Olympia 2014: Felix Neureuther lässt seine Zukunft offen

Nach schwachem Olympia-Abschneiden : Felix Neureuther lässt seine Zukunft offen

Nach dem zweiten Slalom-Drama bei Olympia binnen 24 Stunden lag die deutsche Mannschaft am Boden. Der "blecherne" Abschluss dürfte noch länger nachwirken.

Felix Neureuther stand nach dem Slalom-Drama am "Rosa Peak" verloren im Schnee, umringt von mehreren Tausend Menschen - und doch einsam wie ein Schiffbrüchiger auf hoher See. "Ich muss mir Gedanken machen wie es weitergeht, und auch, und auch, ja...", sagte er, um Worte ringend. "Und auch, keine Ahnung. Ich brauche sicher Abstand, und ich brauche Zeit", fuhr er fort. Sein Blick glitt ins Nichts - ein Mann als Sinnbild für das ganze am Boden liegende deutsche Ski-Team.

Neureuther, der deutsche Slalom-Held - eingfädelt, gefallen. Sein Kollege Fritz Dopfer, der Mann im Schatten des Stars - als Vierter um die Winzigkeit von fünf Hundertstelsekunden an Bronze vorbeigeschrammt. Wolfgang Maier, der oft so kontrollierte Alpindirektor - den Tränen nahe. Als "extrem bitter" empfanden sie alle dieses letzte olympische Rennen, das wie tags zuvor beim Frauen-Slalom durch Maria Höfl-Riesch wieder nur "Blech" gebracht hatte.

Bricht jetzt alles zusammen? Dass Höfl-Riesch spätestens 2015 aufhören wird, war schon vor den Spielen klar. Aber tritt jetzt auch noch Neureuther ab? Wer den 29-Jährigen in Rosa Chutor reden hörte, musste annehmen, dass er seine Skier noch in derselben Nacht für immer in den Keller stellt.

"Nein, es war nie ein Thema, dass er aufhört", sagte Maier nach einem Gespräch mit Neureuther in der Nacht auf Sonntag, "das wäre auch totaler Blödsinn." Neureuther selbst kündigte via Facebook an: "Batman returns". Der Held will also zurückkehren. Und auch bei Höfl-Riesch gibt es Hoffnung. Wie der SID aus ihrem Umfeld erfuhr, geht ihre Tendenz dahin, noch ein Jahr dranzuhängen.

Der große Umbruch bei den Alpinen ist also aufgeschoben. Und die Angriffslust zumindest von Maier ungebrochen. "Nächstes Jahr gibt es eine WM", sagte er, "da gibt's Revanche!" Doch nach Gold und Silber durch Höfl-Riesch und Bronze von Viktoria Rebensburg hatte auch er auf die erste Männer-Medaille seit 1994 gehofft. "Näher dran waren wir seit 20 Jahren nicht", sagte er am Sonntag vor der Heimreise, "das war echt ein heftiger Abschluss".

DOSB-Präsident Alfons Hörmann nannte das Ergebnis dennoch "okay", mit drei Medaillen haben die Alpinen die Zielvorgabe ja erfüllt. In der Nacht nach dem Slalom waren gleichwohl ein paar Bier nötig, um den Frust bei den Aktiven zu vergessen.

Besonders bei Neureuther scheint längerfristige Trauerarbeit gefragt zu sein. Seine Hoffnung auf Gold zerstob nach insgesamt nur 90 Sekunden, als er im zweiten Lauf eine blaue Torstange zwischen die Beine bekam. "So etwas ist mir noch nie passiert. Das war die unglücklichste Woche meiner Karriere", sagte er angesichts der Vorgeschichte mit seinem Autounfall auf der Anreise.

Nach dem Saisonende Mitte März wird er sich voraussichtlich eine drei- bis viermonatige Auszeit nehmen, Abstand gewinnen. Aus Maiers Sicht ist das "kein Problem". Sofern Neureuther sich fit halte, könne er auch erst im August, September wieder mit dem Schneetraining beginnen. Dasselbe gilt für Höfl-Riesch, sollte sie sich wirklich zu einer Art "Genuss-Saison" entschließen.

Dopfer macht ebenfalls weiter, der Garmischer ist erst 26 und anders als Neureuther ein "Kopfmensch", der Niederlagen nicht so an sich heranlässt. "Für den Fritz tut es mir persönlich leid", sagte Maier dennoch, seine Tränen nur mit Mühe zurückhaltend: "Es ist ein bisschen tragisch."

Denn Dopfer hatte den "Tanz über die Rasierklinge" (Hörmann) durch den unorthodoxen und für Maier "olympia-unwürdigen" Kurs des Kroaten Ante Kostelic ja mit Bravour gemeistert. Es blieb ihm immerhin der beste Olympia-Slalom eines Deutschen seit 1992, als Peter Roth in Albertville 16. war. "Aber dafür", sagte Dopfer gewohnt trocken, "kann ich mir nichts kaufen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Felix Neureuther fädelt ein und scheidet aus

(sid)