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Olympia Tokio 2021: Durststrecke der Springreiter geht weiter

„Hatten uns viel mehr erhofft“ : Durststrecke der Springreiter geht weiter

Auch Daniel Deußer hat den deutschen Springreitern nicht die erste Olympia-Einzelmedaille seit Athen 2004 bescheren können. Im Nationenpreis geht es nun um Wiedergutmachung.

Otto Becker zuckte kurz mit den Schultern, die Fortsetzung der Durststrecke für seine Springreiter wollte er aber überhaupt nicht schönreden. "Klar sind wir enttäuscht", sagte der Bundestrainer, ohne eine Miene zu verziehen: "Wir hatten uns viel mehr erhofft, keine Frage." Sein einziger Trumpf Daniel Deußer stach nicht - und das Warten auf die erste Olympia-Einzelmedaille seit Athen 2004 geht weiter.

Die Erwartungen waren freilich groß unter dem Flutlicht des Baji Koen Equestrian Park. Immerhin ritt Deußer auf seiner elfjährigen Stute Killer Queen als Weltranglistenerster in den kniffligen Parcours, doch seiner Rolle als Mitfavorit wurde er nicht gerecht. Gleich zwei Abwürfe leistete sich das einzige deutsche Paar - aus der Traum von der ersten Einzelmedaille seit Marco Kutschers Bronze vor 17 Jahren.

Dass nur ein enttäuschender 18. Platz heraussprang, habe mit dem Druck als Nummer eins der Welt aber gar nichts zu tun gehabt, versicherte Deußer. "Es ist so oder so enttäuschend, gar nicht wegen meiner Weltranglistenposition", sagte der 39-Jährige und suchte den Fehler bei sich selbst: "Das Pferd hat sich toll angefühlt, ich muss einfach besser reiten."

In der Qualifikation hatte er das noch mit Bravour getan. Da in Christian Ahlmann und Weltmeisterin Simone Blum zwei Weltklasse-Reiter fehlten, war der 39-Jährige als heißestes deutsches Eisen nach Tokio geflogen - und nachdem Andre Thieme und Christian Kukuk schon in der Qualifikation gepatzt hatten, war er auch das einzige in der Medaillenentscheidung.

In der gewann dann der britische Topfavorit Ben Maher auf Explosion Gold vor dem Schweden Peder Fredricsson mit All In und Maikel van Vleuten (Niederlande) mit Beauville. Schon in der Team-Entscheidung am Samstag (12.00 Uhr MESZ/ZDF und Eurosport) will die deutsche Equipe aber wieder ein gewichtiges Wörtchen mitreden, Edelmetall ist das erklärte Ziel.

"Es heißt für uns: Abhaken, Wunden lecken", sagte Delegationsleiter Dennis Peiler dem SID: "Und dann geben wir am Wochenende nochmal Gas." Darauf setzt auch Becker. "Hoffentlich" löse das enttäuschende Einzel eine Jetzt-erst-recht-Einstellung bei seinen Reitern aus, sagte der Bundestrainer. Erstmal wolle er aber "eine Nacht drüber schlafen", sagte der 62-Jährige, ehe er entscheide, wer neben dem gesetzten Maurice Tebbel im Nationenpreis reiten wird.

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Die Motivation ist auch bei Deußer groß. "Auf jeden Fall würden wir natürlich gern mit einer Medaille nach Hause kommen", sagte er, die Mannschaft habe "definitiv eine Chance". Und dort gibt es immerhin auch keine Durststrecke zu beenden - vor fünf Jahren in Rio holte die Equipe um Deußer Bronze.

(stja/SID)