1. Sport
  2. Olympia

Olympia Tokio 2021: Tokio-Athleten ächzen unter der Hitze

30 Grad Wassertemperatur : Tokio-Athleten ächzen unter der Hitze

Wassertemperaturen wie in der Badewanne? Muskelkrämpfe vor dem Kajak-Finale? Bei den Olympischen Spiele in Tokio sorgt die Hitze für große Belastungen bei den Athleten. Eine deutsche Schwimmerin freute sich dagegen über die Bedingungen.

Beim Finale der Freiwasserschwimmerinnen über zehn Kilometer herrschten beinahe Badewannen-Temperaturen. 29,3 Grad zeigte das Thermometer im Wasser eine Stunde vor dem Start an, in der letzten Runde im Odaiba Marine Park im Schatten der berühmten Regenbogenbrücke waren es „garantiert über 30“, mutmaßte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Finnia Wunram, die Zehnte wurde, fand das Wasser „sehr warm“, das Atmen „wegen der hohen Luftfeuchtigkeit schwieriger“. Die sehr herausfordernden Bedingungen hatte Mannschaftsarzt Alexander Beck vorab mit den Strapazen eines Marsches durch die Wüste verglichen. „Schon immens“ sei die Belastung, sagte auch Rekordweltmeister Thomas Lurz als Eurosport-Experte.

Die Bedingungen hatten auch zu besonderen Trainingsmethoden geführt: „Wir haben in den letzten Wochen immer wieder Wärmebäder gemacht nach dem Training, um die Sportler auf die Temperaturen vorzubereiten“, sagte Bundestrainer Berkhahn. Nicht jede schien sich an den Bedingungen zur stören. Leonie Beck wurde im Freiwasser Fünfte und berichtete, dass ihr die hohe Wassertemperatur entgegenkam. „Ich mag warmes Wasser lieber als kaltes Wasser. Ich hatte keine Probleme mit der Hitze“, sagte Beck und ergänzte sogar: „Ich habe eigentlich gar nicht geschwitzt während des Rennens. Ich fand es ziemlich angenehm.“

In der Leichtathletik schied die Tübingerin Hanna Klein über die 1500 Meter bereits im Vorlauf aus. „Da war nix, was noch nach kam. Beim Warmmachen und die Tage zuvor fühlte ich mich nicht gut. Ich bin mit einem schlechten Gefühl angetreten“, räumte Klein ein. „Es war die Hitze. Ich habe einfach keine Kraft gehabt, weder physisch noch mental.“ Besser kam Malaika Mihambo, die Olympiasiegerin im Weitsprung, mit den Temperaturen zurecht. Nach der Qualifikation im Weitsprung bei 39 Grad sagte sie: „Wichtig ist, dass man sich immer runterkühlt. Dann fühle ich mich gut vorbereitet.“ Kurz darauf holte sie die Goldmedaille.

Nach dem Start ins Golf-Turnier sagte die deutsche Teilnehmerin Caroline Masson: „Man ist einfach lange da draußen, steht fünf Stunden in der prallen Sonne. Man merkt schon, dass der Körper nicht ganz so präzise arbeitet wie gewohnt.“

Slalomkanute Hannes Aigner bekam kurz vor seiner Fahrt im Finale plötzlich Muskelkrämpfe, was wohl an den Bedingungen lag. Nur mit Mühe konnte er dagegen ankämpfen und im Kajak zur Bronzemedaille fahren. Er berichtete im ZDF: "Was außergewöhnlich war, war die Hitze - von der hohen Luftfeuchtigkeit über die hohen Temperaturen bis zum warmen Wasser. Es ist, wie wenn man in einem Whirlpool paddeln würde. Ein Whirlpool, wo man drin schwitzt." Sein Teamkollege Sideris Tasiadis, der im Canadier Bronze gewann, sagte: „Die Hitze ist extrem, vor allem auf dem Kopf unter dem Helm. Wir schwitzen sogar im Boot an den Beinen.“

  • Goldmedaille für Schwimmer : Florian Wellbrock schwimmt zum Olympiasieg im Freiwasser
  • Ein Passant geht mit Mund-Nasen-Schutz an
    Olympia-Liveblog : Sommerspiele beendet – Olympische Flamme erloschen
  • Christopher Linke (Mitte, gelbe Kappe) wurde
    20 Kilometer Gehen : Starker Linke geht bei Olympia knapp an Medaille vorbei

Der deutsche Olympia-Arzt Bernd Wolfarth sagte vor den Spielen: „Die Luftfeuchtigkeit spielt eine große Rolle. Die macht den Unterschied. Zum Teil wird sie um 90 Prozent liegen, was zu einer Herausforderung für die Ausdauerdisziplinen wird.“ Die Corona-Pandemie hatte manche Ideen in der Vorbereitung zunichtegemacht: „Wir hatten ganz andere Konzepte für die Adaption des Klimas, doch dann kamen die coronabedingten Reisebeschränkungen“, sagte Wolfarth: „Es mussten viele geplante vorolympische Trainingscamps abgesagt werden.“

Die Olympia-Starter erzählten vorab von einigen Tricks: „Wir haben einen eigenen Pool dabei, in dem wir 13 Grad kaltes Wasser haben. Dort kühlen wir uns nach den Einheiten ab“, sagte Kanute Tasiadis. Auch Hockey-Bundestrainer Kais al Saadi hatte für sein Team vorgesorgt: „Wir haben Kühlwesten, die über Verdunstungskälte funktionieren und Eishandtücher für den Nacken.“ Ventilatoren mit Luftbefeuchtung an den Trainerbänken sollten ebenfalls Linderung bringen.

Beim Tennis-Turnier in der vergangenen Woche reagierten die Veranstalter nach einigen Tagen auf die Bedingungen und veränderten den Zeitplan. Statt um 11.00 oder 12.00 Uhr begannen die Partien um 15.00 Uhr. Zuvor hatten Spieler mehrfach über die Hitze am Mittag und die hohe Luftfeuchtigkeit geklagt.

Schweden und Kanada sorgen sich vor dem Fußball-Finale der Frauen ebenfalls um die extreme Hitze zur Mittagszeit: Die Verbände beider Länder haben um eine Verlegung der Anstoßzeit des Endspiels gebeten. Das Duell um Gold soll am Freitag um 11.00 Uhr Ortszeit stattfinden.

(dpa/SID/cma)