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Tokio 2021: Olympia-Aus für Athletin aus Belarus – Asyl-Antrag im Polizeigewahrsam

Nach „Kidnapping-Versuch“ : Belarus-Athletin bei Polizei in Sicherheit – sie will Asyl beantragen

Eine Athletin aus Belarus sollte scheinbar mit Gewalt aus Tokio zurück ins Heimatland gebracht werden, weil sie das nationale olympische Komitee kritisiert hatte. Nun will sie Asyl in Österreich beantragen und bittet das IOC um Hilfe.

Die belarussische Sprinterin Kristina Timanowskaja hat nach kritischen Äußerungen über ihre Trainer bei den Olympischen Spielen Schutz auf einer Polizeistation am Flughafen in Tokio gefunden. "Ich bin in Sicherheit und es wird gerade entschieden, wo ich die Nacht verbringen werde", wird die Athletin in einer Mitteilung der Belarusian Sports Solidarity Foundation (BSSF), eine Nicht-Regierungsorganisation des osteuropäischen Landes, zitiert. Timanowskaja sollte offenbar gegen ihren Willen außer Landes gebracht werden.

Nach Angaben der BSSF wurde Timanowskaja am Sonntagabend zum Tokioter Flughafen Haneda gebracht. "Vertreter des belarussischen Kaders versuchen, die Sportlerin aus Tokio zu verschleppen, ihr wurde ein Flugticket nach Minsk gekauft", schrieb die Stiftung bei Telegram: "BSSF fordert das Internationale Olympische Komitee und den internationalen Leichtathletikverband auf, der belarussischen Sportlerin zu helfen." Man habe das Eingreifen der japanischen Polizei beantragt, um diese Ausreise zu verhindern, so das BSSF weiter.

"Ich stehe unter Druck und sie versuchen, mich ohne meine Zustimmung aus dem Land zu bringen. Ich bitte das IOC darum, sich einschalten", sagte Timanowskaja laut BSSF in einem Video.

Das IOC teilte der französischen Nachrichtenagentur AFP auf Anfrage mit, man habe die Berichte in den Medien gesehen, untersuche die Situation und habe "das Nationale Olympische Komitee von Belarus um Klärung gebeten". Dieses steht unter der Präsidentschaft von Wiktor Lukaschenko, Sohn des international hochumstritten belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko. Das NOK hatte zuvor in einer offiziellen Stellungnahme den Rückzug Timanowskajas aus mentalen Gründen bekannt gegeben.

"Aufgrund des emotionalen und psychologischen Zustands der Athletin" hätten Trainer der belarussischen Leichtathletikmannschaft auf Anraten der Ärzte entschieden, dass die 24-Jährige "ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen aussetzen soll." Der Antrag auf Teilnahme an den Rennen über 200 m und 4x400 m sei zurückgezogen worden, hieß es. Die Vorläufe über 200 m in Tokio sind für Montag angesetzt. Am Sonntagabend stand sie allerdings noch in der Startliste für den fünften Vorlauf um 11.02 Uhr Ortszeit.

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Auslöser der Affäre war offenbar ein mittlerweile gelöschtes Video, das Timanowskaja bei Instagram gepostet hatte. Darin kritisierte sie den weißrussischen Leichtathletikverband. Timanowskaja gab an, sie sei gezwungen worden, am 4x400-Rennen teilzunehmen, weil der Verband nicht die Anzahl ausreichender Dopingkontrollen für die Athletinnen gewährleistet habe, die für die Staffel vorgesehen waren.

"Ich hätte nie so harsch reagiert, wenn man mir das vorher sagt, die ganze Situation erklärt und gefragt hätte, ob ich 400 m laufen kann. Aber sie haben sich entschieden, alles hinter meinem Rücken zu machen", sagte sie.

BSSF war im vergangenen August von der ehemaligen belarussischen Schwimmerin Aljaksandra Herassimenja gegründet worden, als nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Lukaschenko heftige Proteste in Belarus ausbrachen.

(dör/dpa/SID)