Olympia 2018: Aljona Savchenko – Patzer von Bruno Massot könnte Traum zerstören

Gold für Paarläufer weit weg: Aljona Savchenko – und ewig patzt der Mann

Die deutsche Eiskunstläuferin Aljona Savchenko wollte mit ihrem neuen Partner Bruno Massot bei Olympia um Gold kämpfen. Doch nach dem Kurzprogrammm ist der Olympiasieg in weite Ferne gerückt. Bleibt Savchenkos großer Traum erneut unerfüllt?

Aljona Savchenko und Bruno Massot hatten so eben die Schluss-Pose ihres olympischen Kurzprogramms eingenommen und das einstudierte Lächeln aufgelöst, als Savchenko ihrem Partner ein einziges Wort als Frage gequält entgegenhauchte. "Double?" Nur doppelt? Gemeint war der Salchow-Sprung, der doch eigentlich dreifach eingeplant war. Massot musste mit geknickter Miene eingestehen, dass er ihn tatsächlich nur zweifach hinbekommen hatte. Savchenko fragte noch mal nach. Wirklich? Nur doppelt? Aber Massots Körpersprache zerstörte jede Resthoffnung. Bei der 34-Jährigen schien in diesem Moment eine bittere Vorahnung zu erwachsen: Sollte wieder der Mann olympisches Gold verpatzt haben?

"Es war ein Fehler, da kann man nix machen", sagte Savchenko. "Klar ist die Enttäuschung da. Aber wir versuchen in der Kür das Beste, vielleicht schreiben wir Geschichte." Ihr fünf Jahre jüngerer Partner war derweil untröstlich: "Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, physisch habe ich mich gut gefühlt und mein Rücken war auch okay", sagte Massot nach der schmissigen Darbietung zum Lindy Hop "That Man", die die Deutschen vor der Kür (Nacht zu Donnerstag, 2 Uhr) auf Rang vier einsortierte.

"Ich will nicht, dass Aljona wieder mit Bronze nach Hause fährt"

Massots Patzer war einer, der mindestens vier Zähler kostete. "Es ist lächerlich, ich habe vier Jahre trainiert und mache so eine Dummheit", sagte Massot, dem beim dreifach geplanten Salchow eine Umdrehung fehlte. "Wir sind hier für Gold und nichts anderes. Ich will nicht, dass Aljona wieder mit Bronze nach Hause fährt." Ob sie ihn nun aufbauen werde, wurde Savchenko gefragt. "Das muss er selbst machen", lautete die knappe Antwort.

"Es ist so ärgerlich, ich bin ein bisschen sauer. Es ist schade, schade, schade", sagte Katarina Witt. "Aber jetzt haben sie erst recht nichts mehr zu verlieren. Ihre Kür ist ein Meisterstück, sie müssen sich jetzt ganz darauf einlassen und alles drumherum vergessen", lautete der Tipp der zweimaligen Olympiasiegerin. Sechs Punkte aufzuholen, ist für die WM-Zweiten nicht unmöglich. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass alle Paare vor ihnen in der Kür schwächeln, ist gering.

"Jetzt heißt das Stichwort Attacke, was willst du noch rumlabern?", meinte Coach Alexander König. "Wenn ich mir die Serie von Bruno angucke, steht es glaube ich 50:1 für einen gelungenen Salchow. Aus einem dreifachen den zweifachen zu machen, ist die Höchststrafe".

Zwischen Savchenko und Szolkowy kriselte es menschlich

Es ist vor allem auch in Savchenkos Wahrnehmung eine Höchststrafe. Die nächste. Sie, die gemeinhin seit Jahren als beste Paarläuferin der Welt gilt, scheitert, so hat es den Eindruck, bei Olympia immer an Fehlern des Mannes. Zwei ernsthafte Anläufe auf olympisches Gold hatte die gebürtige Ukrainerin schon unternommen - beide endeten im Desaster. Nicht zuvorderst sportlich, sondern menschlich.

2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi gab es mit ihrem langjährigen Robin Szolkowy Bronze - nur Bronze. Danach ging jedes Mal der Streit los. Szolkowy bekam stets die Schelte für Fehler, ihr damaliger Trainer Ingo Steuer ließ kaum ein gutes Haar an ihm, Savchenko widersprach nicht. So perfekt die fünfmaligen Weltmeister auf dem Eis harmonierten, so schwierig war die Beziehung der Drei abseits der Trainingshalle in Chemnitz.

2006 in Turin hatten Savchenko/Szolkowy ihr Olympia-Debüt gefeiert. Die Teilnahme wurde jedoch von den Stasi-Vorwürfen gegen Steuer überschattet. Der war aus dem Olympia-Team ausgeschlossen worden, klagte die Teilnahme schließlich noch ein. Savchenko und Szolkowy wurden in Turin trotz aller Querelen Sechste.

2010 starteten Savchenko und Szolkowy in Vancouver mit persönlicher Bestleistung von 75,96 Punkten im Kurzprogramm. Das bedeutete zur Halbzeit Rang zwei. Vor allem wegen eines verpatzten Doppelaxels von Szolkowy, aber auch wegen eines nur zweifach gesprungenen Toeloops von Savchenko in der Kür fielen sie am Ende aber noch auf den Bronzerang zurück. Steuer maulte damals: "Das Gold ist weg, alles andere ist egal. Ich bin sauer. Das ist so traurig, dass man das, was auf dem Tablett liegt, nicht genommen hat. Wir hätten es einfach machen müssen."

2014 in Sotschi stürzte Szolkowy früh in der Kür beim dreifachen Toeloop und machte erneut alle Chancen auf Gold zunichte. Savchenko war todtraurig. Sie brauchte lange, um Szolkowy nach der Kür die Hand zu reichen und war anschließend wortlos und in Tränen aufgelöst. Steuer hatte Verständnis: "Sie ist fertig." Indes: Auch Savchenko war beim dreifachen Wurfaxel gestürzt.

Massot seit 2014 der neue Partner

Nach Sotschi trennte sich Savchenko von Szolkowy und präsentierte den Franzosen Massot als neuen Partner. Beide trainierten fortan unter König in Oberstdorf. Rechtzeitig zu Pyeongchang erhielt Massot die deutsche Staatsbürgerschaft. Vor dieser Saison hatte Savchenko, die in diesem Duo der klare Chef ist und sich mit 34 auf dem Gipfel ihrer Leistungsfähigkeit fühlt, die Idee, bei Christopher Dean wegen der Choreographie der Olympia-Kür anzufragen. In einer intensiven Woche in Florida beim legendären Bolero-Olympiasieger von 1984 mit Jayne Torvill saugte Savchenko Deans Kreativität und Elemente des Eistanzes förmlich auf. "Ich habe selten eine Frau getroffen, die so viel Feuer und Willen hat", beschrieb Dean die zierliche Ausnahme-Läuferin.

Nun scheint der große Traum von Olympiagold einmal mehr ausgeträumt. Zum dritten Mal in Folge. Vielleicht wird sich Savchenko irgendwann mal rückblickend fragen, warum sie ihre Karriere damals nicht im Einzel begonnen hat. Immerhin hat sie abseits des Eises aktuell wenig zu meckern, was die Männer angeht: Im beschaulichen Allgäu lernte sie ihren britischen Ehemann Liam Cross kennen. Patzer von ihm? Keine bekannt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Savchenko/Massot im Kurzprogramm nur Vierte

(klü)
Mehr von RP ONLINE