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Peking 2022: Deutsches Eishockey-Team mit Klatsche zum Olympia-Auftakt gegen Kanada, Sorge um Nowak

1:5 gegen Kanada : DEB-Team kassiert Klatsche zum Olympia-Auftakt – Sorgen um Nowak

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft war zum Auftakt des olympischen Turniers in Peking chancenlos gegen Kanada. Noch ist aber alles drin. Sorgen bereitet der Gesundheitszustand des DEG-Profi Marco Nowak.

Mit ernüchterten Mienen gingen Deutschlands so hoffnungsvoll nach Peking gekommene Eishockey-Männer nach der Auftaktpleite gegen Kanada vom Eis. Die Auswahl von Bundestrainer Toni Söderholm war am Donnerstag beim bitteren 1:5 (0:3, 1:1, 0:1) gegen den stärker als erwarteten Rekord-Olympiasieger noch weit von der erhofften Medaillenform entfernt. Lediglich Tobias Rieder (31. Minute) von den Växjo Lakers aus Schweden war für den viel zu harmlosen und sichtlich geschockten Olympia-Zweiten von 2018 erfolgreich, obwohl Kanada all seine NHL-Stars fehlten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes bereits Führungsspieler Marco Nowak nach einem harten, aber nicht geahndeten Check gegen den Kopf und im Prinzip schon das Auftaktspiel verloren. „Es ist natürlich schwierig, wenn man schnell drei Tore kriegt“, sagte Rieder im ZDF und bemängelte einen zu hektischen Auftritt mit zu vielen Fehlern. „Nicht der Start, den wir uns erhofft hatten. Wir haben heute wirklich nicht unser bestes Spiel gespielt, aber es ist ein langes Turnier“, fasste Kapitän Moritz Müller den Auftakt zusammen. „Wir sind eiskalt erwischt worden. Kanada war einfach gedankenschneller.“

Gegen die hoch motivierten und hart spielenden Kanadier gab es ein schlimmes erstes Drittel mit drei Gegentoren. Alex Grant von Jokerit Helsinki (5.), Ben Street (10.) vom EHC Red Bull München, Daniel Winnik (11.) von Servette Genf, Naxim Noreau (33.) von den ZSC Lions aus Zürich und Jordan Weal (52.) von Bars Kasan in Russland trafen für die Kanadier, die erfolgreich Revanche nahmen für das 3:4 im Olympia-Halbfinale vor vier Jahren in Pyeongchang. Auf der kleinen an nordamerikanische Standards angepassten Olympia-Eisfläche erlebte Deutschland wie schon 2018 einen bitteren Turnierstart.

Vor vier Jahren hatte das deutsche Team gar zwei Niederlagen zum Olympia-Start kassiert. Das sollte nun indes nicht passieren. Am Samstag (9.40 Uhr/ZDF und Eurosport) gegen China ist ein Sieg Pflicht. Der Gastgeber ist trotz 16 eingebürgerter Nordamerikaner großer Außenseiter im Turnier. Gegen die USA hieß es zum Auftakt 0:8.

1448 Tage nach dem „Jahrhundertspiel“ im Halbfinale von Pyeongchang, als Deutschland das Eishockey-Mutterland beim 4:3 lange Zeit vorgeführt hatte, lief es diesmal genau anders herum. Schon nach fünf Minuten nahm Eric O'Dell den Düsseldorfer Verteidiger Nowak mit einem harten Check gegen den Kopf aus dem Spiel. Der 31-Jährige lag noch benommen auf dem Eis, als Torhüter Mathias Niederberger kurz darauf das erste Mal geschlagen war. Zu allem Überfluss hatte der Meisterkeeper der Eisbären Berlin zuvor seinen Schläger verloren.

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Erneut fünf Minuten später schlug Streets Direktabnahme im Netz ein. Nur 32 Sekunden später kassierte Niederberger in seinem ersten Olympia-Spiel überhaupt einen ganz bitteren Gegentreffer, den er sich selbst ins Tor lenkte. Der eigentlich stärkste deutsche Keeper hatte den Vorzug vor Mannheims Felix Brückmann und dem Münchner Danny aus den Birken erhalten.

Nach der ersten Drittelpause hielt Deutschland zumindest besser dagegen, war aber bei vielen Überzahlmomenten viel zu uneffektiv. Besser machten es die Nordamerikaner, die kurz nach dem Anschlusstreffer des früheren NHL-Profis Rieder im Powerplay wieder für klare Verhältnisse sorgten. Auch bei diesem Tor sah Niederberger, der freie Sicht hatte, nicht gut aus. Der fünfte Gegentreffer im Schlussdrittel fiel schon nicht mehr ins Gewicht.

Damit wurden einige Experten, die Deutschland angesichts des Fehlens der NHL-Spieler als Gruppenfavorit angesehen hatten, eines Besseren belehrt. Das Ziel nach Olympia-Silber vor vier Jahren und dem WM-Halbfinale 2021 ist eigentlich wieder eine Medaille. Weil wie 2018 die NHL erneut keine Olympia-Pause eingelegt hat und den Top-Nationen dadurch wesentlich mehr ihrer besten Profis fehlen, war das Selbstbewusstsein im deutschen Team extrem groß gewesen.

(dör/dpa/SID)