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Olympia 2021: Isabell Werth wütet über Fünfkampf - "Hat nichts mit Reiten zu tun"

Werth wütet nach Pferde-Drama : „Fünfkampf hat nichts mit Reiten zu tun“

Die Medaille war für Annika Schleu fast greifbar. Doch dann spielte das ihr zugeloste Pferd nicht mit. Die siebenmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth sah sich nach den Vorfällen in ihrer Bewertung der Disziplin Reiten im Fünfkampf bestätigt.

Die siebenmalige Olympiasiegerin Isabell Werth sieht sich nach den skandalösen Vorfällen im Modernen Fünfkampf am Freitag in ihrer Meinung bestätigt. „Fünfkampf hat nichts, aber auch gar nichts mit Reiten zu tun“, sagte Werth dem SID: „Die Pferde sind ein Transportmittel, zu denen die Athleten keinerlei Bezug haben. Denen kann man genauso gut ein Fahrrad oder einen Roller geben.“

In der Fünfkampf-Entscheidung in Tokio war Annika Schleu (Berlin) als Führende in die dritte Teildisziplin Reiten gestartet. Auf dem ihr zugelosten Saint Boy hatte zuvor schon eine Reiterin mit drei Verweigerungen große Probleme gehabt. Noch bevor Sportsoldatin Schleu in den Parcours reiten konnte, blockte das Tier ab.

Der Skandal begann, als Bundestrainerin Kim Raisner von der Seite reinrief: „Hau drauf, hau richtig drauf.“ Schleu setzte die Gerte ein, rammte dem Pferd die Sporen in die Seiten, aber nichts bewegte das völlig verstörte und durch die unangemessene Behandlung zusätzlich in Panik geratene Tier dazu, sich zu bewegen. Am Ende reichte es für Schleu nur zu Platz 31 - und die 31-Jährige musste sie sich zudem mit heftiger Kritik aus der Heimat auseinandersetzen. „Moderne Tierquälerei“ oder „Kein Respekt vor dem Tier“ war wenige Minuten nach den ungewöhnlichen Szenen bei Twitter zu lesen. Sie habe schon „diverse Hassnachrichten erhalten“, sagte Schleu kurz nach dem Wettkampf selbst. „Wenn man das sieht, mag man denken, dass das immer so läuft. Die Erfolge, die wir sonst zwischendurch feiern, sprechen dagegen“, sagte Schleu in der ARD. „Eigentlich sind wir Deutsche als gute und solide und auch einfühlsame Reiter bekannt.“

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Für Isabell Werth war dieser Vorfall jedoch kein bisschen überraschend. „Die Fünfkampf-Pferde werden kurz vor der Entscheidung mit einem Transporter ins Stadion gekarrt, kein Reiter hat sie vorher gesehen“, sagte die Mannschafts-Olympiasiegerin von Tokio: „Es ist keine gewachsene Beziehung, wie sie in diesem Sport mit diesen sensiblen Lebewesen nötig ist. Die Pferde sind hier nur Mittel zum Zweck.“

Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung äußerte Kritik. „Die Bilder, die wir gesehen haben, haben eine klare Überforderung von Reiterin und Pferd gezeigt“, sagte FN-Sportchef Dennis Peiler in einer Stellungnahme. Weiter hieß es: „Als Fachverband für den Pferdesport sehen wird die Reiterei im Modernen Fünfkampf kritisch. Unser Verständnis der Reiterei liegt in der Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd und nicht darin, das Pferd als Sportgerät zu betrachten.“

Aus Sicht des Pferdsport-Verbandes „muss das Regelwerk dieser Sportart so gestaltet sein und angewendet werden, dass Reiter und Pferd geschützt werden. Hier besteht beim Modernen Fünfkampf offensichtlich dringender Handlungsbedarf.“

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Dieser Einschätzung schloss sich auch der DOSB an. „Zahlreiche erkennbare Überforderungen von Pferd-Reiter-Kombinationen sollten für den internationalen Verband dringend Anlass dafür sein, das Regelwerk zu ändern“, hieß es in einer Stellungnahme. Es müsse so umgestaltet werden, „dass es Pferd und Reiter schützt. Das Wohl der Tiere und faire Wettkampfbedingungen für die Athletinnen und Athleten müssen im Mittelpunkt stehen.“

(sid/old)