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Fast sicher: Verzicht auf deutsche Olympiabewerbung 2022

Fast sicher : Verzicht auf deutsche Olympiabewerbung 2022

Katarina Witt hat ihre Bereitschaft zur neuen Olympiakür zwar signalisiert, doch der deutsche Sport wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für 2022 nicht erneut um die Winterspiele bewerben, nachdem die hochkarätige Münchener Kandidatur für 2018 im Juli gescheitert ist. Dies ist die Situation vor der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Berlin. Dort wird es am Samstag wahrscheinlich endgültige Klarheit über den Verzicht auf die Bewerbung für 2022 geben.

Musste München für 2018 aus sportpolitischen Gründen dem zum dritten Mal angetretenen Pyeongchang/Südkorea den Vortritt lassen, so stehen mit Blick auf 2022 die Ampeln in erster Linie innenpolitisch auf Rot. Dem DOSB und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) würden 2013 bei Abgabeschluss der Bewerbung wegen eines Machtvakuums auf allen drei politischen Ebenen die entscheidenden Zusagen fehlen: München wählt einen neuen Oberbürgermeister, Bayern einen neuen Ministerpräsidenten und Deutschland den neuen Bundestag.

Darum können Bundespräsident Christian Wulff, der am Samstag eine Grundsatzrede zum Thema Sport und Gesellschaft hält, und der zur Förderung des Spitzensports sprechende Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich dem DOSB wohl nur ihre grundsätzliche Rückendeckung für künftige deutsche Olympiapläne geben. Beide hatten im Juli in Durban/Südafrika die gescheiterte deutsche Bewerbung für 2018 vor Ort unterstützt.

Deutsche Pläne für 2022 könnte 2013 zusätzlich ein altes, ungeschriebenes IOC-"Gesetz" stören. Falls Vize Thomas Bach im gleichen Jahr in Buenos Aires als Nachfolger von IOC-Präsident Jacques Rogge kandidieren würde und gewählt werden sollte, darf es nach Auffassung etlicher IOC-Mitglieder nicht zwei Jahre später erneut "ein deutsches Geschenk" geben, wenn es um die Vergabe der Winterspiele 2022 geht.

Wann auch immer Deutschland wieder antritt: München ist laut Thomas Bach als Bewerber für Winterspiele auf alle Fälle "gesetzt". Ob für 2026, das bleibt abzuwarten. Ob nach den Grundstücks-Querelen erneut mit Garmisch-Partenkirchen, darf bezweifelt werden. Berchtesgaden, beim Anlauf auf die Winterspiele 1992 kläglich gescheitert, könnte Münchens neuer alpiner Partner sein. Bach plädiert zuvor jedoch für ein Bürgerbegehren.

"Diesen Schatz dürfen wir nicht vergraben. Mit diesem Konzept müssen wir auch in Zukunft wuchern. Die Frage ist, wann", sagt Bach und bedauert, dass die frische Erinnerung an Münchens starke Bewerbung nicht gleich genutzt weden kann. Auch DOSB-Generalsekretär Michael Vesper meinte am Donnerstag in Berlin: "Wir müssen die positive Grundstimmung für die olympische Idee in der Bevölkerung aufgreifen. Es kommt aber darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Es ist eine Frage der internationalen Chance, eine Frage, ob es wie im Falle 2018 ähnliche Unterstützung für München gibt, und auch die Finanzierung muss geklärt werden."

Sommerspiele sind inzwischen Zukunftsmusik, auch wenn Thomas Bach nach Münchens Scheitern in Durban erklärt hatte, es sei zu prüfen, ob nicht diese bei einer nächsten Bewerbung im Vordergrund stehen sollten. Das Thema war dann sofort hochgekocht, als Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit 15 Tage vor Bewerbungsschluss für 2020 die Bereitschaft der deutschen Hauptstadt erklärt hatte. Doch nach heftiger Kritik Bachs für diesen "substanzlosen" Schnellschuss verpasste sich "Wowi" dann selbst einen Maulkorb zu diesem derzeit sportpolitisch toten Thema.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Olympia-Wahlen seit 2000 im Überblick

(sid)