Olympia 2018: Erfinder von Kurve neun litt vor dem Fernseher mit Felix Loch

Fehler kostete Rodler das Gold: Erfinder von Kurve neun litt vor dem Fernseher mit Loch

Der Erfinder der berüchtigten Kurve neun in Pyeongchang ist ein Schwabe. Bahn-Architekt Uwe Deyle hat Felix Lochs Goldmedaille auf dem Gewissen - den deutschen Bobs wünscht er in dieser Woche mehr Erfolg.

Der Mann, der Felix Lochs Goldmedaille auf dem Gewissen hat, hebt entschuldigend die Hände. "Das ging mir sehr zu Herzen, es tat mir in der Seele weh", sagt Uwe Deyle und fährt mit einem verschmitzten Lächeln fort: "Aber für den Sport war es eigentlich gut. Wir wollen die Athleten doch auch fordern."

Wenn im olympischen Eiskanal von Pyeongchang etwas schief geht, dann kennt der 57-Jährige den Grund stets ziemlich genau. Uwe Deyle ist Architekt, Streckenarchitekt - das Alpensia Sliding Centre entstammt seiner Feder. Und auch die Kurve neun, diesen verflixten Knick im unteren Bereich, hat Deyle sich ausgedacht.

Als Rodler Felix Loch hier zu Beginn der Spiele die fast sichere Goldmedaille vergab, saß Deyle vor dem Fernseher und fühlte mit dem gefallenen Olympiasieger. "Aber es war auch eine Bestätigung, dass diese Aufgabe tatsächlich knifflig ist", sagt er im Gespräch mit dem SID.

Für den Start der Bob-Wettbewerbe ist Deyle nun für einige Tage aus der schwäbischen Heimat nach Pyeongchang gereist, und er kann leider auch Francesco Friedrich und Co. nur ein wenig Hoffnung machen. "Der Bob hat natürlich viel mehr Masse, der bügelt das ein bisschen besser aus als ein Rodelschlitten, es geht weniger Geschwindigkeit verloren", sagt Deyle.

Aber insgesamt seien die Kurve neun und die folgenden Meter eben "eine bewusste Schwierigkeit, die an der Grenze dessen ist, was man bringen darf." Und mit der haben alle Schlitten Probleme, große wie kleine. Bob-Bundestrainer Rene Spies nennt die Kurve neun ehrfürchtig den "Scharfrichter" der Bahn.

Und wie erklärt der Architekt sein gemeines Meisterwerk, das für den Laien so unscheinbar aussieht? Die Schwierigkeit liege darin, "dass die Kurve einen geringen Radius hat, dadurch bekommt der Sportler wenig Druck auf die Kufen", und genau diesen brauche er, um zu lenken: "Und der eigentliche Druckpunkt ist dann nur 90 Zentimeter lang. Bei 36 Metern in der Sekunde können Sie sich ausrechnen, wie viel Zeit die Schlittenfahrer für ihre Lenkbewegung haben."

Eine ganz kleine Muskelbewegung "im falschen Augenblick kann da ganz viel an Hoffnung zerstören", sagt Deyle mit echtem Bedauern in der Stimme. Felix Loch ist der Beweis. Den deutschen Bobs wünsche er nun jedenfalls "super Läufe", sagt der Architekt: "Sie müssen es viermal treffen, aber wer dann am Ende die Medaille hat, der hat sie sich auch verdient."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vater Norbert tröstet Felix Loch

(sid)
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