„Hoffe, ich kann sie stolz machen“ Osaka ist die große Hoffnungsträgerin der Japaner
Tokio · Naomi Osaka war nach ihrem geräuschvollen Rückzug bei den French Open wochenlang von der Bildfläche verschwunden. Jetzt ist die viermalige Grand-Slam-Siegerin zurück und trägt die Hoffnungen der japanischen Fans.

Das ist Naomi Osaka
Plötzlich ist Naomi Osaka überall. Auf dem Cover der Vogue, in einer Netflix-Doku, im Badeanzug auf dem Titel der Sports Illustrated, mit einem Gastbeitrag im Time Magazine. Wochenlang war die viermalige Grand-Slam-Siegerin, die immer wieder mit Depressionen zu kämpfen hat, abgetaucht, hatte gar Wimbledon ausgelassen. Nun ist sie zurück im ganz großen Trubel.
Für den Traum von der Goldmedaille im eigenen Land hat Osaka ihre Auszeit vom Tenniszirkus beendet. Bei den Olympischen Spielen in Tokio kehrt sie als große Hoffnungsträgerin der Japaner zurück ins Rampenlicht, das sie zuletzt bewusst gemieden hatte.

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"Die Olympischen Spiele an sich sind schon etwas Besonderes, aber die Möglichkeit zu haben, vor den japanischen Fans zu spielen, ist ein wahr gewordener Traum", schrieb Osaka im Time Magazine. Auf dem Platz wird sie zwar auf die Unterstützung ihrer Anhänger verzichten müssen, aber ihre Matches dürften im Ausrichterland für beste Einschaltquoten sorgen: "Ich hoffe, ich kann sie stolz machen."
Die Zeit seit ihrem geräuschvollen Rückzug von den French Open hat die 23-Jährige genutzt, um Kraft zu tanken und zu reflektieren. Ende Mai hatte sie mit ihrer Entscheidung, in Paris nicht zu ihrem Zweitrundenmatch anzutreten, für großes Aufsehen gesorgt. Vorausgegangen war ein umstrittener Presseboykott, für den sich Osaka "aus Selbstfürsorge" mit Blick auf ihre mentale Gesundheit entschieden hatte.

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"Ich stehe dazu", sagt sie jetzt und schlägt die Möglichkeit vor, dass Athleten hin und wieder von ihren medialen Pflichten befreit werden könnten, ohne gleich strenge Sanktionen wie einen Turnierausschluss zu riskieren.
Für ihren offenen Umgang mit mentalen Schwierigkeiten erhielt Osaka viel Unterstützung, auch von Prominenten wie Michelle Obama, Herzogin Meghan oder Basketball-Superstar Stephen Curry. "Michael Phelps hat mir gesagt, dass ich vielleicht ein Leben gerettet habe, indem ich den Mund aufgemacht habe", sagte Osaka: "Wenn das wahr ist, dann war es das alles wert."
Der Blick der introvertierten Athletin, die schon bei den US Open mit ihrem Protest gegen Polizeigewalt für Aufsehen gesorgt hatte, richtet sich bei Olympia nun aber auch wieder auf den Sport. Osaka, Tochter eines Haitianers und einer Japanerin, ist auf Hartplatz eine der absoluten Topfavoritinnen auf die Goldmedaille. Sie hat auf ihrem Lieblingsbelag zweimal die Australian Open und zweimal die US Open gewonnen.
Die Konkurrenz ist trotz etlicher Absagen wie von der deutschen Nummer eins Angelique Kerber (Kiel) oder von Wiktoria Asarenka (Belarus) stark. Die Weltranglistenerste Ashleigh Barty (Australien) startet im Ariake Tennis Park mit dem großen Selbstbewusstsein einer frischgebackenen Wimbledonsiegerin, unter anderem lauert auch die Weltranglistendritte Arina Sabalenka (Belarus).
Gesucht wird die Nachfolgerin von Monica Puig aus Puerto Rico, die 2016 im Finale in Rio Kerber besiegte. Osaka wird alles dafür geben, dass am Ende die japanische Hymne gespielt wird.
SID pl ab