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Olympia 2021 Tokio - So dürfen die Athleten politische Statements setzen

IOC will Kniefall-Bilder zeigen : Diese Art von politischen Protesten sind bei Olympia erlaubt

Bei der Fußball-EM spielten Proteste gegen Diskriminierung und Rassismus eine große Rolle. Auch bei Olympia wollen Athletinnen und Athleten wie Hockey-Kapitänin Nike Lorenz ein Zeichen setzen.

Die Bilder von knienden Sportlerinnen und Sportlern bei Olympia werden nach dem Einlenken des IOC künftig auch in Kurzvideos auf den offiziellen Kanälen der Organisatoren in den Sozialen Medien gezeigt. Weil am ersten Tag der Wettbewerbe von Tokio der Kniefall von fünf Frauenfußball-Teams vor ihren Spielen in den Zusammenschnitten der Partien fehlte, hatte es Kritik am Internationalen Olympischen Komitee gegeben.

„Das IOC zeigt die Spiele auf seinen eigenen und selbst betriebenen Plattformen, und solche Momente werden auch einbezogen“, teilte das IOC am Donnerstag mit und ändert damit anscheinend seine Praxis. Am Mittwoch hatten die Frauen-Teams aus Großbritannien, Chile, den USA, Schweden und Neuseeland aus Protest gegen Rassismus kurz vor dem Anpfiff gekniet.

Das IOC hatte zuletzt nach langen Diskussion die Regel 50 der olympischen Charta gelockert, die politische Gesten und Aussagen auf dem Spielfeld und bei Medaillen-Zeremonien verbietet. Protest-Aktionen wie der Kniefall oder die erhobene Faust sind vor Beginn eines Wettbewerbs nun möglich, danach auf Siegerpodien aber weiter untersagt. Immerhin: die deutsche Hockey-Spielführerin Nike Lorenz darf ihre Regenbogen-Binde bei Olympia in Tokio auch während der Spiele tragen.

Offen sind hingegendie Strafen, falls Sportler sich doch nicht an die Regeln halten würden. Wenn ein Protest als störend oder als Verstoß gegen grundlegende olympische Prinzipien eingestuft wird, droht unter anderem die Disqualifikation oder die Aberkennung von Medaillen.

Im Gespräch mit Medien, bei Pressekonferenzen, in der Mixed Zone, bei Teambesprechungen, auf Social-Media-Kanälen oder vor Beginn eines Wettkampfs sind den Aktiven Meinungsäußerungen allerdings gestattet.

Bei Siegerehrungen werden Bilder wie beim Black-Power-Protest 1968 von Tommie Smith und John Carlos, der weltweites Aufsehen erregte, aber ausbleiben. Auch wenn US-Sprinter Noah Lyles die Geste zuletzt nachahmte.

Derartige Signale bleiben aber bei den Spielen in Tokio verboten. Bei offiziellen Zeremonien wie Siegerehrungen oder bei der Eröffnungs- und Schlussfeier, auf dem Spielfeld und im Olympischen Dorf soll es weiter keine politischen Botschaften geben. "Das war der Wunsch einer großen Mehrheit der Athleten in unserer globalen Befragung", erklärte das IOC Anfang Juli. Für den Verein Athleten Deutschland besteht damit weiter das "Kernproblem der pauschalen Einschränkung der Meinungsfreiheit", wie sie im April nach der Empfehlung zur Anpassung der Regel 50 betonten. Aus Sicht des Vereins "sollten sich Athlet*innen jederzeit friedlich zu den Werten unserer freiheitlichen-demokratischen Gesellschaft bekennen können."

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Problematisch ist zudem, dass die jeweils zuständigen Verbände ein Vetorecht besitzen. So hat der Schwimm-Weltverband Fina allen Athleten jegliche politische Gesten oder Zeichen des Protests am Beckenrand verboten.

(dör/dpa)