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Tokio 2021: Julia Krajewski gewinnt Gold im Einzel der Vielseitigkeitsreiter

Als erste Frau : Krajewski springt zu Gold im Einzel der Vielseitigkeitsreiter

Überragend! Nach einer Karriere mit vielen Höhen und Tiefen schlägt in Tokio die große Stunde von Julia Krajewski: Als erste Frau gewinnt sie Einzel-Gold in der Vielseitigkeit.

Julia Krajewski presste das Handy ans Ohr, Tränen liefen ihr in Strömen über das Gesicht. Mutter und Schwester im fernen Deutschland waren die ersten, mit denen die neue Olympiasiegerin der Vielseitigkeitsreiter wortreich schluchzend ihr Gefühlschaos teilte. "Und mein Papa, der hat von oben zugeschaut", sagte Krajewski später am ARD-Mikrofon, und ihre Stimme kippte beim Gedanken an ihren Anfang des Jahres verstorbenen Vater.

Im Sattel ihrer heißgeliebten Stute Amande de B'Neville wurde die 32-jährige Krajewski als erste Frau überhaupt Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit - der goldene Höhepunkt einer Karriere, die wechselhafter nicht hätte sein können.

"Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich noch gar nicht richtig realisiert habe, was das heißt", gab die Frau des Tages zu: "Mein Handy explodiert. Es ist ein riesiges Gefühl, so eine Medaille für Deutschland gewonnen zu haben und für alle, die immer an mich glauben." Unwirklich fühle sich alles an, "wie ein Traum", und ihr Pferd, dieses wunderbare Pferd, "war für mich schon immer ein Superstar. Jetzt ist sie mein Olympiasieger-Pferd. Besser geht es nicht."

Tränenüberströmt sprang Krajewski nach der Wandlung von der ewigen Pechmarie zur goldenen Reiterin in der Stallgasse ihrem Freund in die Arme, ein paar Meter weiter kämpfte der scheidende Bundestrainer Hans Melzer mit seinen Emotionen. "Sie ist wirklich eine ganz würdige Olympiasiegerin", sagte er: "Das war reiterisch vom Allerfeinsten."

Einer der ersten Gratulanten war Krajewskis Vorgänger Michael Jung, der nach einem Patzer im Gelände mit dem ebenfalls einst von Krajewski ausgebildeten Wallach Chipmunk auf Platz acht landete. "Das war wirklich bilderbuchmäßig", sagte der dreimalige Olympiasieger.

Hinter Krajewski holten der Brite Tom McEwen mit Toledo de Kerser und Australiens "ewiger" Andrew Hoy mit Vassily de Lassos Silber und Bronze. Für Deutschland war es nach den beiden Erfolgen der Dressur-Equipe das dritte Reitergold in Tokio.

In der Teamwertung war Deutschland zuvor erstmals seit 2004 in Athen ohne Medaille geblieben. Hinter Großbritannien, Australien und Frankreich blieb der deutschen Equipe trotz einer tollen Aufholjagd nur Platz vier.

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Doch im Mittelpunkt stand Krajewski - und das nach einem Jahr, das für die 32-Jährige alles bereit hielt, "was man an Aufs und Abs erleben kann". Anfang des Jahres musste sie ihr Spitzenpferd Samourai du Thot in den Ruhestand schicken, die Hoffnung auf Tokio schwand.

Und kehrte zurück, als die elfjährige Amande "plötzlich so einschlug und abgeliefert hat". Die Liebe zwischen der Reiterin und ihrer "Mandy" ist eine ganz besondere, am Montag sei die Stute eine "liebe Löwin" gewesen. "Ich hab heute ein paar Sachen durcheinandergebracht", sagte Krajewski in der ARD: "Aber sie hat es gerettet."

Rückschläge bei Championaten hat Krajewski zur Genüge erlebt. In Rio schied sie im Gelände aus, bei der WM 2018 in Tryon leistete sie sich einen Vorbeiläufer im Gelände, und vor vier Jahren bei der EM in Strzegom/Polen kostete ein Medikationsbefund bei Samourai du Thot die deutsche Equipe Silber.

Sollte das in Tokio mit einer Medaille enden, hatte Krajewski vor ihrem abschließenden Ritt gesagt, "ist das der Stoff, aus dem Filme gemacht werden." Die Dreharbeiten können beginnen.

(kron/dpa/SID)