1. Sport
  2. Olympia

Olympia 2032 IOC-Entscheidung: Was Brisbane besser gemacht hat als Rhein-Ruhr-City

Olympia-Vergabe : Was Brisbane hat, das Rhein-Ruhr-City fehlt

Die private Initiative Rhein-Ruhr-City hat sich noch gar nicht offiziell um Olympia 2032 beworben, da sind die Aussichten auf die Sommerspiele schon gleich null. Das Internationale Olympische Komitee verhandelt mit Brisbane. Die Pluspunkte der Australier.

Die 2019 gegründete Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees soll die Chancen der Bewerber vorab prüfen, um einen unnötigen und teuren Konkurrenzkampf der Kandidaten zu vermeiden. Dann gibt sie dem IOC eine Empfehlung und das nimmt gegebenenfalls Gespräche auf, die man dann nur mit einem Bewerber oder nach und nach mit den Kandidaten führt. Erstmals kommt dieses Verfahren jetzt bei der Ausschreibung der Olympischen Spiele 2032 zum Tragen. Kostenpflichtiger Inhalt Auf Empfehlung der Kommission führe man nun exklusiv Verhandlungen mit Brisbane in Australien, teilte das IOC diese Woche mit. Für die Olympia-Initiative Rhein-Ruhr-City, die privat geführt wird, bedeutet das, dass die Chancen auf die Sommerspiele 2032 quasi dahin sind, bevor man den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) überhaupt davon überzeugt hat, sich mit der Region offiziell zu bewerben. Dennoch wollen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und die Initiatoren an Rhein-Ruhr-City festhalten. Aber was hat Brisbane bisher besser gemacht, welche Vorteile haben Spiele im australischen Bundesstaat Queensland, welche Vorteile hat das Konzept von Rhein-Ruhr-City?

1. Sportpolitische und politische Kontakte und Unterstützung Während die Initiative aus Nordrhein-Westfalen vom durchaus auch politisch einflussreichen Sportmanager und FDP-Mitglied Michael Mronz privat geführt wird, wird die Bewerbung aus Brisbane von John Coates angeführt. Der ist nicht nur Präsident des australischen Nationalen Olympiakomitees (NOK), sondern auch Vizepräsident des IOC und enger Vertrauter von IOC-Präsident Thomas Bach (FDP). Coates war es auch, der die Gründung der Evaluierungskommission bei der Olympiaorganisation vorangetrieben hat. Er kennt die Abläufe und Anforderungen genau und ist innerhalb des IOC bestens vernetzt. Das fehlt Rhein-Ruhr-City. Mronz und die Bewerberstädte werden zwar von der NRW-Landesregierung unterstützt, aber selbst im Bund muss die Initiative noch um politische Unterstützung werben. Ein Pluspunkt für die Australier.

2. Der Status der Bewerbung Rhein-Ruhr-City ist noch nicht über den Status einer privaten Initiative hinausgekommen. Im Februar 2020 verlieh der DOSB der Initiative zwar Rückenwind, in dem man sich für sie und gegen Berlin als möglichen Bewerber aussprach Die offizielle Anerkennung und Unterstützung des DOSB hat man aber bis heute nicht. Der Verband will erst sicher gehen, dass die Bürger hinter einer Bewerbung stehen, um ein Desaster wie in München oder Hamburg, wo Bürgerentscheide die Bewerbung noch verhinderten, zu vermeiden. Auch von der Bundespolitik gab es so keine eindeutige Zusage für eine Unterstützung der Bewerbung. Die Initiative hat bisher zahlreiche Bewerberstädte fest im Boot, die Sportstätten für Wettkämpfe stellen sollen. Ein Bürgerentscheid war geplant und hatte laut Mronz immer Priorität, um sich der breiten Unterstützung in den Städten sicher zu sein. Einen Termin für eine Abstimmung gab es aber noch nicht, die Bundestagswahl im September war dafür im Gespräch.
Die Kampagne aus Brisbane hat hingegen längst den Status einer offiziellen Bewerbung des australischen NOK. Politik, Wirtschaft und Sport stehen hinter dem Konzept. Pluspunkt für Brisbane.

3. Planbarkeit für das IOC und Rückhalt in der Bevölkerung Die beiden vorherigen Punkte bedingen, dass es bei der deutschen Initiative noch völlig unklar ist, ob sie am Ende realisierbar ist. Die Gefahr einer Ablehnung per Bürgerentscheid ist nicht zu leugnen, auch wenn Umfragen eine breite Unterstützung zeigen. Politisch gibt es zwar viele Befürworter, aber auch einige Kritiker, die die Ausrichtung eines solchen Großereignisses grundsätzlich in Frage stellen.

Auch in diesem Punkt ist Brisbane also im Vorteil. Dort ist man sich der Zustimmung der Menschen sicher. Eine Abstimmung brauchte es dort politisch nicht. Das macht es für das IOC leichter. Ein nicht zu vernachlässigender Pluspunkt für Brisbane.

4. Die Sportstätten Rhein-Ruhr-City setzt auf die Punkte Nachhaltigkeit und geringe Kosten, die für das IOC angesichts der großen Skepsis gegenüber dem Event Olympia, das regelmäßig Millionen verschlingt, so wichtig sind wie bei noch keiner Bewerbung. 90 Prozent der Sportstätten seien bereits in den Bewerberstädten aus NRW vorhanden, heißt es. Tatsächlich könnte man auf mehrere Stadien und Hallen für Leichtathletik, die Mannschaftssportarten und Hallensportarten wie Turnen, Judo, Ringen oder Fechten zurückgreifen. Auch Schwimmhallen, Ruderstrecken und Reitanlagen sind vorhanden. Nur einzelne Sportstätten müssten neu gebaut werden, wenn überhaupt. Das Olympische Dorf und sein Standort waren aber bereits jetzt Grund für kontroverse Diskussionen.

Ausgerechnet bei dem Faktor steht Brisbane der Region Rhein-Ruhr aber in nichts nach. Auch dort stehen so gut wie alle Sportstätten bereits. Ein Pluspunkt für beide also.

5. Die Infrastruktur An Rhein und Ruhr setzt man auf einen nachhaltigen Effekt für die teils marode Infrastruktur in Bewerberstädten wie Gelsenkirchen, Duisburg, Recklinghausen oder auch Leverkusen. Der öffentliche Personennahverkehr ist ein großes Thema. Eine Olympia-Zusage würde finanzielle Zuschüsse für den strukturellen Ausbau der Region bringen, die damit auch auf Dauer profitieren würde. Das Geld würde also nicht ausschließlich für Olympia ausgegeben, die Menschen vor Ort würden sogar profitieren, so der Ansatz der Initiative.

Im australischen Bundeststaat Queensland muss man sich darüber kaum Gedanken machen. Die nötige Infrastruktur ist dort bereits gegeben. Ein großer Pluspunkt für Brisbane.

6. Olympia zentral in einer Stadt oder in einer Region Das sollte eigentlich kein Plus- oder Minuspunkt mehr für einen Bewerber sein. Das IOC lässt für 2032 auch Regionen als Bewerber zu. Zentrale Spiele in einer Stadt sind keine Vorgabe mehr. Eben auch, um Kosten für die Bewerber zu minimieren. Dennoch dürfte es Brisbane einen Vorteil verschafft haben, dass man sich dort auf eine Stadt begrenzt. Alle Sportarten an einem Ort zu vereinen, scheint für das IOC weiterhin den größeren Charme zu haben und dem olympischen Gedanken mehr zu entsprechen. Pluspunkt für Brisbane.

7. Olympische Vergangenheit Deutschland wäre mal wieder dran als Ausrichter! Das Argument ist immer wieder zu hören. 1972 war man zum letzten Mal Gastgeber. München blieb nicht nur, aber vor allem wegen der Anschläge in Erinnerung. Die überlagerten auch die ansonsten herausragende Stimmung. Die konnte Sydney im Jahr 2000 aber auch eindrucksvoll nachweisen. Die bisher letzten Sommerspiele in Australien blieben mit ihren emotionalen Bildern von feiernden Fans aus aller Welt und der vielfältigen australischen Kultur in Erinnerung. Da 2024 bereits Paris Ausrichter der Spiele ist, dürfte das Argument, man sei mal wieder dran, für das IOC kontinental gesehen nur wenig ausschlaggebend sein. Für beide kein Plus- oder Minuspunkt.

Fazit: 6:1 für Brisbane. In sechs Punkten steht die australische Bewerbung aktuell besser da als die Initiative Rhein-Ruhr-City. Lediglich bei den Sportstätten kann man mithalten. Der größte Faktor dürfte die fehlende offizielle Anerkennung von Rhein-Ruhr-City seitens nationalem Verband, Politik und Bürgern sein.