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17. Olympia-Sieg für US-Star: König Phelps und die goldene Krönung

17. Olympia-Sieg für US-Star : König Phelps und die goldene Krönung

Als Schwimmkönig Michael Phelps nach seinem letzten olympischen Einzelrennen erneut als Sieger den Pool verließ, hatte er sich auch in London zum Regenten der Spiele gekrönt.

Mit seinem goldenen Triumph über 100 m Schmetterling holte der 27-Jährige am Freitag seinen 17. Olympiasieg und wird die Wettbewerbe in der britischen Metropole als erfolgreichster Schwimmer verlassen. Die Lagenstaffel am Samstag soll der goldene Karriere-Abschluss des erfolgreichsten Olympioniken der Geschichte werden.

Nur 23 Stunden nach seinem historischen Titel-Hattrick über 200 m Lagen feierte er auch über die Schmetterling-Distanz den dritten Olympiasieg in Folge. Vor dem Start in sein letztes Einzelrennen auf der olympischen Bühne gab sich Phelps nach außen wie immer. Cool kam er in die Halle, große Kopfhörer auf den Ohren.

Innerlich dürfte der Größte seiner Zunft aufgewühlter gewesen sein. "Ich sage mir die ganze Zeit: Das ist mein letzter Vorlauf. Das ist mein letztes Schmetterlings-Rennen", sagte Phelps bereits am Donnerstag, nachdem er mit seinem Erfolg über 200 m Lagen im letzten Gigantenduell gegen den US-Rivalen Ryan Lochte sein erstes Einzelgold in London gewonnen hatte.

Um 19.40 Uhr Ortszeit ertönte das Startsignal. Die Konkurrenz gab alles, doch im Schlussspurt hing Phelps sie wieder ab. 51,21 Sekunden benötigte er für seine 21. Olympia-Medaille. Mit ausgestreckten Armen feierte er seinen zweiten Titel-Hattrick vor völlig lösgelösten Fans.

Drei Siege in Folge auf einer Strecke hatten schon die Australierin Dawn Fraser (100m Freistil, 1956 bis 1964) und Krisztina Egerszegi (200 m Rücken 1988 bis 1996) aus Ungarn geschafft, Phelps war am Donnerstag der erste Mann. "Ich weiß nicht, ob er es wirklich auf dem Zettel hatte, aber mir war es wichtig, dass Michael als erster drei Siege in Folge holt", sagte Trainer Bob Bowman. Warum? "Weil es einfach cool ist."

Cool ist der treffende Ausdruck, um das Auftreten Phelps' in London zu beschreiben. "Ich möchte sehen, wie viele Schokostückchen ich noch auf meine Torte tun kann", hatte er zu Beginn der Spiele gesagt - und gelacht. So locker, so gelöst wie dieser Tage hat man ihn wohl noch nie erlebt. Rückschläge wie die niederschmetternde Niederlage zum Auftakt über 400 m Lagen steckte er ebenso weg wie die Pleite auf seiner früheren Paradestrecke 200 m Schmetterling gegen den südafrikanischen Newcomer Chad de Clos.

Am Dienstag war Phelps mit Staffelgold und seiner insgesamt 19. olympischen Medaille bereits zum erfolgreichsten Olympioniken der Geschichte avanciert.

Er werde die Rennen vermissen, sagt er - ein Comeback schloss Phelps aber schon vor seinen letzten beiden olympischen Rennen aus. "Es wird nach Samstag keine Wettkämpfe mehr geben." Und dann? "Ryan kann auf jeden Fall schneller schwimmen. Ich denke, das werden wir in Zukunft sehen", sagt Phelps. Auch le Clos (Südafrika) sei ein Kandidat auf seine Nachfolge. Doch angesichts der Ergebnisse in London ist es unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Jahren einen ähnlichen Dominator wie Phelps geben wird.

Lochte startete zwar mit einem beeindruckenden Sieg in die Sommerspiele. Doch "rocken", wie er es selbst angekündigt hatte, konnte er die weiteren Wettbewerbe nicht. "Ich wollte Gold bei all meinen Starts, aber das ist nicht eingetreten", sagte Lochte, "ich muss damit leben, daraus lernen und versuchen, die Fehler in den kommenden vier Jahren nicht noch mal zu machen." Stolz war er auf seine fünf Medaillen, darunter zwei goldene, trotzdem.

Als "weiblicher Phelps" wurde schon vor den Spielen Teeniestar Missy Franklin bezeichnet. Die 17-Jährige aus den USA gewann am Freitag in Weltrekordzeit über 200 m Rücken ihr drittes Gold. Gut möglich, dass dem König irgendwann eine Königin folgt.

Hinweis für die Redaktion:

Der SID bietet Video-Material zu diesem Thema an. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an SID Video unter 0221/99880-201.

Hier geht es zur Infostrecke: Die erfolgreichsten Sommer-Olympioniken

(sid)