Olympische Winterspiele: Viktoria Rebensburg hadert mit Platz vier

Olympische Winterspiele: "Platz vier ist immer bitter, dafür kriegt man nix"

Blech statt Gold: Topfavoritin Viktoria Rebensburg geht als Vierte erstmals in einem Olympia-Riesenslalom leer aus. "Wunderkind" Mikaela Shiffrin leistet Unglaubliches.

Viktoria Rebensburg war auf dem Weg zu ihren Eltern, Mama Dagmar und Papa Wolfgang sollten sie über den geplatzten Traum von einer dritten Olympiamedaille hinwegtrösten, da blickte sie noch einmal hinauf zu dieser vermaledeiten Welle am Drachenberg. "Ja", sagte die Riesenslalom-Vierte, sie könne jetzt da hochsteigen und probieren, diese Schneekuppe wegzufräsen, aber "nein, es ist so, wie es ist".

Und es war "bitter", wie Rebensburg bekannte, obwohl sie lachte, als sie über die Welle auf der sonnigen "Regenbogen"-Piste in Yongpyong sprach. "Zu gerade" war sie die Schlüsselstelle kurz vor dem Ziel im ersten Lauf angefahren, und das habe sie eine halbe Sekunde gekostet, sagte sie. Dass Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin (USA) nach Rebensburgs starker Aufholjagd im Finale von Platz acht fast genau diese halbe Sekunde (0,58) vor ihr lag, machte es umso bitterer.

Silber und Bronze waren nicht weit weg

Die Silbermedaille von Ragnhild Mowinckel aus Norwegen war 0,19, Bronze von Federica Brignone (Italien) nur 0,12 Sekunden weg. "Das tut weh", gab Rebensburg nach den vielleicht schwersten Momenten ihrer erfolgreichen Laufbahn zu, "Platz vier ist immer bitter, dafür kriegt man nix." Aber, fügte sie an, "da braucht man nicht mehr rumzurechnen". Vorbei - sie wollte vergessen.

Kein Wunder, Rebensburg war die Topfavoritin auf die Goldmedaille nach drei Saisonsiegen in ihrer Paradedisziplin. "Ich bin nicht besonders happy", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier dem SID, durch Rebensburg im "Riesen" habe der DSV "die realistischste Medaillenchance" gesehen.

Die Olympia-Siegerin von 2010 und -Dritte von 2014 hatte alles auf diesen Tag ausgerichtet, sie vernachlässigte sogar das Training in den Speed-Disziplinen, wo sie zur erweiterten Weltspitze zählt. Doch dieser eine Fehler war eben "echt blöd", gestand sie.

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Und jetzt? "Das ist das Leben, und meines wird trotzdem weitergehen", sagte die 28-Jährige - und zwar mit dem Super-G am Samstag (11 Uhr OZ/3 MEZ). 2017, bei der WM in St. Moritz, war Rebensburg in dieser Disziplin ebenfalls Vierte, aber zuletzt sei sie eben nicht oft auf den langen Brettern gestanden, meinte sie: "Das wird so ein bisschen eine Wundertüte."

Ein Wunderkind, das ist Shiffrin, die mit immer noch erst 22 Jahren zum zweiten Mal Olympia-Gold gewann. "Sie ist stark gefahren", sagte Rebensburg, die Shiffrin in der Interviewzone fair gratulierte, "aber ich glaube, dass ich ganz gut hätte Paroli bieten können." Die Welle...

Rebensburg hadert - Shiffrin feiert

Während Rebensburg haderte, sank Shiffrin auf Knien in den Schnee, als ihr zweiter Olympiasieg nach dem im Slalom 2014 feststand. "Es war eine Erleichterung, ich war froh, dass es vorbei war", sagte sie. Oben, beim Start, habe sie sich noch gefragt: "Bin ich gut genug?" Ein typischer Gedanke für Shiffrin, die trotz ihres Talents, trotz all der Siege und Titel nie aufhört, sich zu hinterfragen. Doch die Zweifel waren schnell verflogen, "ich dachte: versuch's einfach!"

Dann, auf der Piste, habe sie "den Berg unter mir gespürt. Meine Mentalität war wirklich gut." Diese Mentalität, fügte sie nach einem kurzen, emotionalen Plausch im Zielraum mit Mama Eileen an, werde sie auch in den Slalom am Freitag (10/13.15 Uhr OZ, 2/5.15 Uhr MEZ) einbringen. "Ich weiß, was ich zu tun habe."

Dreimal Alpin-Gold, das hat bei Olympia übrigens noch kein Mensch aus den USA geschafft.

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(sid)