerungen und einiger hochambitionierter Projekte zogen die Ausgaben für die nach Sapporo (1972) und Nagano (1998) dritten Olympischen Winterspiele in Asien deutlich an.

Mit Abstand größter Kostenfaktor war der Bau einer neuen Bahnstrecke für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Seoul und Pyeongchang. Rund 2,9 Milliarden Euro verschlang das Mega-Projekt. Der Zug bringt die Besucher aus aller Welt vom internationalen Flughafen Incheon im Westen der Hauptstadt Seoul in zwei Stunden zum Olympia-Gelände.

Ausreißer nach oben gab es auch beim sogenannten Olympia-Etat, der nur die direkten Kosten für die Spiele und nicht infrastrukturelle Maßnahmen erfasst. In Durban wurde das Budget noch mit 1,22 Millionen Euro angegeben. Doch die Übernahme der Kosten für die Medal-Plaza und das teure Internationale TV-Übertragungszentrum in den Etat sowie weitere Probleme bei der Vermarktung trieben den Kurs in die Höhe. Der aktuelle Etat liegt bei knapp 1,7 Milliarden Euro.

Thomas Bach geht von einem ausgeglichenen Budget aus

Dennoch zeigte man sich im IOC zuversichtlich. "Ich gehe davon aus, dass wir am Ende ein ausgeglichenes Budget haben", sagte IOC-Präsident Thomas Bach jüngst und lobte die Organisatoren. Die Lage sei nicht einfach gewesen, so der IOC-Chef. Die militärischen Provokationen Nordkoreas im vergangenen Jahr hätten negativ auf den Ticketverkauf durchgeschlagen.

Trotz der Zufriedenheit des IOC - zwischenzeitlich stand Pyeongchang wegen finanzieller Sorgen vor dem Aus. Im Dezember 2014, als Bach in Monaco auf der IOC-Session gerade sein Reformprogramm Agenda 2020 abnicken ließ, funkte Pyeongchang SOS. Die Provinzregierung von Gangwon sah sich nicht mehr in der Lage, die Hälfte der rund 62 Millionen Euro für den Bau eines temporären Olympiastadions für Eröffnungs- und Abschlussfeier beizusteuern.

"Wir haben damals mit dem Organisationskomitee gesprochen und angeboten, einige Sportstätten nicht zu bauen", erinnerte sich Bach jetzt. Seine neue Agenda erlaubte Gastgeberstädten, flexibler zu sein und auf Wettkampfstätten in anderen Ländern zurückzugreifen. So stand das Angebot im Raum, die Bob- und Rodelbahn im 900 km entfernten Nagano (Japan) zu nutzen.

Doch letztendlich fühlten sich die Südkoreaner an ihrer Ehre gepackt und lehnten eine Kooperation mit dem historischen Rivalen Japan ab. "Es wäre schwierig, solche Vorschläge jetzt noch auf unsere Pläne anzuwenden, da die Bauarbeiten für alle Sportstätten bereits begonnen haben", sagte der frühere OK-Chef Cho Yang-Ho damals und betonte ausdrücklich, dass alle olympischen Wettbewerbe in Südkorea stattfinden werden. Er sollte Recht behalten.

IOC stellt neues Sparprogramm vor

In Zukunft soll gleichwohl gespart werden. Das IOC hat ein neues Programm zur Reduzierung der Kosten für die Austragung von Olympischen Spielen veröffentlicht. Die Neuerungen basieren auf Reformen der Agenda 2020, die das IOC auf Initiative von IOC-Präsident Thomas Bach im Jahr 2014 umgesetzt hatte.

"Das sind die größten Einsparungen in der Geschichte der Olympischen Spiele", sagte Bach. Es handele sich um ein "grundlegendes Umdenken in der Organisation". Betroffen sei der gesamte Weg von der Kandidatur bis hin zum Vermächtnis der Spiele, meinte Bach und sprach von einer "neuen Norm".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Wettkampfstätten der Winterspiele 2018

(sid)