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Biathlet Lesser über Olympia in Peking: „Das Menschliche hat komplett gefehlt“

Biathlet Lesser über Olympia : „Das Menschliche hat komplett gefehlt“

Er ist einer der wenigen Athleten, die die Winterspiele von Peking öffentlich kritisieren. Jetzt hat der deutsche Biathlet Erik Lesser noch einmal nachgelegt und sagt, warum er von IOC-Präsident Thomas Bach „einfach nur enttäuscht“ ist.

Biathlet Erik Lesser hat zum Abschluss der Winterspiele in China harsche Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dessen Präsidenten Thomas Bach geübt. "Ich bin einfach nur enttäuscht, dass Thomas Bach kritische Nachfragen einfach so wegwischt", sagte Lesser dem Deutschlandfunk: "Dass die Olympische Spiele unpolitisch sind, das ist ja völliger Quatsch."

Jeder, der die Spiele in Peking verfolgt habe, "die letzten drei Wochen, der weiß ganz genau, dass Olympische Spiele nicht unpolitisch sind. Und dass man immer noch einer Lüge weiter hinterherreitet, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich hätte mir von einem Präsidenten mit ordentlich Rückgrat gewünscht, dass man schon ein paar kritischere Töne Richtung chinesische Regierung richtet".

Lesser, der sich zuletzt schon wenig begeistert über die Veranstaltung geäußert hatte, bereut seine Teilnahme dennoch nicht. "Weil es mir im Nachhinein die Möglichkeit gibt, davon zu berichten", sagte der 33-Jährige. So werde er in 50 Jahren sagen können: "Leute, egal was gekommen ist, Peking war immer schlimmer."

Zwar hätten die Wettkämpfe olympischen Charakter gehabt, "aber das Menschliche hat komplett gefehlt. Es war alles wie aus dem Reagenzglas gezaubert", sagte Lesser. "China ist bestimmt ganz froh, dass es Corona gibt, dann kann man viele Sachen darauf schieben. Ohne COVID wären vielleicht ein paar Reisen zu touristischen Attraktionen möglich gewesen", so aber sei nur das sichtbar gemacht worden, was man unbedingt zeigen wollte.

(kron/dpa/SID)