Zukunft des deutschen Sports: Judoka Tölzer übt Kritik

Zukunft des deutschen Sports : Judoka Tölzer übt Kritik

Eigentlich hatte der Mönchengladbacher Judoka Andreas Tölzer (32) auf der Eil-Pressekonferenz des Landessportbundes (LSB) NRW allen Grund, beseelt auf seinem Stuhl zu sitzen und sich einfach nur verliebt seine Bronzemedaille anzuschauen, die er bei den Olympischen Spielen im Schwergewicht gewonnen hat.

Doch er ist wie seine Kollegen als kritischer Geist in einer Debatte im Einsatz, die schon Jahr(zehnt)e alt ist, aber nie so scharf geführt wurde: Es geht um die Zukunft des Sports in Deutschland. Die Thesen des LSB — und was Tölzer dazu sagte:

"Die finanzielle Ausstattung des Leistungssports in NRW ist defizitär."

Der Anteil der 113 NRW-Athleten am Olympiateam lag bei 29 Prozent. Unter den 94 deutschen Medaillengewinnern waren 39 Sportler aus NRW (rund 40 Prozent). Trotzdem stehen dem LSB NRW jährlich nur sechs Millionen Euro zur Verfügung, 13 sollten es sein. "Zumal der Bund den Olympiastützpunkt Berlin stärker als die drei NRW-Olympiastützpunkte zusammen fördert — das ist unangemessen", kritisierte LSB-Präsident Walter Schneeloch. "Auch für Athleten sind die Gelder wichtig — wir brauchen einen Anreiz, müssen davon leben können", sagte Tölzer.

"Es muss im Schulsport ein Umdenken geben."

Der Großteil der Gesellschaft sei nicht mehr bereit, Leistungssport zu treiben. "Uns geht der Nachwuchs aus, den man an die Spitze heranführen kann", mahnte Schneeloch. "Es geht um die Basis." Es wäre schon viel geholfen, wenn die Ausbildung von sportlichen Grundfähigkeiten wieder einen höheren Stellenwert erhalte. "Nach der Ganztagsschule noch in den Verein zu gehen, können Kinder gar nicht leisten", sagte Tölzer.

"Wir vermissen eine klare Führung."

In der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Spitzenverbänden gibt es laut LSB zu viele Diskussionen über Zuständigkeiten. "Der Abstimmungsbedarf ist groß", sagte Schneeloch. Nur bei effizienteren Strukturen könnten Talente gefördert werden. Auch die Zielvereinbarung durch Bundesinnenministerium und DOSB wurde kritisiert. "Wenn wir der Bundesebene zuarbeiten sollen, wäre es hilfreich, über die dort vereinbarten Ziele informiert zu sein", sagte Gisela Hinnemann, Vizepräsidentin Leistungssport des LSB.

Und bei dem Thema passierte es dann doch, Tölzer sah verliebt seine Medaille an: "Ich hatte eine persönliche Zielvereinbarung — und die habe ich erreicht. Nach all den Mühen war das überwältigend."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Olympia 2012: Judo-Bronze für Schwergewicht Tölzer

(RP/seeg)