Pyeongchang 2018: Klinik im Erzgebirge hofft auf den dritten Olympiasieger

Geburtstätte von Weißflog, Hannawald und Freitag: Klinik im Erzgebirge hofft auf ihren dritten Olympiasieger

Jens Weißflog? Olympiasieger. Sven Hannawald? Olympiasieger. Richard Freitag? Womöglich bald Olympiasieger. Doch die drei Skispringer haben nicht nur Gemeinsamkeiten auf der Schanze, sondern auch in der Wiege.

Wenn einem Talent wirklich in die Wiege gelegt werden kann, müssen sie davon im sächsischen Erlabrunn jede Menge zu verteilen haben. In einer kleinen Klinik im Erzgebirge sind nicht nur die Olympiasieger Jens Weißflog und Sven Hannawald geboren, sondern auch die deutsche Pyeongchang-Hoffnung Richard Freitag.

"Wir sind stolz auf diese Entwicklung. Dass aus unseren Babys erfolgreiche Sportler werden, macht uns eine große Freude", sagt Constanze Fisch, Geschäftsführerin der Klinik Erlabrunn. Wenn der Sachse Freitag in Südkorea um Gold springt, wird auch in dem Krankenhaus gebannt mitgefiebert: "Im Bereitschaftsdienstzimmer wird da auch geschaut, wenn nicht gerade eine Mutti entbindet", sagt Fisch.

Etwa 400 Mütter entbinden jährlich in der Klinik - und alle 15 Jahre scheint dann auch ein großer Skisprung-Champion dabei zu sein. "Es ist eine schöne Geschichte", sagt auch Freitag. Der 26-Jährige wird häufig auf das Thema angesprochen. Er reagiert mal genervt, mal locker und teilweise auch sehr spontan. "Wenn wir nicht ganz so weit auseinander wären, würde ich sagen, es war eine gute Hebamme", sagte der aktuell beste deutsche Skispringer über den Zusammenhang zwischen ihm und dem 17 Jahre älteren Hannawald.

Tatsächlich gehen die Hebammen in ihrer Freizeit auch gemeinsam auf die Skipiste, das Thema Wintersport ist auch bei der Arbeit ein großes. "Wir sind sehr sportbegeistert und freuen uns auch, wenn es im Winter schneit", sagt Hebamme Kathrin Rothe. Bei Sportlern, die in der Klinik geboren sind, wird "nochmal besonders genau hingeschaut", fügt Rothe an. Offiziell wird mit den Slogans "Goldenes Krankenhaus" oder "Kreißsaal der Champions" nicht geworben, verschweigen wollen es die stolzen Erlabrunner aber auch nicht.

Freitags Eltern arbeiten in der Klinik

Gerade zu den Freitags pflegt die Klinik eine extrem enge Verbindung. Die Eltern des Skispringers arbeiteten beide dort, Vater Holger als Orthopäde, Mutter Diana lange Jahre als Krankenschwester. "Da haben sich sehr persönliche Beziehungen und auch Freundschaften ergeben. Auch bei den Hebammen sind einige dabei, die das nicht nur mit Interesse, sondern auch mit Liebe verfolgen", sagt Geschäftsführerin Fisch.

Nach dem Gesetz der Serie müsste nach Weißflog (1984 und 1994)
und Hannawald (2002) nun auch Freitag Olympiasieger werden. Seine Chancen in Pyeongchang stehen gut, der Sachse springt bisher die beste Saison seiner Karriere. "Jetzt wäre mal wieder jemand dran, wenn man die Folge so betrachtet", sagt Fisch. Eine besondere Feier haben sie in der Klinik für den Fall einer Goldmedaille nicht vorbereitet. "Das machen wir spontan", sagt die Geschäftsführerin. Auch der Kombinierer Björn Kircheisen, der zum fünften Mal bei Olympia antritt, ist in der Klinik geboren.

"Unser Anteil ist daran sehr klein, trotzdem sind wir sehr stolz", sagt Hebamme Rothe. Ist denn nach Weißflog (Jahrgang 1964), Hannawald (1974) und Freitag (1991) schon der nächste Champion in Sicht, der in Erlabrunn, einem Ortsteil von Breitenbrunn, geboren wurde? Tatsächlich. Auch Selina, die kleine Schwester von Richard Freitag, erblickte dort 2001 das Licht der Welt. Erst am Wochenende belegte sie bei der Junioren-Team-WM der Skisprung-Frauen mit dem DSV-Team Rang vier. Schon in Peking könnte sie dafür sorgen, dass auch 2022 wieder Hebammen im Dienstzimmer mitfiebern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Richard Freitag

(dpa)