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Olympia Tokio 2021: Drama um Annika Schleu beim Modernen Fünfkampf – Medaille weg

Pferd bockt im Parcours : Drama um Annika Schleu beim Modernen Fünfkampf – Medaille weg

Ein Reit-Drama hat die deutsche Fünfkämpferin Annika Schleu um alle Medaillenchancen gebracht. Weil das Pferd mehrfach verweigerte, fiel sie von Platz eins auf Rang 31 zurück.

Welch ein Drama beim Modernen Fünfkampf bei den Olympischen Spielen in Tokio! Ein bockendes Pferd im Springreit-Parcour hat Annika Schleu eine Medaille vermasselt. Nach drei Disziplinen lag die deutsche Athletin noch auf Gold-Kurs, bis das Pferd Saint Boy sich kaum reiten ließ und mehrere Hindernisse verweigerte. Schleu saß aufgelöst im Sattel und verhielt sich auch noch falsch.

Was war geschehen? Auf dem Rücken des zufällig zugelosten Pferdes kam Schleu überhaupt nicht zurecht. Es verweigerte schon das Anreiten. Schleu wirkte vollkommen aufgelöst, die Tränen standen ihr in den Augen. Sie strahlte pure Verzweiflung aus und schlug immer wieder auf das Pferd ein und beging dadurch den größten Fehler: sie brachte keine Ruhe rein und misshandelte das Pferd dadurch. Im Parcour verweigerte Saint Boy mehrere Hindernisse.

Das Pferd hatte schon vorher für Probleme bei der russischen Sportlerin Gulnas Gubaidullina gesorgt. Auch sie war auf Saint Boy ohne Punkte geblieben. Lena Schönborn, Olympiasiegerin von 2008, die in Rio de Janeiro vor fünf Jahren ein ähnliches Drama erlebte, war im ARD-Interview fassungslos und verstand nicht, warum Schleu nicht auf ein Ersatzpferd umgestiegen ist.

„Wir hätten das Pferd nur wechseln dürfen, wenn es vier Mal stehen geblieben wäre (bei der Russin, Anm. d. Red.), es ist aber nur drei Mal stehen geblieben“, erklärte Bundestrainerin Kim Raisner später. „Das Pferd muss irgendein Problem mit der Arena haben. Es war einfach unfair.“

Schleu fiel durch das Drama vor dem abschließendem Laser-Run mit 551 Zählern vom ersten auf den 31. Platz zurück und hat keine Chancen mehr auf eine Medaille. Auch die zweite deutsche Starterin Rebecca Langrehr (Berlin/717) ist auf dem 29. Rang ohne Medaillenchance.

„Es kann keiner besser nachempfinden als ich. Es ist Eins-zu-Eins die Situation, die ich in Rio hatte“, sagte Schöneborn, die 2016 in Brasilien ihre Medaillenchance auf dem Rücken von „Legende" verloren hatte, in der ARD: "Es ist der Worst Case, der jetzt eingetreten ist. Mit allen anderen Punktzahlen hätte sonst was passieren können, hätte man Annika keine Medaille mehr nehmen können. Das ist sehr erschütternd.“

Schleu war am Donnerstag mit 29 Siegen in 35 Fecht-Duellen glänzend in den Wettkampf gestartet. „Das hatte ich in meinem Leben noch nie. Heute hat irgendwie alles gepasst“, hatte sie im Anschluss in der ARD gesagt. Im Bonusfechten am Freitag verlor sie im Tokyo Stadium ihr Duell gegen die Südkoreanerin Kim Sehee. Zuvor hatte sie beim Schwimmen über 200 m Freistil nach 2:16,99 Minuten als 24. angeschlagen, ihre Führung aber behauptet. Dann folgte das Reit-Drama.

(dör)