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Olympiatagebuch Christian Menningen: Kein Jubel bei den Toren – das ist schon komisch

Olympiatagebuch : „Kein Jubel bei den Toren – das ist schon komisch“

Christian Menningen nimmt als Betreuer der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Peking teil. Unsere Redaktion sprach mit ihm einen Tag nach der bitteren 1:5-Niederlage gegen Kanada. Sein Tagebuch.

„Am Freitag stand eine kurze Trainingseinheit und aktive Erholung auf dem Programm, denn am Samstag geht es ja um 16.40 Uhr Ortszeit gegen China. Dann soll natürlich der erste Sieg beim Olympischen Eishockeyturnier für die Auswahl von Bundestrainer Toni Söderholm her. Um die Ausrüstung der Kufen -Cracks kümmere ich mich mit meinem Kollegen Marco Nachrichter aus Augsburg.

Am Mittwoch haben wir alles, was für das Spiel gegen Kanada benötigt wurde, verpackt, denn wir mussten  umziehen, weil das Spiel in einem Stadion etwa 30 Minuten vom Olympiazentrum entfernt stattfand. Die Ausrüstungsgegenstände wurden dann von örtlichen Helfern in einen LKW verladen und zum Stadion gebracht. Wir sind mit einem Shuttle-Bus gefahren worden. Es ging über eine Autobahn, vorbei an vielen Geschäften und Hochhäusern. Gleich nach dem Spiel hieß es dann wieder alles einpacken und zurück zum Olympia-Zentrum, wo wir wegen des späten Spielbeginns gegen Kanada erst nach Mitternacht eintrafen.

Die Kabinen entsprechen dem üblichen Standard. Ich habe aber den Eindruck, dass alles nur für Olympia aufgebaut wurde. Für Getränke war ausreichend gesorgt. Im Stadion waren neben einigen Athleten aus anderen Sportarten etwa 500 Zuschauer. Ich glaube, das waren alles ausgesuchte Leute. Wenn ein Tor gefallen ist, haben sie nicht gejubelt oder geklatscht. Das war eine komische Atmosphäre. Sie haben ab und zu ihre Fähnchen geschwenkt. Es war alles etwas unwirklich. Es ist wie bei Big Brother is watching you.

Das Geschehen auf dem Eis gefiel mir schon besser. Weil auf der kleinen Eisfläche gespielt wird, sind wir als Betreuer noch näher dran. Die Kanadier – das war schon ein anderes Kaliber. Eric Staal hat mir besonders gut gefallen. Es geht auch alles viel schneller und es wird auch anders gepfiffen, wenn ich zum Beispiel an den harten Check eines Kanadiers gegen Verteidiger Marco Nowak kurz vor dem ersten Gegentreffer denke. Das hat mich etwas überrascht, weil einer der Schiedsrichter Andrew Bruggemann aus den USA war, der  auch bei uns in der Liga pfeift.

Kontakt zu den Betreuer-Kollegen aus den anderen Mannschaft habe ich reichlich. Man kennt sich ja von den Weltmeisterschaften. Wir tauschen uns untereinander aus. Wenn etwas fehlt, hilft man sich gegenseitig.  Die Kanadier, Finnen und Tschechen haben ihre Kabinen gleich bei uns nebenan.

Ein Wiedersehen gab es am Freitag mit Philipp Bruggisser. Der Verteidiger mit dem harten Schlagschuss, der von 2018 bis 2020 bei den Pinguinen spielte, stieß als Nachrücker zum dänischen Team. Eingetroffen ist inzwischen auch Pinguine-Verteidiger Arturs Kuldas. Der Abwehrspieler, der für Lettland spielt, war vor dem Abflug der Mannschaft nach China in Riga positiv auf Corona getestet worden und konnte deshalb erst am Mittwoch nach Peking kommen. Auch Martin Karsums habe ich getroffen. Ob sich der Lette, der in der Saison 2020/21 für die Pinguine gespielt hat und häufig etwas behäbig daher kam, bereits in der Mall bei Pizza Hut mit einem Combo-Menü zu 13 Euro bestehend aus einem Burger mit Salat und einer Cola gestärkt hatte, weiß ich allerdings nicht.“