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Timo Boll Erfolgsrezept für die Olympischen Spiele in Tokio 2021

Sechste Olympische Spiele : So will Boll bei Olympia in Tokio endlich die Einzelmedaille holen

Für den Tischtennis-Star soll es endlich mit einer Einzel-Medaille bei Olympia klappen. Und vielleicht werden es nicht seine letzten Spiele.

Timo Boll ist im Juni erneut Europameister geworden, zum achten Mal in seiner Karriere. Mit seinem Verein Borussia Düsseldorf gewann er in der Saison 2020/2021 außerdem die deutsche Meisterschaft, den Pokal und die Champions League. In der aktuellen Weltrangliste steht er auf Rang zehn. Was ihm in seiner Sammlung noch fehlt, ist eine Olympia-Medaille im Einzel. Ob es dieses Jahr soweit ist? „Wenn ich fit bin, kann ich weit kommen und um Medaillen spielen mit dem Team, und vielleicht auch im Einzel“, sagt Boll beim Tokio-Medien-Tag des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) in Düsseldorf.

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt holt sich die deutsche Mannschaft den letzten Schliff in der Vorbereitung, ehe sie Mitte Juli nach Tokio fliegt. Nach Rückenproblemen im vergangenen Jahr ist Boll nun gesund, er zeigt sich aber zurückhaltend: „Erstmal fit ankommen und ins Turnier reinkommen“, sei das Ziel. Wegen der Corona-Pandemie werden sich die Athleten vor Ort kaum frei bewegen können. „Es ist noch mehr nur der Wettkampf, der zählt, und nicht auch das Event Olympia“, erwartet Boll. Bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro war das ganz anders, dort war er der Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier.

Ein Erfolgsrezept für Tokio könnte überraschenderweise Kaffee sein. Die deutsche Tischtennismannschaft ließ extra eine Kaffeemaschine nach Japan fliegen. Alle Sportler durften Gegenstände in einer Kiste des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) vorab nach Tokio schicken. Auch bei der erfolgreichen Europameisterschaft im Juni hatte Boll sich als Kaffee-Experte im Team hervorgetan und nach eigener Aussage „einige Utensilien dabei“. Im Finale bezwang er seinen Nationalmannschafts-Kollegen Dimitrij Ovtcharov, den er vor dem Endspiel wohl nicht mehr zum Kaffee gelassen hat: „Am Finaltag habe ich Dima nicht mehr reingelassen, das war wahrscheinlich der ausschlaggebende Punkt“, sagt er lachend über das mögliche Erfolgsrezept für das Finale.

Der 40-Jährige steht in Tokio vor seinen sechsten Olympischen Spielen. Das haben nur wenige deutsche Athleten vor ihm geschafft. Nur der Sportschütze Ralf Schumann und der Springreiter Ludger Beerbaum haben sogar sieben Mal teilgenommen. „Wahrscheinlich sind es die letzten, aber man soll auch nie nie sagen“, sagt Boll vor den Spielen in Tokio. Dass Boll auch den Rekord von sieben Teilnahmen noch einstellt, ist also durchaus möglich. 2024 in Paris wäre er 43 Jahre alt. „Seit einiger Zeit genieße ich einfach den Wettkampf, das Training“, erzählt er. „Mir ist bewusst, dass in dem Alter jeden Tag was passieren kann.“ Boll will sich nicht festlegen, wie lange er noch weitermacht und ob er bei den nächsten Olympischen Spielen noch dabei ist: „In dem Alter kann man so langfristig gar nicht mehr planen“, sagt er.

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Wegen seiner Rückenprobleme im vergangenen Jahr habe er lange pausiert und einige Behandlungsmethoden ausprobiert, bis er die passende gefunden habe. „Ich war schon verzweifelt letztes Jahr und habe mir Sorgen gemacht“, sagt der Altstar. Jetzt ist er fit und hofft, „dass der Körper hält“. Sportlich sei es vor Tokio ein „gutes Gefühl, als Europameister anzureisen“.

Dass es bei der EM so gut lief, habe ihn selbst überrascht. „Im Training verliere ich doch sehr häufig Sätze. Diese Woche habe ich in Trainingsmatches eigentlich noch gar nicht gewonnen“, sagt er mit einem Lachen. Die Stimmung scheint gut zu sein im deutschen Team, auch Ovtcharov scherzt bei der Pressekonferenz immer wieder mit Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Der blickt optimistisch auf die Olympischen Spiele: „Wir werden uns dort in einer guten Form präsentieren“, versichert der Trainer. Jetzt direkt vor dem Turnier könne man kaum noch an Inhalten arbeiten. Es gehe darum, „ein paar Kleinigkeiten noch zu trainieren und verletzungsfrei zu bleiben“. Der Plan ist eindeutig: „Wir wollen Medaillen holen, das ist ganz klar unser Ziel“, sagt Roßkopf. Gleichzeitig mahnt er  nach der sehr erfolgreichen Europameisterschaft: „Zahlen und Statistiken gewinnen keine Medaillen.“ Die deutsche Mannschaft hatte bei der EM ihr bestes Ergebnis überhaupt eingefahren und vier Goldmedaillen sowie drei Silbermedaillen geholt. Im Einzel der Frauen gewann Petrissa Solja im deutschen Finale gegen Teamkollegin Shan Xiaona. Beide fahren auch nach Tokio.

Bolls Teamkollege Ovtcharov hat übrigens eine Decke in der DOSB-Kiste mitgeschickt. Seine Begründung: „Ich schlafe gerne, ich schlafe gerne gut.“ Ovtcharov ist Weltranglisten-Achter und wird außer im Einzel auch im Mannschaftswettbewerb antreten, gemeinsam mit Boll und Patrick Franziska. Vielleicht weiht Boll seine Teamkollegen dafür sogar in seine Kaffee-Künste ein.