Olympia 2018: Das macht Team Deutschland beruflich

Nicht alle sind Sportsoldaten: Das macht Team Deutschland beruflich

Die meisten Athleten sind als Soldaten oder Polizisten beim Staat angestellt. Profis sind fast nur die Eishockey-Spieler. Es gibt auch ungewöhnliche Ausnahmen. So wie Freestylerin Katharina Förster.

Dabei sein ist nicht nur alles, sondern auch teuer. Das hat die deutsche Freestyle-Skifahrerin Katharina Förster auf dem Weg zu den Winterspielen erleben müssen. Ihre Sportart wird seit Sotschi 2014 nicht mehr vom Deutschen Skiverband gefördert. Trotzdem hat sie sich auf eigene Faust zu Olympia durgeschlagen. Die Reisekosten nach Südkorea musste sie zwar nicht selbst tragen, der Preis für den Weg bis zur Qualifikation war aber hoch. In den vergangenen vier Jahren gab die gelernte Kinderpflegerin 100.000 Euro aus, um im Weltcup auf der Buckelpiste dabei zu sein. Bei Förster ging das Gehalt von der Bundeswehr drauf, auch "die Bank", sagt sie lachend, "hat den einen oder anderen Kreditantrag bekommen."

Foto: Martin Ferl

Die laufende Wintersaison war besonders hart für die 29-Jährige. Denn im August 2017 lief ihr Vertrag als Sportsoldatin bei der Bundeswehr aus. "Ohne Job kann ich den Sport nicht weitermachen", sagt sie. Nach Olympia will sie sich zur Industriekauffrau umschulen lassen. Ihre Sportler-Karriere wird sie "zu 80 Prozent" trotzdem aufgeben müssen. Denn die zeitliche und finanzielle Belastung wird bei einem neuen Arbeitgeber wohl nicht zu stemmen sein.

Andere im Team Deutschland haben es da leichter. Über 70 Prozent der 154 deutschen Olympia-Athleten sind im Staatsdienst angestellt. Der größte Arbeitgeber ist die Bundeswehr, die alleine 58 der Athleten in Pyeongchang stellt. Der Erfolg hat für die in sogenannte "Sportfördergruppen" eingeteilten Athleten oberste Priorität. Sie verrichten keinen vergleichbaren Dienst wie normale Soldaten. Zu den prominenten Sportsoldaten gehören Skispringer Richard Freitag und Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Aljona Savchenko.

"Zoll Ski Team" sammelt Medaillen

Foto: Martin Ferl

Ebenfalls beliebte Arbeitgeber bei den Spitzensportlern sind Polizei und Zoll. Im sogenannten "Zoll Ski Team" sind vor allem Biathleten, Langläufer, Kombinierer und Alpine zu finden. Dazu gehören auch Zollwachtmeister und Goldmedaillen-Gewinner Andreas Wellinger sowie Doppel-Olympiasiegerin und Zollwachtmeisterin Laura Dahlmeier. Bei der Bundespolizei ist sportliche Prominenz unter anderem in Natalie Geisenberger, der vierfachen Olympionikin, zu finden. 2006 begann sie ihre Ausbildung zur Polizeimeisterin, 2014 wurde sie zur Polizeiobermeisterin ernannt. In vielen Fällen bleiben die Sportler auch nach ihrer aktiven Karriere bei Bundeswehr, Polizei und Zoll.

Berufe, die aus diesem Raster fallen, sind die Ausnahme. Es gibt einige, die ihren Sport in Vollzeit als Profi ausüben. Die kommen allerdings fast ausschließlich aus dem Eishockey. Dazu zählt der Düsseldorfer Goalie Danny aus den Birken. Er steht beim EHC Red Bull München unter Vertrag. Im Bob-Team gibt es drei Anschieber, die ihr Geld auf für Olympia-Sportler eher ungewöhnliche Art und Weise verdienen. Christian Poser ist Brandmeisteranwärter bei der Feuerwehr, Martin Grothkopp arbeitet als Diplom-Ingenieur und der Dortmunder Christopher Weber als Automobilkaufmann. Sie sind bei der Finanzierung ihrer sportlichen Laufbahn auf Sponsoren, die Sporthilfe und andere Stiftungen angewiesen.

Einige im deutschen Team haben noch gar keinen Beruf - 15 Schüler und Studenten sind mit in Südkorea. Dazu gehört die 21-jährige Lea Bouard, die wie Förster im Ski-Freestyle unterwegs ist. Um die Ausgaben zu minimieren, teilen sich die beiden seit drei Jahren einen Trainer. Im Gegensatz zu Förster will Bouard weitermachen. Zumindest so lange, wie sie es sich leisten kann.

(RP)