Angeklagter Schwimmtrainer: Missbrauchsprozess zieht sich hin

Angeklagter Schwimmtrainer : Missbrauchsprozess zieht sich hin

Überraschung im Missbrauchsprozess gegen einen Schwimmtrainer: Der Angeklagte beauftragte eine weitere Verteidigerin. Zudem sollen auf Antrag seiner Anwältin zusätzliche Zeugen gehört werden.

Der Missbrauchsprozess gegen einen Schwimmtrainer der deutschen Olympia-Mannschaft ist vor dem Kieler Amtsgericht mit der Vernehmung von zwei Zeuginnen fortgesetzt worden. Der Angeklagte hatte am zweiten Verhandlungstag überraschend die Kieler Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki hinzugezogen. Sie kündigte am Donnerstagnachmittag weitere Beweisanträge an, über die das Gericht noch beraten muss. Am Nachmittag vertagte das Kieler Amtsgericht die Entscheidung erneut. Mit einem Urteil ist frühestens bei der Prozess-Fortsetzung am Freitag (11.00 Uhr) zu rechnen. Dann werden bis zu drei neue Zeugen der Verteidigung geladen sein.

Der Trainer ist wegen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen angeklagt. Er soll das Betreuungsverhältnis zu einer jungen Kieler Schwimmerin von 2004 bis 2006 ausgenutzt und die Schwimmerin in 18 Fällen sexuell missbraucht haben. Sein Verteidiger Kai Dupre hatte schon im Vorfeld des Prozesses die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Er blieb auch zu Prozessbeginn dabei.

Die junge Frau hatte am Dienstag zu Prozessbeginn mehrere Stunden ausgesagt. Am zweiten Verhandlungstag sagten auch ihre beiden Freundinnen stundenlang aus. Eine der Zeuginnen war auch eine frühere Freundin des Angeklagten. Über den Inhalt wurde nichts bekannt. Die Öffentlichkeit ist auf Antrag von Verteidigung und Nebenklage vom Verfahren ausgeschlossen. Nur die Anklageverlesung war öffentlich. Auch das Urteil soll öffentlich verkündet werden.

Die neue Wahlverteidigerin bestätigte nach einer Verhandlungspause am Nachmittag, dass die Verteidigung neue Beweisanträge stellen werde. Weitere Angaben machte sie dazu aber nicht. Einen sogenannten Deal - das heißt eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwältin, Nebenklagevertreterin und Verteidigung - gibt es nach Angaben der Anwältin nicht.

Bei einem Deal würde dem Angeklagten gegen ein Geständnis ein maximales Strafmaß zugesichert. Der Angeklagte hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die junge Frau wurde laut Anklage seit ihrem zwölften Lebensjahr von dem Coach trainiert. Ab ihrem 16. Lebensjahr soll der Mann sich an ihr vergangenen haben. Die heute 24-Jährige ist in dem Verfahren auch Nebenklägerin.

Die betroffene Frau hatte 2009 Strafanzeige gestellt. Danach nahm die Kieler Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf, 2011 erhob sie Anklage. Bei einem Schuldspruch könnte das Schöffengericht eine Strafe von maximal vier Jahren verhängen.

(dpa/sid)
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