Eiskunstlauf in Sotschi: Kim "wie im Traum" - Weinzierl überrascht als Zehnte

Eiskunstlauf in Sotschi: Kim "wie im Traum" - Weinzierl überrascht als Zehnte

Ein Blumenmeer für Julia Lipnizkaja, aber die Führung für Kim Yuna: In der olympischen Eiskunstlauf-Entscheidung von Sotschi ist eine Vorentscheidung gefallen. Denn während die brillante Südkoreanerin (74,92 Punkte) ihrem zweiten Olympiasieg entgegenläuft, muss die Lokalmatadorin aus Russland mit 65,23 Zählern und Rang fünf sogar um eine Medaille bangen.

Gut positionierten sich im Kampf um Edelmetall Lipnizkajas Teamkollegin Adelina Sotnikowa (74,64) sowie Ex-Weltmeisterin Carolina Kostner aus Italien (74,12) auf den Plätzen zwei und drei. Überraschend wacker schlug sich die Mannheimerin Nathalie Weinzierl (57,63) als Zehnte. Das Kürfinale findet am Donnerstag (16 Uhr/Live-Ticker) statt.

Ein kapitaler Sturz beim dreifachen Flip riss die erst 15 Jahre alte Europameisterin aus allen Goldträumen. Schmallippig fuhr Lipnizkaja vom Eis und hatte kaum einen Blick für die durch die Halle segelnden zahlreichen Blumenbouquets. "Ich bin traurig, ich weiß nicht, was da passiert ist", sagte die Moskauerin.

Wegen einer langwierigen Fußverletzung spät in die Saison gestartet, schwebte Weltmeisterin Kim Yuna hingegen leicht wie eine Feder über das Eis und tupfte geradezu ihre Sprünge ins Programm hinein. Zahlreiche koreanische Fans verwandelten den Iceberg Skating Palace zumindest für drei Minuten in eine Heimspielarena für ihr Idol.

"Ich habe mich wie im Traum gefühlt. Beim Einlaufen war ich noch sehr nervös, aber ich habe keinen Druck verspürt", sagte die 23-Jährige, die noch nie ein internationales Championat ohne Medaille beendet hat.

Knapp zwei Wochen nach ihrem vorletzten Platz im Team-Wettbewerb war die 19-jährige Weinzierl nicht wiederzuerkennen. Direkt nach dem koreanischen Superstar präsentierte die Wirtschatsjura-Studentin ihre "Fever"-Kurzkür angriffslustig und meisterte alle Höchstschwierigkeiten. Der verdiente Lohn war die Saisonbestleistung von 57,63 Punkten.

"Mit meinem Trainer an der Bande ist es doch ein ganz anderes Gefühl", sagte die deutsche Meisterin. Ihr Coach Peter Szcypa hatte bei der olympischen Mannschaftsentscheidung wegen eines Schwächeanfalls, einhergehend mit einem Flugverbot, gefehlt.

Diesmal durfte sich der 65-Jährige vor Ort über eine gelungene Dreifach-Dreifach-Kombination sowie einen sauberen dreifachen Lutz seines Schützlings freuen. Weinzierl: "Jetzt kannte ich schon die Atmosphäre hier und wusste genau, was auf mich zukommt."

Mit einem Aufruf zur Gewaltlosigkeit und großem Entsetzen reagierte Natalja Popowa auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihrer ukrainischen Heimat. "Man möchte doch Frieden überall. Ich kann mich hier nur auf den Sport konzentrieren und hoffentlich die Menschen zu Hause damit dazu inspirieren, friedlich miteinander umzugehen", sagte die Landesmeisterin.

Die 20-Jährige, die überwiegend in Hackensack/New Jersey lebt und trainiert, kam im Kurzprogramm auf 47,42 Punkte. Mit diesem Resultat schied sie als 28. unter 30 Läuferinnen vorzeitig aus dem Wettbewerb aus.

(sid)
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