Kolumne: Olympischer Gedanke: Jetzt ist es Zeit, endlich wieder selbst etwas Sport zu treiben

Kolumne: Olympischer Gedanke : Jetzt ist es Zeit, endlich wieder selbst etwas Sport zu treiben

Olympische Spiele laden zum Nachmachen ein. Vielleicht sollten wir uns heute mal alle ganz langsam durch den Berufsverkehr bewegen und Bob "Deutschland 1" spielen.

Olympische Spiele, so ist ja der Gedanke der Herrn der Ringe, sollen zum Sporttreiben animieren. Das russische Fernsehen brachte deshalb immer wieder hübsche Filmchen, in denen sich Kinder gegenseitig auf Rollbrettern durch die Wohnung schoben und das Bobfahren imitierten, oder Erwachsene, die auf Bretter über Sandhänge rutschten und so taten, als führen sie mit dem Snowboard über kaukasische Hänge.

Nun, da die arbeitsreichen 17 olympischen Tage vorbei sind, ist es tatsächlich an der Zeit, dem eigenen Bewegungsdrang nachzugeben. Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich anfällig für den Aufforderungscharakter der Spiele. Als Kinder haben wir das olympische Eishockeyturnier immer zum Anlass genommen, uns aus ein paar Holzlatten Schläger zu bauen, die Rollschuhe aus dem Keller zu holen und bei eisigen Temperaturen stundenlang einem Tennisball nachzujagen. Größtes Problem: Zu dieser Jahreszeit lag in Zeiten, als der Winter noch ein Winter war, reichlich Split auf der Straße. Jeder Sturz hinterließ deutliche Spuren auf den empfindlichen Handinnenflächen. Aber zu einem richtigen Eishockeyspieler gehören ja auch ordentliche Blessuren. Übertragungen von Skisportveranstaltungen veranlassten manchen Kameraden dazu, den heimischen Hang mit Uraltmaterial ohne Rücksicht auf Leib und Leben in Angriff zu nehmen und den Franz Klammer zu geben.

Auch beliebt: Rodel-Mannschaftswettbewerbe, lange bevor sie Aufnahme ins olympische Programm gefunden haben. Man fuhr damals indes nicht nacheinander, so wie Felix Loch, Natalie Geisenberger und die Tobis heute, sondern alle nahmen die Strecke zusammen in Angriff. Mit den Füßen hakte man sich beim Hintermann in den Hörnern des Modells "Davos" ein. Erstaunlich war dabei, dass es nicht jeden Tag einen Knöchelbruch gab.

Auch im fortgeschrittenen Alter funktioniert der Aufforderungscharakter noch. Angefixt vom heiligen Wimbledonrasen kam bei mir der Gedanke auf, nach vielen Jahren mal wieder den Tennisschläger zu schwingen. Leider hat bislang nur der örtliche Sportartikelhändler davon profitiert. Ein malades Knie oder schlechtes Wetter verhinderten stets die anvisierten Trainingseinheiten. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.

Doch was machen wir jetzt mit der frischen russischen Inspiration? Vielleicht versuchen wir uns beim Skiurlaub im nächsten Urlaub mal daran, uns nach Kombinierer-Art gegenseitig über den Haufen zu fahren. Oder wir fahren heute im Berufsverkehr alle mal ganz langsam und imitieren die deutschen Bobfahrer. Großer Beifall wäre einem gewiss, wenn man sich den Schrubber schnappte und mit der Akribie eines kanadischen Curlers durch die Wohnung fegte.

(RP)
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