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Rassismus-Eklat bei Olympia 2021: Radsportdirektor Patrick Moster bestraft

Nach Rassismus-Eklat : Moster vorerst suspendiert – keine Entschuldigung bei algerischem Athleten

Einen Tag nach seiner rassistischen Entgleisung muss Rad-Sportdirektor Patrick Moster von den Olympischen Spielen in Tokio abreisen. Der Deutsche Olympische Sportbund zieht mit Verspätung die Konsequenzen. Nun droht eine Suspendierung.

Empörung und Druck waren groß, nun hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dem umstrittenen Rad-Sportdirektor Patrick Moster die Rote Karte gezeigt. Der 54-Jährige muss nach seiner rassistischen Entgleisung bei den Olympischen Spielen in Tokio die Heimreise antreten. Das entschied der Deutsche Olympische Sportbund am Donnerstag mit 24 Stunden Verspätung. Kurz darauf teilte der Weltverband UCI mit, dass Moster bis auf weiteres suspendiert worden ist. Die Äußerungen von Moster stünden im Gegensatz zu den Anstandsregeln des Weltverbandes, sie seien diskriminierend gewesen und stellten somit eine Verletzung des Artikels 12.4.017 der Regularien dar.

Dem Abzug aus Tokio war ein brisanter Austausch zwischen Internationalem Olympischen Komitee und DOSB vorausgegangen. Man habe am Donnerstagmorgen schriftlich den Kontakt zur deutschen Delegation aufgenommen, sagte ein IOC-Sprecher dem Sport-Informationsdienst. Dabei sei um die Klärung des Sachverhalts bis zum Nachmittag gebeten worden. Abhängig von der Antwort sei das Einsetzen einer Disziplinarkommission in Erwägung gezogen worden.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Die Delegationsleitung des <a href="https://twitter.com/TeamD?ref_src=twsrc%5Etfw">@TeamD</a> bei den Olympischen Spielen in Tokio hat am Donnerstag entschieden, dass Patrick Moster seine Aufgabe als Teilmannschaftsleiter Radsport im Team D nicht weiter wahrnehmen und zeitnah nach Deutschland abreisen wird. <a href="https://t.co/IVddWpTSdm">https://t.co/IVddWpTSdm</a></p>&mdash; DOSB (@DOSB) <a href="https://twitter.com/DOSB/status/1420629755326472193?ref_src=twsrc%5Etfw">July 29, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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„Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass seine öffentliche Entschuldigung für die gestern von ihm getätigte rassistische Äußerung aufrichtig ist. Mit dieser Entgleisung hat Herr Moster jedoch gegen die olympischen Werte verstoßen. Fairplay, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar“, sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann. Damit zog der deutsche Teamchef die Konsequenzen nach dem Rassismus-Skandal um Moster im olympischen Einzelzeitfahren am Mittwoch. Vorausgegangen ist eine „eingehende Beratung der Delegationsleitung sowie eine erneute Anhörung des Betroffenen“, wie der DOSB mitteilte.

„Entscheidungen von der Tragweite trifft man nicht einfach mal schnell und einfach aus der ersten Emotion. Da gilt's zumindest nach unserem Verständnis, die notwendige Ruhe und Professionalität an den Tag zu legen“, sagte Hörmann.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Well, There is no camel 🐪 race in <a href="https://twitter.com/hashtag/olympics?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#olympics</a> that’s why I came to cycling. At least I was there in <a href="https://twitter.com/hashtag/Tokyo2020?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Tokyo2020</a></p>&mdash; Azzedine Lagab (@AzzedineLagab) <a href="https://twitter.com/AzzedineLagab/status/1420380485931311105?ref_src=twsrc%5Etfw">July 28, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Kritik, die Entscheidung sei zu spät getroffen worden, nahm der 60-Jährige zur Kenntnis. „Ich denke, die Entscheidung am heutigen Tag ist genauso klar, wichtig und richtig, wie sie es gestern Abend gewesen wäre“, sagte Hörmann.

Man sei aufgrund der Zusammenarbeit über die vergangenen Tage, Wochen oder zum Teil Monate und Jahre zudem davon überzeugt, dass Moster „alles andere als ein Rassist ist. Diese Form einer rassistischen Formulierung, aus unserem Verständnis Entgleisung, ist eben nicht akzeptabel und widerspricht den Werten des olympischen Geistes und dem, was wir im Team D leben. Deshalb kam es heute zu dieser klaren Weichenstellung“, sagte Hörmann.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">I’ve always wanted to promote myself as an athlete on social media, but never thought it would be that way! I had more agressive racist comments before, but I’ve always preferred To deal with them on the spot, far from social media It’s such a shame it happens in the <a href="https://twitter.com/hashtag/olympics?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#olympics</a></p>&mdash; Azzedine Lagab (@AzzedineLagab) <a href="https://twitter.com/AzzedineLagab/status/1420639582538944520?ref_src=twsrc%5Etfw">July 29, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Moster hatte den Kölner Nikias Arndt an der Strecke mit rassistischen Worten „Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm“ angefeuert, die vor ihm fahrenden Azzedine Lagab (Algerien) und Amanuel Ghebreigzabhier (Eritrea) einzuholen. Die Rufe waren vom Fernsehen eingefangen und live übertragen worden.

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Moster hatte sich anschließend für seine Entgleisung entschuldigt. „Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren“, sagte Moster der Deutschen Presse-Agentur. Persönliche Konsequenzen wollte er nicht ziehen und stattdessen seine Aufgabe bei den am Montag beginnenden Bahnrad-Wettkämpfen wahrnehmen. Auch BDR-Präsident Rudolf Scharping wollte die „nicht akzeptable“ Aussage nach den Spielen aufarbeiten.

Doch die Kritik an Moster war groß, ein Verbleib bei Olympia kaum zu begründen. Arndt hatte sich „entsetzt“ gezeigt und sich von den Aussagen des Sportdirektors distanziert. Auch Radprofi Maximilian Schachmann, der neben Arndt im Zeitfahren zum Einsatz kam, betonte, dass solche Worte bei Olympischen Spielen und generell in der Welt nichts zu suchen hätten. Der Radsport-Weltverband UCI schaltete sich ebenfalls ein und verurteilte die Rufe Mosters.

An den betroffenen Algerier Lagab sei Moster noch nicht herangetreten, sagte der Radprofi dem „Spiegel“ am Donnerstag: „Das offizielle Statement habe ich gesehen. Es haben sich auch einige Fahrer von dem Verhalten distanziert. Aber eine persönliche Nachricht und Entschuldigung habe ich bisher weder von Moster noch vom deutschen Team erhalten.“

Schon am Mittwoch hatte der Algeriere getwittert: „Nun, es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport. Wenigstens war ich in Tokio dabei.“ Nach dem Moster nach Hause geschickt wurde, meldete sich Lagab nochmals zu Wort: „Ich wollte mich immer als Athlet in den sozialen Medien promoten, aber ich hätte nich gedacht, dass es auf diesem Weg passiert. Es gab schon aggressivere rassitische Kommentare, aber ich habe es immer vorgezogen direkt, weit weg von den sozialen Medien, damit umzugehen. Eine Schande, dass so etwas bei Olympia passiert“, schrieb er bei Twitter.
Deutliche Worte fand der nicht bei Olympia startende Rick Zabel. „Auf der einen Seite verstehe ich alle SportlerInnen, die nichts dazu sagen, weil man Angst davor hat, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn man seine Meinung äußert oder einfach nicht mehr für eine EM, WM oder Olympia nominiert wird“, schrieb der Profi und Sohn des früheren Radstars Erik Zabel bei Instagram. „Auch wenn ich selber nicht bei den Olympischen Spielen dabei bin, schäme ich mich für die Aussagen.“

Zabel kritisierte, dass es nach dem Rennen nur eine „lapidare Entschuldigung“ gegeben habe. „Ich persönlich kann nicht verstehen, dass nach diesem Verhalten nicht sofortige Konsequenzen vom BDR oder DOSB getroffen worden sind.“ Wenn man olympische Werte und Anti-Rassismus-Kampagnen nachhaltig glaubhaft vertreten wolle, dürfe ein solcher Vorfall nicht geduldet werden.

(rent/dpa/sid)