Vor Sommerspielen „Kultur der Angst“ – Deutscher Olympia-Chef zu Rücktritt aufgefordert

Köln · Der Vorsitzende des NRW-Landessportbundes Stefan Klett hat den Rücktritt von DOSB-Präsident Alfons Hörmann gefordert. Hintergrund ist ein angeblich von Mitarbeitern des Deutschen Olympischen Sportbundes verfassten Brief, in dem schwere Vorwürfe erhoben werden.

 Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Foto: AFP/INA FASSBENDER

DOSB-Präsident Alfons Hörmann gerät nach der Aufregung um einen offenen Brief, der angeblich aus der Mitarbeiterschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes stammt, zunehmend unter Druck und sieht sich einer ersten Rücktrittsforderung gegenüber.

"Herr Hörmann sollte umgehend zurücktreten und den Weg für eine Neuwahl frei machen", sagte Stefan Klett, Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, der Sportschau: "Der gemeinnützige deutsche Sport braucht Vertrauen, Transparenz und Menschlichkeit in der Pandemiezeit und einen Präsidenten, der seinen Mitgliedsorganisationen und der Basis aktiv zuhört, statt sie zu ignorieren."

"Nach der desaströsen wiederholten Olympiapleite, dem zerschnittenen Tischtuch mit dem IOC, dem Dilettantismus im Umgang mit der Einwirkung auf das Impfschutzgesetz bringt dieser Vorgang das Fass zum Überlaufen. Sein mangelnder Respekt vor den Mitarbeiter und gleichsam der Breitensportbasis in den Sportvereinen schadet den wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben des DOSB", ergänzte Klett, dessen Verband mit rund fünf Millionen Mitgliedern der größte Landessportbund in Deutschland und die drittgrößte von rund 100 Mitgliedsorganisationen im DOSB ist.

In dem am Donnerstag viel diskutierten Brief, wurden detailliert interne Vorgänge geschildert und Vorwürfe gegen die Führungsgremien und explizit gegen Hörmann erhoben. Dem offenen Brief zufolge haben sich ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DOSB vorher ausgetauscht, ehe das Schreiben verschickt wurde. Unter anderem wird mit Verweis auf vergangene Vorkommnisse eine „Kultur der Angst“ im Verband angeprangert und das angebliche Fehlen von Respekt und Fairplay in den Führungsgremien beklagt. Der Brief schließt mit den Worten: „Es braucht Veränderung! Vor allem aber braucht es eine neue Kultur innerhalb des DOSB. So kann es nicht weitergehen!“

Der DOSB bestätigte "den Eingang einer anonymen Mail, die von einem Fake-Mail-Account versandt wurde. Von den im Adressatenkreis angesprochenen Mitgliedern des Vorstandes und des Präsidiums haben nur einige dieses anonyme Schreiben erhalten. Wir werden die Hintergründe prüfen." Hörmann selbst weilte am Donnerstag bei der Präsentation der Olympia-Outfits in Düsseldorf und äußerte sich zunächst nicht.

(kron/SID/dpa)