Silvia Mittermüller: Olympia-Traum findet ein jähes Ende

Knieverletzung nach Windstoß: Mittermüllers Traum findet ein jähes Ende

Silvia Mittermüller, Deutschlands beste Freestyle-Snowboarderin, setzte ihr Leben aufs Spiel, um zu Olympia zu kommen. Nach einer Verletzung in der Windlotterie von Bokwang bleibt ihr Traum unerfüllt.

Immerhin, bei der Eröffnungsfeier konnte sie dabei sein, und wer die Bilder gesehen hat, die Silvia Mittermüller anschließend über die sozialen Netzwerke verbreitete, der sah, wie glücklich sie war, dass sie das letzte Puzzlestück ihres bewegten Lebens in den Händen hielt. Doch nur drei Tage später, am Montag, erwachte die 34 Jahre alte Snowboarderin jäh aus ihrem schönen Traum. Verweht vom gefährlichen Wind, der die Olympischen Spiele von Pyeongchang seit Tagen heimsucht, landete sie bei einem Sprung im Training so unglücklich, dass der Meniskus im Knie einriss.

Es sollte nicht sein. Am Sonntag bereits hatte Mittermüller sich krank ins Bett legen müssen, sie fieberte, aber aufgeben war erst mal keine Option. "Ich habe alles versucht, trotz der schwierigen Situation mit Krankheit und Wind. Ob es die richtige Entscheidung war? Ich weiß es nicht", ließ sie wissen.

Am Montagnachmittag postete Mittermüller Röntengenaufnahmen ihres Knies, darüber schrieb sie noch den unmissverständlichen Satz: "Das war's mit olympischem Snowboarden für mich." Der Start im Big Air kommende Woche: unmöglich. Falsche Entscheidung.

Allerdings bleibt auch fragwürdig, warum der Ski-Weltverband FIS am Montag zunächst das Training und anschließend die Entscheidung im Slopestyle durchdrücken wollte - den Riesenslalom der Frauen hatte er zuvor wegen Windes abgesagt. Die Norwegerin Silje Norendal, eine Medaillenkandidatin, war mit den Nerven völlig am Ende. "Ich wollte mich einfach da oben nur noch hinsetzen und weinen. Mein Körper hat zwei Stunden lang gezittert, weil ich Angst hatte zu fahren", sagte sie und ergänzte, sie habe "Angst" um ihr Leben gehabt. Selbst Olympiasiegerin Jamie Anderson (USA) räumte ein: "Die Bedingungen waren wirklich hart."

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Für Mittermüller persönlich endet ein Lebensabschnitt völlig anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Die Spiele, hat sie in den vergangenen eineinhalb Jahren stets betont, seien das "Puzzlestück, das mir noch fehlt". Und dieses Teil wollte sie so dringend in das vielfältige Bild ihres Lebens einpassen, als hinge ihr Leben davon ab. Tatsächlich hätte Mittermüller ihren Traum beinahe mit dem Leben bezahlt, nachdem sie am 23. September 2017 im neuseeländischen Cardrona beim Training in der Halfpipe auf den Kopf gefallen war.

Mittermüller war damals gut drei Minuten bewusstlos. Als sie erwachte, bekam sie einen epileptischen Anfall, der von den Ärzten nicht erkannt wurde. Auf eigene Faust verließ sie das Krankenhaus, trampte sechs Stunden durch die Nacht nach Cardrona zurück. Irrsinn. "Ich hätte dreimal verrecken können", sagt Mittermüller, die nach dem 30-stündigen Rückflug auch noch "zwei Maß auf dem Oktoberfest" trank - "danach ging's mir dann richtig scheiße." Ein Neurologe wies eine Hirnblutung nach. "Da habe ich mein Leben aufs Spiel gesetzt", sagt Mittermüller.

Und für was? "Ich bin nach Südkorea gekommen, um Olympia mit allen Sinnen aufzusaugen und alles zu geben", das habe sie "trotz der Herausfordernden und gefährlichen Bedingungen probiert und dafür bezahlt", sagte sie über ihren Unfall am Montag.

Ein Umstand, der auch Sportdirektor Stefan Knirsch missfiel. "Das war leider keine Werbung für unseren Sport", sagte er, und forderte zugleich: "Wir müssen gemeinsam mit der FIS nach Möglichkeiten suchen, unsere Athleten besser zu schützen, zum Beispiel mit Windmessungen oder Ampelanlagen am Start." Für Silvia Mittermüller und einige andere kommt das zu spät.

(sid)