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Russland-Urteil: Gemischte Gefühle bei DOSB und NADA

Russland-Urteil : Gemischte Gefühle bei DOSB und Nada

Der Deutsche Olympische Sportbund hält die vom Internationalen Sportgerichtshof auf zwei Jahre reduzierte Olympia-Sperre für Russland für zu wenig. Aus Sicht des DOSB sei der von der Welt-Anti-Doping (Wada) geforderte Vier-Jahres-Bann „angemessen“ gewesen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Nationale Anti-Doping Agentur Nada haben mit gemischten Gefühlen auf das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas im Doping-Skandal um Russland reagiert. Regelrecht enttäuscht zeigte sich der Verein Athleten Deutschland von der Entscheidung.

Der DOSB begrüße, dass der Cas die "harten Sanktionen der WADA grundsätzlich bestätigt" habe, hieß es in einer Mitteilung. Gleichzeitig bedauere man, dass "angesichts der massiven, jahrelangen und staatlich organisierten Verstöße Russlands gegen das Fair Play" der Forderung der WADA nach einer Vierjahressperre "nicht vollumfänglich gefolgt wurde."

Im Sinne seiner Athleten forderte der DOSB, dass die internationalen Sportfachverbände und das IOC nun schnell klären müssten, wie das Urteil umgesetzt wird und unter welchen Bedingungen russische Sportler unter neutraler Flagge starten dürfen. Eine monatelange Hängepartie wie vor den Olympischen Spielen Rio 2016 "darf sich nicht wiederholen", hieß es.

Auch die Nada reagierte mit Für und Wider. Das Urteil schaffe zwar Klarheit und Rechtssicherheit bezüglich der Non-Compliance der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, allerdings erstaune das Sanktionsmaß von zwei Jahren, meinte Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann.

"Der langjährige Betrug an den sauberen Athletinnen und Athleten und der gesamten Sportwelt ist inakzeptabel und hätte aus unserer Sicht die größtmöglichen Konsequenzen haben müssen", so Gotzmann.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, sah es ähnlich. "Nicht nachvollziehbar ist für mich die Halbierung der Sperre, jedenfalls konnte ich den bislang vorliegenden Schriftstücken keine überzeugende Begründung finden", kritisierte die SPD-Politikerin. Es bleibe abzuwarten, was passiert, wenn die Rusada weiterhin die Herausgabe der geforderten Originaldaten des Moskauer Labors verweigerte.

Mit Unverständnis reagierte der Verein Athleten Deutschland. "Wir sind enttäuscht und verärgert, dass die Sanktionen so deutlich verwässert wurden", erklärte Sprecher Maximilian Klein. Das schaffe kein Vertrauen in das weltweite Anti-Doping-System, dessen Glaubwürdigkeit nach dem russischen Dopingskandal und dem unerträglichen Hin und Her "im Anschluss so sehr gelitten hat", meinte Klein.

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Man könne nicht nachvollziehen, "wieso so deutliche Zugeständnisse mit der heutigen Entscheidung gemacht wurden", hieß es weiter. Es gelte nun zügig zu analysieren, wieso es soweit kommen konnte. Die rechtlichen Grundlagen des Anti-Doping-Systems und die weltweite Sportschiedsgerichtsbarkeit müssten "effektiv" und "wasserdicht" sein, "damit Staatsdoping knallhart bestraft werden kann".

(eh/sid)