Norbert Warnatzsch will nicht mehr: Steffen-Trainer schmeißt hin

Norbert Warnatzsch will nicht mehr : Steffen-Trainer schmeißt hin

Köpfe sollten rollen, forderten zumindest die Kritiker am Deutschen Schwimm-Verband. Nun gibt es erste Konsequenzen - allerdings nicht bei den Funktionären. Britta Steffens Trainer Norbert Warnatzsch will nicht mehr. Macht die Weltrekordlerin ohne ihren Vertrauten weiter?

Britta Steffens Trainer will nicht mehr, wie geht es nun für Deutschlands Top-Schwimmerin weiter? Nach der olympischen Nullnummer der deutschen Beckenschwimmer trat Norbert Warnatzsch zurück. "Er hat sich für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung bedankt. Wir sind zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen. Das muss man dann akzeptieren", bestätigte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow am Dienstag in London den Schritt Warnatzschs. Was das für Steffens angekündigte Entscheidung über Karriereende oder -fortsetzung bedeutet ist offen.

Der 65-Jährige hatte seinen Entschluss der Weltrekordlerin und den beiden anderen Athleten Tim Wallburger und Benjamin Starke mitgeteilt. "...wieder in Berlin. Jetzt muss ich für meinen Trainer kämpfen, denn Kelly will aufhören und das geht ja mal gar nicht!!!!!!!!!!!!!", postete Wallburger auf seiner Facebook-Seite.
Die Verantwortlichen des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) wollen noch einmal das Gespräch mit dem verdienen Trainer-Routinier suchen.

Warnatzsch selbst war am Dienstag nicht erreichbar. Britta Steffen feierte in London mit ihrem Freund Paul Biedermann dessen 26. Geburtstag. Für eine Stellungnahme ist sie nach Auskunft ihres Managements erst nach ihrem Urlaub wieder zu erreichen.

Mit Warnatzschs Schritt ist zumindest fraglicher geworden, ob Steffen ihre Karriere fortsetzt. Die 28-Jährige hatte am Samstag nach dem vierten Platz über 50 Meter Freistil bei den Olympischen Spielen in London ihr Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen engen Vertrauten erklärt: "Ob das zukunftsmäßig passt, das entscheiden andere. Da habe ich kein Wörtchen mitzureden, und mit der Leistung noch weniger. Von daher muss ich erstmal abwarten."

Steffen hatte auch erläutert, sie könne sich gut vorstellen, einen jüngeren Trainer hinzuzunehmen, der von Warnatzschs Erfahrungsschatz profitieren könne. Die Berlinerin will sich in einem dreiwöchigen Urlaub Gedanken über Rücktritt oder Fortsetzung der Karriere machen.

Warnatzsch hatte Steffen nach vier EM-Titeln 2006 unter anderem zu Doppel-Gold bei Olympia 2008 in Peking und der WM 2009 in Rom geführt. Nach dem Aus mit der Freistilstaffel über 4 x 100 Meter war bei den Spielen von London auch intern Kritik an ihm aufgekommen, da seine Vorgabe an Steffen als Startschwimmerin lautete, nur mit 90 bis 95 Prozent anzugehen. Leistungssportdirektor Lutz Buschkow hatte daraufhin die Devise ausgegeben, jeden Vorlauf voll zu schwimmen. DSV-intern stand man einer Verlängerung von Warnatzschs Vertrag nicht positiv gegenüber. Davon unabhängig hätte Steffen ihren Erfolgstrainer aus der Privatschatulle weiter beschäftigen können.

Der erfolgreiche Trainer führte 1980 Jörg Woithe und 28 Jahre später Britta Steffen zu Olympiasiegen, erlebte mit Franziska van Almsick Aufs und Abs. Mit 22 Jahren wurde der ehemalige Moderne Fünfkämpfer Nachwuchstrainer beim SC Dynamo Berlin. Dort betreute er auch die spätere Olympiasiegerin Barbara Krause, von 1976 bis 1988 das Männer-Nationalteam. Nach der Wende leistete er von 1991 an anderthalb Jahre Aufbauarbeit als Cheftrainer in Indonesien - ohne ein Wort englisch zu sprechen.

Warnatzsch selbst hatte sich - loyal wie immer - stets vor seine Athleten und insbesondere Britta Steffen gestellt. Auch als er nach einem möglichen Rücktritt gefragt wurde: "Britta hat schon sehr viel für den deutschen Schwimmsport geleistet. Und wenn sie weitermachen möchte, kriegt sie alle Unterstützung dieser Welt. Und wenn sie aufhören möchte, dann ist das auch zu verstehen." Vor einigen Tagen ahnte kaum einer, dass diese Worte auch auf ihn zutreffen könnten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Olympia-Tage von Biedermann und Steffen

(dpa)