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Tokio 2021: Dimitrij Ovtcharov holt Bronze im Tischtennis und schreibt Geschichte

Mehr als ein Trostpflaster : Ovtcharov holt Bronze und schreibt Geschichte

Vier Matchbälle abgewehrt und den Tischtennis-Krimi doch noch gewonnen: Dimitrij Ovtcharov holt wie schon 2012 Bronze für Deutschland. Damit steigt der 32-Jährige in einen erlauchten Kreis auf.

Dimitrij Ovtcharov sank nach dem Matchball ungläubig auf die Knie, auf der Tribüne klatschte Timo Boll begeistert Beifall: Mit Nerven aus Drahtseilen hat der 32-Jährige wie schon 2012 in London Olympia-Bronze im Tischtennis gewonnen. Ovtcharov bezwang den erst 19 Jahre alten Lin Yun-Ju aus Taiwan nach vier abgewehrten Matchbällen mit 4:3, einen Tag nach der bitteren Halbfinal-Niederlage gegen Ma Long durfte er doch noch jubeln.

Mit dem zweiten Bronze-Coup seiner Karriere stieß Ovtcharov (Hameln/Orenburg) in einen erlauchten Kreis vor. Der frühere Weltranglistenerste ist erst der zweite Nicht-Chinese mit zwei olympischen Einzelmedaillen in seiner Sammlung. Vor ihm hatte dieses Kunststück nur der Schwede Jan-Ove Waldner (Gold 1992 und Silber 2000) geschafft.

Der zweimalige Europameister begann stark, den ersten Durchgang holte er sich nach einem abgewehrten Satzball. Vor allem mit seinem variablen Aufschlag kam Ovtcharov gegen den Linkshänder immer wieder zu Punkten, bei langen Ballwechseln fand er gegen die krachende Vorhand aber zu selten ein Mittel und geriet 1:2 in Rückstand.

Ein starker vierter Satz brachte den Ausgleich, danach verlor der Deutsche aber kurzzeitig den Faden. Mit vier abgewehrten Matchbällen rettete er sich doch noch in den siebten Durchgang, wo er diesmal das bessere Ende für sich behielt.

Insgesamt war es für Ovtcharov die fünfte Olympia-Medaille nach Silber (2008) und zweimal Bronze (2012, 2016) mit dem deutschen Team. Fünfmal Edelmetall hat bei den Männern neben Ovtcharov bislang nur der Chinese Wang Hao (Team-Gold 2008 und 2012, Einzel-Silber 2004, 2008 und 2012) geholt.

Der Sieg im Tokyo Metropolitan Gymnasium war daher mehr als nur ein Trostpflaster für das dramatische 3:4 gegen den chinesischen Weltmeister und Rio-Sieger Ma Long. Ovtcharov stand am Donnerstag kurz davor, als erster Deutscher in ein Olympia-Finale einzuziehen, scheiterte aber knapp. "Wir werden ihm helfen und ihn wieder aufbauen", hatte Roßkopf im Anschluss gesagt.

Und das gelang: Gegen den Olympia-Debütanten aus Taiwan konnte sich Ovtcharov wieder auf seine starke Rückhand verlassen. Vor allem im vierten Satz behielt er gegen den aufstrebenden Jungstar die Nerven und schnappte dem Teenager die Medaille weg.

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Ovtcharov kann im am Sonntag beginnenden Mannschaftswettbewerb sogar seine sechste Olympia-Medaille holen. Dann steht auch wieder Timo Boll an der Platte, der im Einzel bereits im Achtelfinale gescheitert war.

(kron/SID)