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Maximilian Schachmann hat den Olympischen Spielen alles untergeordnet

Für eine Medaille : Schachmann hat den Olympischen Spielen alles untergeordnet

Der deutsche Rad-Profi Maximilian Schachmann hat für eine perfekte Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio extra die Tour de France ausgelassen. Nun greift er nach seinem bisher größten Karriere-Erfolg.

Es wird knallhart am ersten Wochenende! 234 Kilometer, 4865 Höhenmeter, ein Start in Tokio, eine Überfahrt des Fuji und das Ziel auf einer Rennstrecke – das Straßenrennen der Olympischen Spiele 2021 hat es in sich. Ein Deutscher lässt sich davon aber nicht abschrecken und formulierte bereits vor Wochen das ganz große Ziel. „Ich fahre nach Tokio, um eine Medaille zu holen. Alles andere ist keine Option“, sagte Maximilian Schachmann nach seiner Nominierung für die Wettbewerbe. Der Radprofi vom deutschen Rennstall Bora-hansgrohe hat dafür sogar die Tour de France ausgelassen, um sich perfekt auf das Rennen in Japan vorzubereiten – anders als Emanuel Buchmann, der wie Nikias Arndt und Simon Geschke neben Schachmann für Deutschland ins Rennen gehen wird.

Die besten Chancen auf eine olympische Medaille dürfte aber tatsächlich der amtierende deutsche Meister Schachmann haben. Eine Woche vor dem Tour-Start sicherte er sich in der Nähe von Stuttgart zum zweiten Mal in seiner Karriere den nationalen Titel und unterstrich seine gute Form. Diese hat er, während der Jahres-Rundfahrts-Höhepunkt in Frankreich über die Bühne ging, in der Sierra Nevada noch einmal versucht, zu verbessern. „Die Olympia-Vorbereitung geht gut“, schrieb er und postete dazu ein Bild von sich auf dem Rad in den sozialen Netzwerken.

Wie gut sie ging, wird sich am 24. Juli zeigen, wenn Schachmann als einer von 130 Profis ins olympische Straßenrennen gehen wird. Anders als bei normalen Wettkämpfen in einer Saison kann er sich dann nämlich nicht auf sein starkes Bora-Team verlassen. Wie bei einer Weltmeisterschaft startet nur eine Nationalmannschaft mit vier Fahrern – die anderen drei werden aber wohl angehalten sein, für ihren Kapitän zu arbeiten. Schließlich liegt das schwere Profil mit fünf Bergpässen dem Berliner, der als bisher einziger Deutscher die Einwochen-Rundfahrt Paris-Nizza bereits zweimal gewinnen konnte. Auch bei den legendären Frühjahrsklassikern kommt Schachmann stets gut zurecht. Er hat also schon häufiger unter Beweis gestellt, dass er gut über die Berge kommt und endschnell ist.

Bei den Spielen in Tokio dürften dies die wichtigsten Eigenschaften sein. Relativ schnell auf der insgesamt 234 Kilometer langen Strecke dürften Fluchtversuche das Bild des Rennens prägen. Die schwierigste Aufgabe für Schachmann dürfte dann lauten, in der richtigen Gruppe zu landen. Zu früh allein vorn wäre nicht gut, genauso wenig, wie die Gruppe des Tages zu verpassen. Schachmann gilt allerdings als hochintelligenter Fahrer, der ein Rennen gut lesen kann.

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So wie bei der Tour de Suisse Anfang Juni, bei der er zwar knapp das Podium verpasste, aber ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz schickte. In Tokio greift er dann nach den Sternen – und dem ersten deutschen Olympia-Sieg auf der Straße seit Jan Ullrich 2000 in Sydney.

Ein großer Konkurrent wird dann übrigens nicht am Start sein: der amtierende Weltmeister Julian Alaphilippe, der bei der Tour de France am Start stand, verzichtet auf das Rennen in Tokio und bereitet sich lieber auf die WM im Herbst vor, um dort seinen Titel zu verteidigen. Dabei hätte ihm der Klassiker-ähnliche Kurs in Japan durchaus gelegen. Glück für Schachmann?

Sollte es im Straßenrad-Rennen übrigens nicht klappen, hat der 27-Jährige noch eine weitere Chance auf eine Olympia-Medaille: Beim Einzelzeitfahren. Schachmann gilt auch im Kampf gegen die Uhr als guter Fahrer, gewann in den vergangenen Jahren bereits bei Rundfahrten solche Etappen. Und weil der Kurs bei den Olympischen Spielen eben keiner für klassische Zeitfahrer wie Tony Martin ist, schickt der Bund Deutscher Radfahrer den Berliner auch am 28. Juli auf die Strecke rund um den Fuji International Speedway. 44,2 Kilometer über 845 Höhenmeter müssen dann überwunden werden. Auch das wird knallhart.

Schachmann hat also gleich zwei Chancen auf olympisches Edelmetall – und er scheint dafür bereit zu sein. Nicht umsonst formulierte er schon vor Wochen sein Ziel lautstark, was er sonst eher nicht tut. In Gesprächen wählt er seine Worte oft mit Bedacht. Vielleicht ist die Aussage aber auch einfach das Spiegelbild seines aktuellen Selbstbewusstseins. Wichtiger werden aber die Beine sein, die er an den entscheidenden beiden Tagen haben wird. Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn es darauf ankommt, sind sie oft tatsächlich da.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Maximilian Schachmann